STAND
AUTOR/IN

"Cloudy", also wolkig, heißt ein Produkt aus den USA, das gerade in sozialen Netzwerken als Einschlafhilfe beworben wird. Das Problem: Das darin enthaltene Melatonin ist schlecht dosierbar.

Audio herunterladen (1,2 MB | MP3)

Hinter "Cloudy" verbirgt sich ein Mittel mit den Hauptinhaltsstoffen Melatonin, Lavendel und Kamille. Diese stecken in einem weißen Röhrchen mit einer Kappe. Zieht man die Kappe ab und setzt das Röhrchen an den Mund, kann man das Melatonin-Gemisch einatmen. Der Dampf geht über die Schleimhäute ins Blut und wirkt deshalb schneller als eine Tablette, die erst durch den Verdauungstrakt muss. Das Ziel: Man soll besser einschlafen können.

Eingeatmete Wirkstoffe gehen relativ schnell ins Blut. (Foto: Imago, imago images/Shotshop)
Eingeatmete Wirkstoffe gehen relativ schnell ins Blut. Imago imago images/Shotshop

Strittig ob Arznei oder Nahrungsergänzungsmittel

Melatonin ist ein Hormon, das natürlicherweise im Körper vorkommt und den Schlafrhythmus steuert. Wenn es abends dunkel wird, produziert der Körper Melatonin und man wird müde. Zusätzlich eingenommen ist Melatonin nicht immer ungefährlich. In Deutschland ist seit Jahren strittig, ob Melatonin ein Arzneimittel oder ein Nahrungsergänzungsmittel ist. Laut der Arzneimittelverschreibungsverordnung ist es verschreibungspflichtig. Trotzdem sind viele Produkte, die Melatonin enthalten, im Verkauf erhältlich, weil sie als Nahrungsergänzungsmittel gelistet sind.

Das Hormon Melatonin wird in der Zirbeldrüse (Epiphyse) – einem Teil des Zwischenhirns – aus Serotonin produziert und steuert den Tag-Nacht-Rhythmus des menschlichen Körpers. (Foto: Imago, imago images/Panthermedia)
Das Hormon Melatonin wird in der Zirbeldrüse (Epiphyse) – einem Teil des Zwischenhirns – aus Serotonin produziert und steuert den Tag-Nacht-Rhythmus des menschlichen Körpers. Imago imago images/Panthermedia

Nebenwirkungen durch zu viel Melatonin

Zu viel Melatonin kann dafür sorgen, dass der Schlafrhythmus durcheinandergerät und man tagsüber müde ist. Gerade bei Cloudy ist die Gefahr für eine Überdosierung hoch, da sich das eingeatmete Melatonin schlechter regulieren lässt. Zu viel des Hormons kann auch Alpträume fördern und zu Schwindel und Kopfschmerzen führen. Eine langfristige Einnahme ist umstritten, weil noch nicht ausreichend erforscht wurde, welche Auswirkungen das auf den Körper hat.

Eine Überdosis des Hormons Melatonin kann zu Kopfschmerzen und Schwindel führen oder Alpträume fördern.  (Foto: Imago, imago images/Cavan Images)
Eine Überdosis des Hormons Melatonin kann zu Kopfschmerzen und Schwindel führen oder Alpträume fördern. Imago imago images/Cavan Images

Arzt nach Alternativen fragen

Bevor bei Einschlafproblemen eigenmächtig zu Melatonin-Präparaten gegriffen wird, empfiehlt es sich, mit dem Hausarzt zu sprechen. Der wird vielleicht auch Alternativen nennen, zum Beispiel Lavendel oder Baldrian. Das sind keine Hormone, sondern pflanzliche Mittel, die ebenfalls beim Einschlafen helfen können.

Es gibt auch pflanzliche Mittel wie Lavendel oder Baldrian, die eine beruhigende Wirkung haben und bei Schlafproblemen vielleicht unterstützen können.  (Foto: Imago, imago images/Ikon Images)
Es gibt auch pflanzliche Mittel wie Lavendel oder Baldrian, die eine beruhigende Wirkung haben und bei Schlafproblemen vielleicht unterstützen können. In schwereren Fällen sollte man sich in jedem Fall ärztlichen Rat einholen. Imago imago images/Ikon Images
STAND
AUTOR/IN