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Singapur hat erstmal ein Fleischprodukt zugelassen, das nicht von geschlachteten Tieren stammt, sondern im Labor gezüchtet wurde. Das Start-Up „Eat Just“ aus San Francisco will solche Chicken Nuggets verkaufen. Bedeutet das einen Durchbruch für unsere Ernährung?

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Auch in Deutschland steigt die Nachfrage nach Alternativen zu herkömmlichem Fleisch. Vor allem aus Tierschutz-, Umwelt- und Gesundheitsgründen kaufen wir immer mehr pflanzenbasierte Produkte. Mit dem Geschmack von echtem Fleisch können sie aber nicht immer mithalten. Sogenanntes „clean meat“ – also  „sauberes Fleisch“ – könnte aus diesem Grund die Lösung sein. Es wurde anhand von tierischen Zellen im Labor gezüchtet und nun erstmals in Singapur für den Verkauf zugelassen.

Muskel und Fettzellen aus Hühnchen

Die Chicken-Nuggets vom US-Start-Up "Eat Just" basieren auf Muskel- und Fettzellen von lebenden Tieren. Sie werden in einer Biopsie, also einem chirurgischen Eingriff, von Hühnern entnommen. In einem Bioreaktor unter möglichst optimalen Bedingungen werden die Zellen mit einer pflanzlichen Nährlösung angezüchtet. Das führt zu einer Vermehrung der Zellen, welchen anschließend beliebig geformt werden können.

Fleisch im Labor (Foto: Imago, imago images / agefotostock)
Das Fleisch aus dem Labor wurde anhand von tierischen Zellen und einer pflanzlichen Nährlösung gezüchtet. Imago imago images / agefotostock

Ziehen andere Staaten bald nach?

Das Start-Up bezeichnet die Zulassung des In-vitro-Fleischs als „Durchbruch für die globale Nahrungsmittel-Industrie“. In den letzten Jahren haben sich Forschende weltweit mit Laborfleisch beschäftigt. Es ist deshalb möglich, dass die Genehmigung in Singapur eine Signalwirkung für andere Staaten auslöst und sich der Markt für Laborfleisch schon bald vergrößert.

Das Ziel der Unternehmen

Überzeugte Fleischesser sollen durch das Laborfleisch von einer ethischeren Alternative überzeugt werden. Nicht nur wegen der Tiere, sondern auch der Umwelt zuliebe. Denn ein hoher Fleischkonsum gilt wegen des hohen Flächenverbrauchs für Tierhaltung und Futteranbau als Klimakiller. Künstlich erzeugtes Fleisch soll Abhilfe schaffen – auch weil der globale Fleischverbrauch stark wächst.

Fleischabteilung im Supermarkt (Foto: Imago, imago images / Geisser)
In Deutschland konsumieren wir immer noch zu viel Fleisch. Das schadet auch der Umwelt. Mit dem "Clean Meat" kann sich das ändern. Imago imago images / Geisser

Zusätzliche Vorteile des Laborfleischs

In-vitro-Fleisch könnte die steigende Nachfrage nach tierischem Eiweiß zusätzlich befriedigen. Dabei ist es besonders effizient: Anstatt ganze Tiere zu züchten, muss so nur das eigentlich gewünschte Produkt – das Fleisch – hergestellt werden.

Laut der Start-Up-Firma kamen für die neuartigen Chicken-Nuggets keine Antibiotika zum Einsatz. Deshalb könnte das Laborfleisch gesünder als herkömmliches sein. Ohne Massentierhaltung sinkt zudem vermutlich das Risiko für Seuchen wie Schweine- oder Vogelgrippe.

Hohe Produktionskosten

Wie das neue Produkt angenommen wird, ist fraglich, denn die Produktionskosten für Laborfleisch sind hoch. In England hatte 2013 ein vorgestellter Labor-Burger noch rund 250.000 Euro gekostet. Eat Just werde seine Nuggets zunächst auf einem Preisniveau von Hühnchenfleisch in einem Premium-Restaurant verkaufen. In den nächsten Jahren solle das Labor-Fleisch jedoch günstiger als herkömmliches werden und auch im Supermarkt zu kaufen sein.

Burger mit Rindfleisch (Foto: Imago, imago images / Cavan Images)
So einen Burger könnte es bald geben, ohne dass Tiere sterben müssen. Imago imago images / Cavan Images

Bis es Laborfleisch in Europa zu kaufen gibt, könnte es aber noch dauern. Denn der Genehmigungsprozess für In-vitro-Fleisch in der EU könnte mehrere Jahre dauern. Bislang gibt es keine Zulassungsanträge.

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