Der Tanz der Hormone Liebe in der Forschung

AUTOR/IN

Von Ulrike Till

Herzklopfen, schlaflose Nächte, intensive Glücksgefühle – wer frisch verliebt ist, befindet sich im Ausnahmezustand. Der hält aber nicht ewig, irgendwann kehrt der Alltag in eine Beziehung ein. Was passiert dabei eigentlich im Körper?

Warum haben wir Schmetterlinge im Bauch, wenn wir uns verlieben?

Schmetterlinge im Bauch haben frisch Verliebte, weil ihr Körper viel mehr Stresshormone ausschüttet, und zwar vor allem Adrenalin und Noradrenalin. Die sind auch dafür verantwortlich, dass das Herz rast und die Hände feucht vor Aufregung werden, wenn der oder die Geliebte sich nähert.

Auch das Verhalten ändert sich: Verliebte sind viel unvernünftiger und spontaner als sonst. Messungen im Gehirn zeigen, warum: Die Bereiche, die für rationale Entscheidungen zuständig sind, sind herunterreguliert; das Belohnungszentrum dagegen ist besonders aktiv.

Im Liebesrausch

Genauso sieht es auch im Gehirn von Süchtigen aus. Und tatsächlich gibt es verblüffende Parallelen: Auch Verliebte produzieren ungewöhnlich viel Dopamin – ganz ohne Kokain oder Alkohol. Die Droge von Verliebten ist der eigene Partner. Der Botenstoff Dopamin löst intensive Glücksgefühle aus – und weil man davon immer mehr will, wäre man am liebsten Tag und Nacht als Paar zusammen.

Auch Vasopressin spielt dabei eine wichtige Rolle: Es sorgt dafür, dass die Sexualorgane stärker durchblutet werden; die Lust auf Sex steigt. Nur bei einem wichtigen Hormon gehen die Werte in den Keller: Serotonin. Verliebte produzieren davon so wenig wie Menschen mit Zwangsstörungen. Klingt komisch, macht aber Sinn: Der Serotoninmangel stärkt die extreme Konzentration auf den neuen Partner, alles andere wird ausgeblendet.

Ein Mann und eine Frau stehen sich gegenüber und halten sich an den Händen, lächeln sich an und lehnen sich dabei zurück (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Bei frisch Verliebten wird alles andere ausgeblendet. Da besteht eine gewisse Parallele zu Menschen mit Zwangsstörungen, bei denen sich ebenfalls ein Serotoninmangel nachweisen lässt. Thinkstock -

"Kuschelhormon" Oxytocin stärkt Bindung

Verliebtheit ist ein permanenter Ausnahmezustand – deshalb ist nach ein paar Wochen oder Monaten auch Schluss damit. Dann pegeln sich die Hormone wieder auf Normalmaß ein – alles andere wäre schlicht zu anstrengend. Dass viele Paare auch danach noch zusammenbleiben, liegt vor allem am Bindungshormon Oxytocin. Das schütten frisch Verliebte genauso aus wie Langzeitpaare. Und zwar bei jeder liebevollen Berührung.

Oxytocin fördert das Gefühl, zusammenzugehören und ist der wohl wichtigste Faktor dabei, dass aus Verliebtsein Liebe wird. Übrigens scheinen Paare, bei denen in der Anfangsphase besonders viel Oxytocin im Spiel war, bessere Chancen auf eine lange gemeinsame Zukunft zu haben.
Sonst endet die Phase der intensiven Bindung oft nach rund vier Jahren – Biologen erklären das mit der Evolution: Kleinkinder hatten in der Steinzeit bessere Überlebenschancen, wenn die Eltern sich mindestens vier Jahre zusammen um den Nachwuchs gekümmert haben.

Ein verliebtes Senioren Pärchen (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Die Liebe auch über die Jahre noch aktiv zu halten, ist eine große Kunst. Wenn schon in der Anfangsphase viel Oxytocin im Spiel ist, fällt es wohl leichter. Thinkstock -
AUTOR/IN
STAND