Medikamente plus Genschere Neuer Ansatz gegen HIV – bei Mäusen

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Zum ersten Mal ist es gelungen, Aidserreger aus dem Erbgut lebender Tiere zu beseitigen. Amerikanische Forscher haben das an Mäusen ausprobiert: Sie kombinierten dazu bewährte Aidsmedikamente mit der Genschere CrisprCas.

Bei fünf von dreizehn Mäusen konnten die Wissenschaftler das HI-Virus aus infizierten Zellen entfernen – für die Grundlagenforschung ist das ein wichtiger Schritt. Ob der neue Ansatz auch bei Menschen funktioniert, ist aber völlig offen. Für großen Jubel ist es deshalb im Moment noch zu früh.

Vielversprechender neuer Therapieansatz

Auch wenn die neue Methode nur bei einem Bruchteil der Versuchsmäuse funktioniert hat, ist dadurch klar geworden, dass HIV durch eine Kombination bewährter Mittel mit der Genschere CrisprCas bekämpft werden kann. Die Autoren sprechen daher auch von einer „proof of concept“-Studie – sie haben gezeigt, dass es geht. Die Ergebnisse sind gerade im Fachblatt „Nature Communications“ erschienen.  

Eine blau behandschuhte Hand schneidet an einem großen DNA Strang mit einem Seziermesser einen Teil heraus (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
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Zuerst bekamen die Mäuse umgebaute Aidsmedikamente

In einem ersten Schritt haben sie bekannte antiretrovirale Mittel so umgebaut, dass sie im Körper viel länger aktiv sind. Dann haben sie die Wirkstoffe in Nanokristalle gepackt. Die wiederum waren so konstruiert, dass sie gezielt die Körperregionen ansteuern, in denen sich schlafende HI-Viren sammeln – zum Beispiel im Knochenmark.

Im zweiten Schritt wurde die Genschere eingesetzt

Anschließend bekamen die Labormäuse eine Lösung mit CrisprCas-Proteinen gespritzt. Die Genschere schaffte es zumindest bei einigen Nagern, sämtliche HI-Viren aus infizierten Zellen herauszuschneiden.

Nur bei einem Drittel der Mäuse war das Verfahren erfolgreich

Allerdings klappte das gerade mal bei einem Drittel der Versuchstiere. Bei ihnen waren bis zu fünf Wochen nach der Behandlung keinerlei Spuren von HI-Viren mehr nachweisbar. Warum es bei der Mehrheit der Nager nicht funktioniert hat, wollen die Wissenschaftler nun in weiteren Studien herausfinden.

Nur die Kombination von Aidsmedikamenten mit der Genschere ist erfolgreich

Klar ist, dass nur die Kombination der Methoden Erfolg verspricht: Mäuse, die einzig mit den modifizierten Aidsmedikamenten behandelt wurden, blieben infiziert. Und auch die Genschere alleine konnte die Hi-Viren nicht ausmerzen – erst beides zusammen führte bei einigen Tieren zum Erfolg.

HIV-Partikel im Blut (Foto: Imago, imago/Science Photo Library -)
HIV-Partikel im Blut Imago imago/Science Photo Library -

Die Ergebnisse sind noch nicht auf Menschen übertragbar

Bei diesen fünf Mäusen zeigten sich keine unerwünschten Nebenwirkungen. Bei so wenigen Tieren kann man darauf aber nicht bauen. Vor ersten Tests bei Menschen sind noch umfangreiche Studien zur Sicherheit nötig: denn jeder Einsatz von CrisprCas birgt erhebliche Risiken – es kann immer sein, dass die Genschere nicht exakt schneidet und gefährliche Komplikationen hervorruft. Die amerikanischen Forscher hoffen aber, dass sie im nächsten Jahr mit Studien an Affen beginnen können. 

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