Vorsorgeuntersuchung Lungenkrebs-Screening kann Leben retten

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von Ulrike Till

Schon lange wird ein Screening auf Lungenkrebs für starke Raucher diskutiert – jetzt liefert eine große Studie aus Heidelberg neue Belege dafür, dass regelmäßige Untersuchungen im CT die Sterblichkeit bei Lungenkrebs reduzieren können. Bei Frauen ist der Nutzen deutlich höher als bei Männern.

Rund 4000 Menschen aus der Kurpfalz und dem Odenwald haben an der sogenannten LUSI-Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums teilgenommen. Alle hatten vorher jahrzehntelang geraucht. Ihr Risiko für Lungenkrebs war damit hoch.

Heute wird Lungenkrebs bei starken Rauchern meist erst dann festgestellt, wenn die Patienten ständig husten oder massive Atemprobleme bekommen. Dann hat der Krebs aber oft schon gestreut, die Therapie ist schwierig. Mit einer frühen Diagnose sind die Chancen auf ein längeres Überleben sehr viel besser.

Röntgenuntersuchung entdeckt Mini-Tumore im Frühstadium

Mit einer besonders strahlungsarmen Röntgenuntersuchung im Computertomografen können Lungenkrebs-Tumore sehr früh entdeckt werden. Die Mini-Tumore verursachen noch keine Beschwerden, aber sie sind bereits da. Sie so früh aufzuspüren ist ganz wichtig, denn nur kleine Krebsherde lassen sich noch einigermaßen gut behandeln.

Computertomographie (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Mit einer besonders strahlungsarmen Röntgenuntersuchung im Computertomografen können Lungenkrebs-Tumore schon im Frühstadium entdeckt werden. Thinkstock -

In der Studie wurde die Hälfte der Probanden einmal jährlich mit einem solchen MSCT untersucht. Das Screening lief über vier Jahre. Nach einer Beobachtungszeit von weiteren fünf Jahren  zeigte sich: Frauen bringt die Vorsorgeuntersuchung deutlich mehr als Männern.

Das Risiko an Lungenkrebs zu sterben sank bei Frauen signifikant

Die Frauen der Studie profitierten am meisten. Ihr Risiko an Lungenkrebs zu sterben wurde um 69 Prozent verringert. Bei Männern waren die Ergebnisse dagegen statistisch nicht signifikant, sagen die Forscher. Vorher hatten schon kleinere Studien unter anderem in Italien, Dänemark und den Niederlanden belegt, dass Frauen mehr vom Screening profitieren als Männer. Allerdings zeigte sich in diesen Testreihen auch ein gewisser Vorteil für Männer.

Blauer Dunst (Foto: © Colourbox.com -)
Das Screening ist vor allem bei der Risikogruppe der starken Raucher sinnvoll. Dabei profitieren Frauen stärker von einem Screening auf Lungenkrebs als Männer. © Colourbox.com -

Männer und Frauen entwickeln unterschiedliche Formen von Lungenkrebs

Frauen profitieren stärker, da bei ihnen andere Formen von Lungenkrebs auftraten. So fanden sich bei den Frauen der LUSI-Studie besonders häufig sogenannte Adenokarzinome. Diese Krebsart sitzt vor allem im äußeren Lungengewebe und ist deshalb im CT auch im Frühstadium leichter nachweisbar. Bei Männern dagegen sitzen viele Tumore tiefer, nämlich in den Bronchien. Dort fallen sie erst auf, wenn sie schon größer und damit schlechter zu behandeln sind.

Die positiven Studien zum Screening auf Lungenkrebs haben in den USA bereits dazu geführt, dass dort die Reihenuntersuchung mit einem Niedrig-Dosis-CT für Hochrisikopatienten empfohlen wird. Amerikanische Studien gehen davon aus, dass die Früherkennung die Sterblichkeit durch Lungentumore um 20 Prozent senken kann.

Lungenkrebsdiagnose (Foto: Colourbox, Foto: Colourbox.de -)
Diagnose Lungenkrebs. Das Screening soll helfen, Tumore in einem sehr frühen Stadium zu erkennen. Dann sind auch die Behandlungschancen besser. Foto: Colourbox.de -

Europa könnte bald nachziehen

Fachleute am DKFZ sprechen von einem Wendepunkt in der Lungenkrebsvorsorge. Das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz hat damit begonnen, Nutzen und Risiken eines solchen Screenings gegeneinander abzuwägen. Zielgruppe könnten starke Raucher oder Ex-Raucher über 50 sein. Europa könnte also bald nachziehen und ebenfalls die Vorsorge mittel Computertomographen für Hochrisikopatienten empfehlen. Bis es so weit ist, müssen aber erst noch geprüfte Screening-Zentren eingerichtet werden. Auch die genauen Kriterien für die Diagnose sind noch offen.

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