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Feinstaub-Belastung Luftverschmutzung gefährlicher als gedacht

Einschätzung der neuen Studie durch SWR-Umweltredakteur Werner Eckert

8,8 Millionen Menschen sterben pro Jahr an den Folgen von schlechter Luft. Das berichtet ein Forscher-Team des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz und der Mainzer Universität. Nicht nur die Lunge, auch das Herz und das Kreislauf-System würden angegriffen. Die Forscher stellen nun politische Forderungen.

Erstmals Schlaganfälle und Herzinfarkte miteinbezogen

In der Studie steht: Die Luftverschmutzung verkürzt das Leben eines Europäers im Schnitt um mehr als 2 Jahre. SWR-Umweltredakteur Werner Eckert stellt klar: "Es geht hierbei um die Statistik. Das bedeutet nicht, dass irgendjemand jetzt zusätzlich stirbt." Diese Analyse sei eher eine Suche nach den Gründen, weshalb Menschen an Lungenkrankheiten sterben – aber auch an Schlaganfällen und Herzinfarkten.

Diese Erkrankungen wurden in der neuen Studie das erste Mal mit einbezogen. Das Ergebnis: Nicht, wie bisher angenommen, 4,5 Millionen Menschen sterben im Jahr an den Folgen von Luftverschmutzung, sondern 8,8 Millionen. Insgesamt soll Feinstaub einer der häufigsten Gründe für Herz-Kreislauf-bedingte Todesfälle sein.

Insgesamt ist Feinstaub schlimmer als rauchen

Die Autoren vergleichen den Effekt der Luftverschmutzung mit dem des Rauchens und kommen zu dem Schluss: Wenn man den Schaden anschaut, den das Rauchen auf die gesamte Gesellschaft hat, dann ist die Feinstaub-Belastung schlimmer. Werner Eckert: "Wenn man aber auf einen aktiven Raucher schaut, hat der im Vergleich zu einem Nicht-Raucher 8 bis 10 Jahre weniger Lebensspanne zu erwarten. Das ist dann eine andere Relation."

Feinstaub ist für die Gesellschaft gefährlicher als das Rauchen.

Feinstaub ist für die Gesellschaft gefährlicher als das Rauchen.

Quelle des Feinstaubs variiert weltweit

In der Analyse hat das Forscher-Team um den Kardiologen Thomas Münzel und den Atmosphärenforscher Jos Lelieveld aus Mainz auch herausgearbeitet, woher die Feinstaubbelastung in der Luft stammt. Und da gibt es global gesehen große Unterschiede: In Entwicklungsländern spielen beispielsweise Herdfeuer eine große Rolle.

In Europa und in Deutschland stammt dagegen knapp die Hälfte des Feinstaubs vom Ammoniak aus der Landwirtschaft, der beim Düngen verwendet wird und sich mit anderen Stoffen verbindet. Die andere Hälfte der Luftbelastung in Deutschland stamme aus Verbrennungsstoffen. Werner Eckert: "Das reicht vom Kohlekraftwerk über die häusliche Heizung und den Wohlfühl-Kamin bis zum Verbrennungsmotor im Auto."

Umdenken bei Energie, Landwirtschaft und Feinstaub gefordert

Die Autoren der Studie leiten aus ihren Ergebnissen konkrete Forderungen ab:

  • Die Energiewende müsse vorangetrieben werden
  • Es bräuchte mehr Achtsamkeit in der Landwirtschaft bezüglich des Düngens
  • Die Grenzwerte für Feinstaub in der Luft müssten gesenkt werden.

Werner Eckert: "Das sind klare politische Forderungen. Sie wollen die Politik ansprechen und klar machen, welche Folgen eine falsche Politik hat - auf die Gesundheit und dementsprechend auf die Gesundheitskosten."