Chronotherapie: Medizin nach der inneren Uhr Bluttest verrät, ob du ein Morgenmensch bist

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Bis du "Eule" oder "Lerche"? Das sollte nicht nur wissen, wer heiratet. Unser individueller biologischer Rhythmus beeinflusst auch, wie unser Körper auf Medikamente reagiert. Werden Medikamente gemäß der inneren Uhr eingenommen, wirken sie effizienter. Forscher der Berliner Charité haben dazu einen neuen Bluttest entwickelt. Er zeigt, ob wir eher Morgen- oder Nachtmensch sind. Jochen Steiner im Gespräch mit Dr. Bharath Ananthasubramaniam.

Sie haben den Bluttest entwickelt. Wie funktioniert er?

Wir haben Biomarker im Blut ausfindig gemacht, die für die individuelle „Innenzeit“, für die innere Uhr, charakteristisch sind. Zunächst wurde bei mehreren Probanden über den gesamten Tag die Aktivität aller 20.000 Gene einer bestimmten Gruppe von Blutzellen bestimmt.

Aus diesen Datensätzen ließen sich zwölf Gene isolieren, die verlässlich die „Innenzeit“ anzeigen. So können wir mit einer Blutanalyse herausbekommen, ob jemand ein Spättyp oder ein Frühtyp ist. Das ebnet uns den Weg zur neuen Chronotherapie, die der konventionellen Therapie oft überlegen ist, weil sie die innere Uhr berücksichtigt.

Frau liegt im Bett und streckt sich nach dem Wachwerden. (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Ob wir eher Morgen- oder Abendmensch sind, lässt sich auch im Blut nachweisen. Thinkstock -

Bei welchen Erkrankungen ist die Chronotherapie sinnvoll?

Auf jeden Fall bei Herz-Kreislauferkrankungen. Da weiß man sehr gut, dass zum Beispiel die Behandlung mit Aspirin abends sinnvoller ist als morgens. Und Studien zeigen, dass man bei einigen Krebserkrankungen die Nebenwirkungen bei der Therapie minimieren kann durch die Chronotherapie. Ansonsten muss es noch viele Studien geben, um herauszufinden, bei welchen weiteren Krankheiten und Medikamenten eine Chronotherapie sinnvoll sein kann.

Ist Chronotherapie die Medizin der Zukunft?

Das ist auf jeden Fall ein weiterer Schritt hin zur Personalisierung der Medizin, das ist ja ein großer Trend, Therapie auf den einzelnen Patienten zuzuschneiden und anzupassen. Man kann mit unserem Bluttest die Therapie an die innere Uhr des Patienten besser anpassen, um die Wirkungen von Medikamenten zu verstärken und die Nebenwirkungen zu verringern. Und mit dieser Methode können wir die Frage klären, ob ein Medikament besser morgens, mittags oder abends wirkt.

Hand drückt Medikamente aus einer Packung (Foto: SWR, SWR -)
Wenn Medikamente gemäß unserer inneren Uhr eingenommen werden, wirken Sie oft besser und es gibt weniger Nebenwirkungen. SWR -
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