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Auto mit plattem Reifen steht auf Asphalt-Boden.

Murphys Gesetz Warum alles schiefgeht, was schiefgehen kann

Von Thomas Hillebrandt

Es ist das wohl bekannteste Gesetz der Welt, wichtiger als alle Naturgesetze und juristischen Paragraphensammlungen: „Murphys Gesetz“. Die bekannteste Kurzform lautet: „Was schief gehen kann, wird auch schief gehen“. Doch das ist nur eine der vielen Regeln, die „Murphys Gesetz“ umfasst. Der bereits 1990 verstorbene Vater des Gesetzes, Edward A. Murphy, wäre am 11. Januar 100 Jahre alt geworden. Höchste Zeit für ein Portrait.

„Die Warteschlange in der Du stehst ist immer die langsamste, Zahnschmerzen bekommt man immer Samstagnacht und elektrische Geräte gehen immer kurz nach dem Ende der Garantie kaputt.“

Eigentlich war das Gesetz schon immer da. Nur dann hat es jemand so formuliert, dass es eben zum allgemeinen Gesetz wurde. Dieser Jemand war Edward Aloysius Murphy Jr., geboren am 11. Januar 1918 in der damals US-amerikanischen Panamakanalzone. Edward A. Murphy ging zur US-Armee, wurde Pilot, später Luftfahrtingenieur - und dann kam es zu dem Ereignis, das seinen Namen untrennbar mit dem universellsten aller Gesetze verbunden hat.

Geräte mit eingebauten Schwächen -  Absichtlicher Murks

Elektrogeräte - produziert, um schnell kaputtzugehen?

Fehler im System

„Das, was Du suchst, findest Du immer an dem Platz, an dem Du zuletzt nachschaust, Maschinen, die versagt haben, funktionieren einwandfrei, wenn der Kundendienst kommt und was du gestern teuer gekauft hast, gibt’s heute zum Sonderangebot.“

1949 nahm Edward A. Murphy an einem Forschungsprojekt der U.S. Air Force teil, bei dem man herausfinden wollte, wie viel Beschleunigung der menschliche Körper verkraftet. Dafür befestigten Techniker von Murphy entwickelte Mess-Sensoren an einer Testperson, die man mit einem Raketenschlitten beschleunigen und abrupt abbremsen wollte. Die Sensoren konnte man nur auf zwei Arten anbringen – richtig oder falsch – und natürlich wurden alle Sensoren falsch angeschlossen und damit alle Messwerte unbrauchbar.

Murphys Law: Irgend etwas geht immer schief

Als Murphy den Fehler entdeckte, war er ziemlich sauer auf die Techniker und sagte, so geht die Geschichte: „Wenn es zwei oder mehr Möglichkeiten gibt, etwas zu tun, und wenn eine dieser Möglichkeiten zu einer Katastrophe führt, dann wird sich irgend jemand für genau diese Möglichkeit entscheiden.“
Einer der Projektmanager gab diesem Ausspruch den Namen „Murphys Law“, Murphys Gesetz, das dann in der vereinfachten Fassung seinen Siegeszug um die Welt antrat: „Alles, was schief gehen kann, geht irgendwann auch schief.“

„Im Kino setzt sich der 2-Meter-Kerl immer genau vor dich, bei ständigem Gegenverkehr fährt der langsame LKW vor Dir genau dorthin, wo Du auch hin willst und ein auf die richtige Länge abgeschnittenes Kabel ist bei Verwendung immer einen Zentimeter zu kurz.“

Lkw im Stau

Stau gibt es meist dann, wenn man es besonders eilig hat.

Positive Ereignisse fallen weniger auf

Wir werden im Alltag regelmäßig mit Murphys Gesetz konfrontiert und fragen uns, wenn wir kurz vor einem wichtigen Termin Hundekot an unserem Schuh entdecken: „Warum passiert mir das jedes Mal?“. Doch es ist letztendlich unsere eingeschränkte Wahrnehmung, die Murphys Gesetz die Bedeutung gibt. Denn wir überschätzen auffällige, seltene oder negative Ereignisse, während uns positive Ereignisse weniger auffallen. Wir bekommen gar nicht mit, wie oft die Dinge gut laufen. Missgeschicke und Fehltritte bleiben tiefer in unserem Gedächtnis hängen als positive Ereignisse, die reibungslos und glatt ins Vergessen rutschen.

Pessimisten leben länger

Diese Konzentration auf das Negative hat einen wichtigen evolutionsbiologischen Hintergrund. Zu optimistische Exemplare des Homo Sapiens Sapiens – die etwa dachten: Der Säbelzahntiger tut nix, der will nur spielen - hatten eine deutlich geringere Lebenserwartung als eher pessimistische Vertreter der Gattung Mensch. Wer sich an die schief gegangenen Dinge erinnert hat, lebte meist länger.

„Es liegen nur dann Scherben auf dem Boden, wenn Du barfuß bist, um ein Darlehen zu bekommen, muss du erst beweisen, dass du keines brauchst und immer, wenn Du beide Hände voll hast, juckt die Nase.“

Schuh tritt in Hundekot

Shit happens

Auch Unmögliches wird passieren

Murphys Gesetz hat aber auch jenseits von persönlichen Missgeschicken große Bedeutung. Es erinnert Ingenieure, Computerprogrammierer und Wissenschaftler an die einfache Wahrheit: „Alle Systeme können versagen“. Ob bei der Explosion der Raumfähre Challenger, der Havarie der Ölplattform Deepwater Horizon oder der Atomkatastrophe von Fukushima – immer sind die nicht für möglich gehaltenen Dinge eingetreten.

Fehleinschätzungen führen zu Katastrophen

Beim „Space Shuttle“ gab es keine Rettungseinrichtungen für die Crew. Probleme mit den Feststoffraketen durfte es einfach nicht geben - also brauchte man auch keine Lösungen für den Notfall. Bei der „Deepwater Horizon“ gab es laut Untersuchungsbericht „8 dumme Fehler“, die einzeln nicht so schlimm waren, aber in der Summe zur Explosion führten. Denn niemand hatte damit gerechnet, dass diese Fehler auch gleichzeitig eintreten könnten. Und in Fukushima“ gingen die Konstrukteure beim Bau des Atomkraftwerks einfach von viel schwächeren Erdbeben und niedrigeren Flutwellen aus, als später tatsächlich eintraten, was dann zur Katastrophe führte.

Explosion auf Ölplattform «Deepwater Horizon»

Explosion auf Ölplattform «Deepwater Horizon». Auch mit dieser Katastrophe hatte keiner gerechnet. Es war eine Verkettung dummer Fehler, die zur Explosion der Ölplattform führten.

Kein System ist wirklich idiotensicher

Das von Edward A. Murphy erstmals formulierte Gesetz ist also alles andere als unsinnig und wird heute durchaus als analytischer Maßstab genutzt, bekannt als „Fail-Safe-Methode“. Bei einer Maschine oder Anlage werden systematisch Fehler unterstellt und danach versucht, die Fehlerfolgen so ungefährlich wie möglich zu gestalten. Etwa bei einem Rasenmäher wo man Hebel drücken muss, damit der Rasenmäher funktioniert. Wenn man dann beim Mähen stolpert und so den Hebel loslässt stoppt der Rasenmäher sofort.

Es ist letztendlich der Versuch, Systeme „idiotensicher“ zu machen. Doch auch wenn man alles versucht, um sich gegen menschliches Versagen oder technische Katastrophen abzusichern, gilt das von Edward Aloysius Murphy Jr. formulierte universelle Gesetz trotzdem.
Denn eine Regel heißt: "Wenn du etwas garantiert idiotensicher machst, wird die Welt mit Sicherheit einen größeren Idioten erschaffen.“