Hummel sitzt auf einer lilafarbenen Blüte (Foto: Adobe Stock/✧ Elenwen ✧)

Alles mit sechs Beinen

NABU-Insektensommer: Zweite Zählphase startet

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Dominik Bartoschek
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Andreas Reinhardt
Bild von Wirtschaftsredakteur Andreas Reinhardt (Foto: SWR)

Wie geht es den Insekten bei uns? Diese Frage versucht der Naturschutzbund NABU jedes Jahr im Sommer zu beantworten. Und wir alle können helfen, indem wir die Insekten beobachten.

Egal ob im Garten, im Wald oder auf dem Feld, eine Stunde lang sollen ab dem 5. August 2022 möglichst viele Insekten in einem Umkreis von zehn Metern um den eigenen Standpunkt erfasst werden. Die Ergebnisse gehen anschließend online oder per App an den NABU. Die Aktion dauert bis zum 14. August. Die Ergebnisse liefern Erkenntnisse darüber, welche Arten bei uns gefährdet sind oder welche sich rasant ausbreiten. Insektensommer nennt sich die Aktion, es gibt sie jedes Jahr einmal im Juni und einmal im August.

Die Hitze und die Insekten

In diesem Jahr ist die Aktion besonders spannend. Denn in den letzten Wochen war es so heiß und trocken, dass das durchaus Einfluss auf die Beobachtungen haben könnte. Denn Hitze und Dürre haben zahlreiche Auswirkungen auf die Insektenwelt.

"Normale Hitze macht den Insekten nichts", sagt Daniela Franzisi, die Projektleiterin für den Insektensommer beim NABU. Dieses Jahr ist die Hitze allerdings extrem. Und das könnte dann doch Folgen für die Insektenwelt haben.

Denn bei Temperaturen um die 40 Grad wird es kritisch für die heimischen Insekten, "weil sie dann einfach mit dieser großen Hitze sich nicht mehr so gut bewegen können, und dann würden sie auch anfangen, sich richtig zu verstecken". Was für eine Zählaktion wie den Insektensommer natürlich schlechte Voraussetzungen wären.

Weniger Schmetterlinge, aber mehr Wespen erwartet

Gespannt ist Daniela Franzisi zum Beispiel darauf, ob noch viele Schmetterlinge gemeldet werden. Denn sie wurden bereits bei der ersten Phase der Aktion im Juni so zahlreich gezählt, dass sie ihren Entwicklungshöhepunkt jetzt - nach wochenlanger Wärme - längst überschritten haben könnten. Dafür dürften deutlich mehr Wespen gemeldet werden. Sie profitieren nämlich gerade vom heißen Sommer.

Wespe sitzt auf Essen (Foto: dpa Bildfunk, Frank Rumpenhorst)
Wespen macht die Hitze nichts aus. Frank Rumpenhorst

Trockenheit hat langfristig Auswirkungen auf die Insektenwelt

Für die Insekten, die am oder im Wasser leben, ist nicht die Hitze, sondern vor allem die Trockenheit ein Problem. Vielerorts im Südwesten sind Bäche und Tümpel derzeit ausgetrocknet, das macht einigen Insekten große Probleme, wie zum Beispiel der Hainschwebfliege, sagt Daniela Franzisi. "Das ist ein ganz harmloses Tier, das braucht das Wasser, damit sich die Larven im Wasser entwickeln können. Das ist also ein Teil der Entwicklung, der da notwendig ist."

Einige Effekte der Trockenheit könnten sich in der Insektenwelt also noch gar nicht in diesem Sommer, sondern erst in Zukunft zeigen, weil der Nachwuchs ausbleibt. Ein anderer Effekt von heißen Sommern: Die Insektenwelt wird vielfältiger. "Da kann es schon sein, dass Arten aus dem Süden weiter bei uns einwandern, weil die einfach hier mit den klimatischen Bedingungen klarkommen", sagt Daniela Franzisi. Sie erwartet beim diesjährigen Insektensommer zum Beispiel wieder viele Meldungen der Blauen Holzbiene. Vor Jahren war sie nur im Südwesten heimisch, mittlerweile wird die auffällig große und dunkle Wildbiene sogar auf Nordsee-Inseln gesichtet.

Blaue Holzbiene (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/WILDLIFE)
Die Blaue Holzbiene könnte bei diesem Insektensommer häufig gemeldet werden. picture alliance/WILDLIFE

Das allerdings ist dann schon längst mehr als der Effekt eines einzelnen, trockenen Hitzesommers, sondern Folge einer langfristigen Klimaerwärmung. Das zu unterscheiden ist übrigens genau das Ziel einer Aktion wie dem Insektensommer: Erst die kontinuierliche Sammlung von Daten über Jahre hinweg macht nämlich erkennbar, ob eine Beobachtung ein einzelner Ausreißer oder Teil eines langfristigen Trends ist.

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