Bitte warten...
Marburg Virus Laborbild

1967: Ausnahmezustand in Marburg Jagd nach dem Killer-Virus

Vor 50 Jahren trat in Marburg eine unbekannte Krankheit auf, die die Bewohner der alten Universitätsstadt monatelang in einen Ausnahmezustand versetzte. An der Universität Marburg wurde ein bisher unbekannter Krankheitserreger entdeckt. Das Virus hat in den Marburger Behring-Werken und im Frankfurter Paul-Ehrlich-Institut 30 Menschen befallen und sieben Todesopfer gefordert. Alle hatten mit Versuchsaffen zu tun. Das "Marburg-Virus".

Am 15. August 67 wird der erste Patient ins Krankenhaus eingeliefert. Die Symptome weisen auf eine schwere Sommergrippe oder eine Salmonelleninfektion hin, aber entsprechende Viren oder Bakterien lassen sich nicht nachweisen. Eine Woche später kämpfen bereits neun Menschen auf der Isolierstation um ihr Leben.

Das Virus wurde wahrscheinlich von grünen Meerkatzen aus Uganda eingeschleppt

Es stellt sich heraus, dass alle Patienten, die auf der Isolierstation liegen, bei den Marburger Behringwerken angestellt sind. Und dass sie dort Kontakt mit grünen Meerkatzen aus Uganda hatten, die für die Produktion von Impfstoffen gegen Kinderlähmung und Masern auf dem Werksgelände gehalten werden.

grüne Meerkatzen

grüne Meerkatzen wurden als Versuchstiere an der Marburger Universitätsklinik gehalten

Rund 100 Tage suchen Experten des In- und Auslandes nach der Ursache der rätselhaften Todesfälle. Das Virus, das wahrscheinlich von Grünen Meerkatzen aus Uganda eingeschleppt wurde, konnte am Marburger Hygiene-Institut gezüchtet und so vom Hamburger Tropeninstitut identifiziert werden. Es erhält den Namen "Marburg-Virus".

Die Tierpfleger erkrankten als erste

Zunächst hatten sich die Tierpflegerinnen und Tierpfleger angesteckt und krank gemeldet. Die Zahl der Kranken steigt auf elf an und deren Krankheit hat mysteriöse Züge. Ärzte wie Wissenschaftler rätseln, an was diese Patienten leiden. Der Verdacht auf Ruhr lässt sich genauso wenig bestätigen wie eine Gelbfieberinfektion. Eine Laborantin und ein Tierpfleger sterben. Auch im Frankfurter Paul-Ehrlich-Institut und in einem Labor in Belgrad erkranken Mitarbeiter, die mit Affen aus Uganda gearbeitet haben.

Die Angst vor Ansteckung führt zur höchsten Sicherheitsstufe

Ende August werden unter größten Sicherheitsvorkehrungen alle Affen in den Behringwerken getötet, und die Kadaver von 235 Rhesusäffchen und 266 grünen Meerkatzen verbrannt. Das Gesundheitsamt ordnet strikte Quarantäne für die Kontaktpersonen aller Patienten an. Ihre Kinder dürfen nach den Sommerferien nicht in die Schule gehen, ihre Wohnungen oder Häuser werden von sogenannten Verwesern gründlich desinfiziert. In ganz Marburg geht die Angst vor Ansteckung um.

Marburg Virus

Marburg Virus

Verschwörungstheorien fürchten einen extra gezüchteten Virus

Da es immer noch keine Erkenntnisse über den Erreger der Krankheit gibt, machen immer wildere Spekulationen und Gerüchte die Runde. Unter anderem wird vermutet, dass die Engländer einen Kampfvirus als biologische Waffe gezüchtet haben. Mittlerweile arbeiten Wissenschaftler aus aller Welt fieberhaft daran, das unbekannte Virus aufzuspüren.

Das Marburg-Virus ist ein Bruder des Ebola-Virus

Ende November 1967, gut drei Monate nach dem Ausbruch der Epidemie, kann der unbekannte Erreger endlich isoliert und identifiziert werden. Das fadenförmige Gebilde, das in Hamburg erstmals unter dem Elektronenmikroskop dargestellt wird, erhält den Namen Marburg-Virus und ist, wie sich herausstellt, eng mit dem Ebola-Virus verwandt.

Die Affenseuche fordert sieben Tote in Europa und hunderte in Afrika

Insgesamt 31 Menschen wurden 1967 von der Außenwelt abgeschirmt auf Isolierstationen in Marburg, Frankfurt und Belgrad behandelt; sieben von ihnen haben die Krankheit nicht überlebt.

MarburgVirusausbruch in Angola

Ausbruch des Marburg Virus in Angola

In Afrika trat das Virus seitdem immer wieder auf. 1998 erkrankten im Kongo 154 Menschen, 2004 in Angola knapp 400. Nur ein Bruchteil von ihnen überlebte.

Bis heute gibt es kein Mittel gegen das Marburg-Virus

Medikamente oder einen Impfstoff gegen das Marburg-Fieber gibt es bis heute nicht. Allerdings sind einige in der Entwicklung.