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Grafik einer Forschung der Uni Ulm: Viren gegen Krebs

Medizin der Zukunft Mit Viren gegen Krebs

Viren kann man so programmieren, dass sie gezielt Krebszellen angreifen. In Kombination mit einer Antikörpertherapie werden die tumorfeindlichen Viren noch schlagkräftiger. Deshalb ist diese neue Methode Thema beim Deutschen Krebskongress in Berlin.

Viren sind normalerweise etwas, das Ärzte mit allen Mitteln bekämpfen: schließlich lösen die ansteckenden Erreger eine Vielzahl von Erkrankungen aus, von Schnupfen über Grippe bis Aids. Doch Viren können auch nützlich sein: Man kann sie so programmieren, dass sie gezielt Krebszellen angreifen. Ein Mittel mit veränderten Herpesviren gegen schwarzen Hautkrebs ist bereits auf dem Markt. Seine Wirkung ist aber nur mäßig. Doch in jüngster Zeit macht die Strategie der Krebsbekämpfung mit Viren deutliche Fortschritte.

Krebszellen

Krebsbekämpfung mit Viren- eine bereits bekannte Methode macht nun Furore.

Viren werden gezielt für den Einsatz gegen eine Krebsart programmiert

Um sicherzugehen, dass die Therapie wirklich nur Tumorzellen angreift, werden die Viren in der Regel gezielt für den Einsatz gegen eine bestimmte Krebsart programmiert. Damit kann man, so Dr. Dirk Nettelbeck vom DKFZ in Heidelberg, erreichen, dass diese Viren in Tumorzellen noch genau so erfolgreich sind wie die unmodifizierten Eltern. In gesunden Zellen ist die Wirkung der Viren jedoch durch die Modifzierung dramatisch abgeschwächt. Die programmierten Viren können so genauer auf die Krebszellen einwirken als das herkömmliche Chemotherapien tun. Man nennt sie onkolytische Viren, das bedeutet Viren, die direkt oder indirekt Tumorzellen töten.

Vielversprechende Kombination von tumorfeindlichen Viren und Antikörpertherapie

Da die Ergebnisse der reinen Virentherapie bisher bescheiden sind, setzen der Tübinger Krebsforscher Ulrich Lauer und sein Team auf eine neue Strategie: Sie kombinieren die tumorfeindlichen Viren mit einer Krebs-Immuntherapie. Lauer betont, dass Virotherapeutika die Krebszellen besser erkennbar machen. Dadurch werde das Immunsystem aggressiver, erkenne die Krebszellen viel viel besser und könne sich dann wie wild auf diese stürzen.

So wirken Viren im Kampf gegen Krebs

Onkolytische Viren (OV) besitzen die Eigenschaft, ganz gezielt Tumorzellen zu infizieren. Schritt 1: Sie vermehren sich darin massenhaft und zerstören diese anschließend - unter Freisetzung Tausender von Nachkommenviren. Schritt 2: Diese Nachkommenviren können dann benachbarte Tumorzellen angreifen, so dass immer mehr Tumorzellen zugrunde gehen. Schritt 3: Dadurch wird im ganzen Körper eine wirksame anti-tumorale Immunreaktion bewirkt.

Zur Zeit laufen viele klinische Studien, bei denen eine Kombinationstherapie aus Virotherapeutikum plus Antikörpertherapie durchgeführt wird. Dabei kann diese Kombitherapie die Gefahr von Nebenwirkungen erhöhen. Mediziner Lauer sieht darin aber kein gravierendes Problem. Die experimentelle Behandlung mit Viren gilt als gut verträglich:

Der normale Krebspatient kommt, so Lauer, mit den Virotherapeutika gut zurecht. Die Hauptnebenwirkungen seien Fieber und grippeähnliche Symptome. Kritisch könne es nur werden, wenn die Immunabwehr zu schlecht sei und eine ungebremste Virusvermehrung stattfinde- solche Patienten müsse man eben ausschließen.

Mit tierischen Viren gegen Hirntumore

Viele Forscher nutzen Masern-, Pocken- oder modifizierte Schnupfenviren – andere setzen gezielt auf Viren, die es nur im Tierreich gibt: Parvoviren. Dass sie beim Menschen natürlicherweise gar nicht vorkommen, ist ein Vorteil, erklärt Professor Jörg Schlehofer vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg:

Es handelt sich um ein Virus, das verbreitet ist in der Rattenpopulation, was aber relativ spezifisch auch nur Ratten infiziert, was sich aber in menschlichen Zellen unter bestimmten Bedingungen, wenn es Tumorzellen sind, vermehren kann. Das Virus musste dazu nicht modifiziert werden, das Virus das schon seit Millionen von Jahren mit uns und den Tieren lebt und noch nicht durch irgendwelche krankmachenden Eigenschaften bisher aufgefallen ist.

Röntgenaufnahme eines Hirntumores

Röntgenaufnahme mit Hirntumor

Die Heidelberger Forscher haben in einer Pilotstudie Parvoviren bei Patienten mit Glioblastom, einem bösartigen Hirntumor, untersucht – die Ergebnisse waren vielversprechend, doch bisher hat keine Pharmafirma die Entwicklung übernommen. Doch die Chancen für einen Durchbruch stehen gut, davon ist der Tübinger Krebsforscher Ulrich Lauer überzeugt:

Wie sich das in den nächsten 5 bis 10 Jahren entwickeln wird, wird man sehen, aber das Potential der Virotherapie in Kombination mit anderen Medikamenten ist groß.