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Nachruf auf Roboter im All Marsrover "Opportunity" offiziell aufgegeben

Nur 90 Tage sollte der Marsrover "Opportunity" eigentlich durchhalten. Aber daraus wurden sagenhafte 15 Jahre. Nach einem Monsterstaubsturm sind "Opportunity" jetzt endgültig die Akkus leergelaufen. Ein Nachruf von Uwe Gradwohl.

Schon Opportunitys Marslandung im Januar 2004 war spektakulär: In dicke Airbags gehüllt, hüpfte der Rover wie ein riesiger Softball umher, kullerte noch ein wenig über die Oberfläche, blieb schließlich liegen, befreite sich von seinen Airbags und schoss ein Bild.

Erster Blick ins Innere des Mars

Und schon dieses erste Bild riss die Forscher von ihren Sitzen. Denn dieses erste Bild vom Mars zeigte etwas Unerwartetes: Auf Opportunitys erstem Bild ist unzweifelhaft geschichtetes Gestein zu sehen, also nicht nur Steine an der Oberfläche. Die Aufnahme ermöglichte erstmals einen Blick ins Marsinnere– das war bis dahin der unerfüllte Traum der Marsforscher gewesen.
Opportunity war am Ende seines hunderte Millionen Kilometer langen Flugs mitten in einen kleinen Krater gekullert, an dessen Abhängen ringsum, kaum 10 Meter entfernt, der Marsuntergrund offen zu Tage trat. Und es war kein homogener Fels – es waren Gesteinsschichten, die irgendwie entstanden sein mussten.

Mars-Rover "Opportunity" benutzt seinen Gelenkarm

Archivbild: Der Mars-Rover "Opportunity" benutzt seinen Gelenkarm, um einen Stein auf dem Mars zu untersuchen.

Früher gab es Flüsse und Meere auf dem Mars

Um das Rätsel zu lösen hatte der Roboter 90 Tage Zeit. So lange sollte die Technik in Marskälte und Marsstaub durchhalten. Und Opportunity lieferte in dieser Zeit eine wissenschaftliche Sensation:
Der Mars muss in seiner Frühzeit an der Landestelle von Opportunity tropfnass gewesen sein. Der Rover hatte früheren Fluss- oder Meeresgrund gefunden.

Akkus hielten viel länger als gedacht

Nach 90 Tagen Garantiezeit funktionierte Opportunity immer noch. Die Mission wurde verlängert – immer wieder. Der Zwillingsrover Spirit blieb 2009 nach 5 Missionsjahren im Marssand stecken und erfror, aber Opportunity rollte weiter, zu immer größeren Kratern. Die Sonde schaute noch tiefer in den Untergrund und lieferte Einblicke in immer weiter zurückliegende Kapitel der Klimageschichte des Mars.

Hunderttausende Fotos und Unmengen von Messdaten schickte der Forschungsrover zur Erde - und legte 45 Kilometer auf dem Mars zurück. Ein Rekord für extraterrestrische Fahrzeuge.

Sandsturm auf dem Mars

Dieses von der NASA zur Verfügung gestellte Bild zeigt einen Sandsturm auf dem Mars, aufgenommen von der Mars Color Imager (MARCI) Kamera an Bord des NASA Mars Reconnaissance Orbiter Raumschiffs.

Staubsturm besiegelt das Ende von "Opportunity"

Doch dann kam der riesige Staubsturm vom Juni 2018. Der Marshimmel wurde nachtdunkel, die Solarzellen konnten keinen Strom mehr produzieren. Am 10. Juni ein letzter Funkkontakt, dann waren die Batterien fast leer, der Rover ging in einen Standby-Modus – mitsamt seinem nach fast 15 Jahren halbkaputtem Roboter-Arm, einem nicht mehr so gut geschmierten Laufrad und fast ohne Gedächtnis, weil der Langzeitspeicher seines Computersystems nicht mehr funktionierte.

Die Hoffnung, dass der Marswind den Staub von Opportunitys Solarzellen bläst und die Batterien sich wieder laden, war vergebens. Nach rund 15 Jahren hat die NASA den Rover nun aufgegeben. Rest in Peace on Mars, Opportunity.