STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG

Wer Nebenwirkungen im Zusammenhang mit einer Impfung bemerkt, sollte diese auf jeden Fall melden. Ob Online oder per Telefon - es gibt mittlerweile verschiedene Wege, wie das gehen kann. Erstmals in Deutschland wird auch eine App, SafeVac, eingesetzt, um den Zustand der Patienten zu erfragen.

Wie bei anderen Impfungen kann es auch nach einer Covid-19-Impfung Nebenwirkungen geben. Diese können über verschiedene Wege gemeldet werden. (Foto: Imago, imago images/Voyagerix)
Wie bei anderen Impfungen kann es auch nach einer Covid-19-Impfung Nebenwirkungen geben. Diese können über verschiedene Wege gemeldet werden. Imago imago images/Voyagerix

Nebenwirkungen können anonymisiert gemeldet werden

Grundsätzlich gilt, wer unerwünschte Reaktionen nach einer Impfung an sich beobachtet, sollte das zügig seinem Hausarzt oder Hausärztin oder Apotheker*Innen mitteilen. Diese übermitteln die Infos dann an die Gesundheitsämter, die wiederum die Daten anonymisierter Form an das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) weitergeben, das in Deutschland zuständig ist für die Zulassung und Überwachung von Impfstoffen.

Das PEI verwendet diese Daten, um die Verträglichkeit der Impfung - über die klinischen Prüfungen vor der Zulassung hinaus – noch besser beurteilen zu können. Ziel der Überwachung nach der Zulassung ist es, Risikosignale, zum Beispiel für sehr seltene Impfnebenwirkungen festzustellen, die wegen der geringen Häufigkeit von unter 1 von 10.000 Impflingen in klinischen Studien nicht sicher erfasst werden können.

Audio herunterladen (1,1 MB | MP3)

Wer selbst Nebenwirkungen melden möchte, kann dies auch unkompliziert online machen, entweder über das Meldeformular der Homepage des Paul-Ehrlich Instituts oder auf dem Portal des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte.

Es gibt auch ein vorgefertigtes Formular zum Ausdrucken, wer lieber händisch seine Angaben einträgt. Dies kann dann entweder als pdf-Dokument per Email oder postalisch an folgende Adresse geschickt werden:

Paul-Ehrlich-Institut, Referat Arzneimittelsicherheit

Straße:
Paul-Ehrlich-Str. 51-59
Ort:
63225 Langen
Telefon 06103 77 8181
E-Mail:
pharmakovigilanz1@pei.de
URL:

Auch telefonisch können mögliche Impfkomplikationen mitgeteilt werden über die Hotline des Paul-Ehrlich-Instituts: +49 6103 77 8181, die montags bis freitags 09.00-16 Uhr zu erreichen ist.

Beobachtungsstudie: Nebenwirkungen per App melden

Über die App SafeVac werden Geimpfte über einen längeren Zeitraum hinweg nach ihrem Gesundheitszustand befragt. Mit diesen Daten können die Forscher erfassen, wie häufig Impfungen gut vertragen werden und wie häufig Nebenwirkungen auftreten. Diese Daten werden auch mit der Nebenwirkungsdatenbank des PEI abgeglichen.

Auch über die App SafeVac können Nebenwirkungen nach einer Covid-19 Impfung gemeldet werden. (Foto: Imago, imago images/Eibner)
Auch über die App SafeVac können Nebenwirkungen nach einer Covid-19 Impfung gemeldet werden. Imago imago images/Eibner

Auch ohne Nebenwirkungen registrieren

Wichtig: Über SafeVac sollen nicht nur diejenigen erfasst werden, die Nebenwirkungen haben, sondern explizit auch diejenigen, die keinerlei Reaktionen nach einer Impfung spüren. Ein umfassender Ergebnisbericht dieser Daten soll laut PEI Ende März veröffentlicht werden.

Die SafeVac App kann man sich in den entsprechenden Stores herunterladen. Wer diese App und damit die Studie unterstützen will, muss sich innerhalb von 48 Stunden nach einer Impfung registrieren, älter als 18 Jahre sein, die Chargennummer des Impfstoffes parat haben und Fragen nach seinem Gesundheitszustand beantworten. Bisher (Stand 3. März 2021) registrierten sich allein über die App immerhin rund 47.800 Personen, das entspricht etwa 1,8 Prozent der bislang Geimpften.

Die SafeVac App ist eine relativ komfortable Möglichkeit, Impf-Nebenwirkungen zu melden. (Foto: Imago, imago images/Eibner)
Die SafeVac App ist eine relativ komfortable Möglichkeit, Impf-Nebenwirkungen zu melden. Imago imago images/Eibner

Was wurde bisher an Nebenwirkungen gemeldet?

Das Paul-Ehrlich-Institut veröffentlicht regelmäßig seit Beginn der Impfkampagne einen sogenannten Sicherheitsbericht über gemeldete Verdachtsfälle von Nebenwirkungen. Da geht es also darum, wie oft welche Nebenwirkungen registriert worden sind und wie das mit bereits existierenden Daten und Wissen zusammenpasst.

Aus dem neuesten Bericht geht hervor, dass für den AstraZeneca-Impfstoff mehr Nebenwirkungen als für die beiden anderen in Deutschland eingesetzten Vakzine gemeldet wurden. Bei AstraZeneca seien vor allem nicht schwerwiegende Reaktionen wie Fieber, Schüttelfrost und grippeähnliche Beschwerden gemeldet worden. Dass der Impfstoff aber tatsächlich mehr Nebenwirkungen hervorrufe, könne aus den Daten nicht abgeleitet werden, betont das PEI.

Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit sowie Schüttelfrost und gelegentlich Fieber zählen zu den Nebenwirkungen, die in den ersten drei Tagen nach der Impfung auftreten können.  (Foto: Imago, imago/imagebroker/begsteiger)
Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit sowie Schüttelfrost und gelegentlich Fieber zählen zu den Nebenwirkungen, die in den ersten drei Tagen nach der Impfung auftreten können. Imago imago/imagebroker/begsteiger

Die erhöhte Melderate könne mit der „erhöhten medialen Aufmerksamkeit“ für den Impfstoff zusammenhängen. Und mit „den unterschiedlichen Altersgruppen“, die damit geimpft wurden. Denn mit AstraZeneca wurden bisher in Deutschland vor allem jüngere Menschen geimpft, die natürlicherweise stärkere Immunsystemreaktionen zeigten. Auch seien viele Meldungen über Astrazeneka als „gefühlt schwerwiegend“ gemeldet worden, obwohl es sich beispielsweise nur um vorübergehendes Fieber handelte. Laut Bericht zeige sich zumindest in Großbritannien kein großer Unterschied der Melderaten zwischen den beiden Impfstoffen Comirnaty und AstraZeneca.

Insgesamt gingen seit Start der Impfkampagne 11.915 gemeldete Verdachtsfälle von Nebenwirkungen aus Deutschland beim Paul-Ehrlich-Institut ein.

STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG