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Rinder lassen ihre Geschäfte gerne jederzeit und überall einfach fallen. Rund 50 Kilo pro Tag. Das ist nicht nur unhygienisch, sondern auch schlecht fürs Klima. Deshalb sollen Kühe jetzt „aufs Klo“ gehen.

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In Laufställen können sich Rinder frei bewegen. Das ist gut fürs Tierwohl. Es bedeutet aber auch, dass Kot und Urin einfach überall sind – und sich vermischen. Beides zusammen reagiert zu Ammoniak. Ein indirektes Treibhausgas, das zu Lachgas werden kann. Und das ist für das Klima noch viel schädlicher als CO2.

Jan Langbein vom Leibnitz-Institut für Nutztierbiologie in Dummerstorf will genau diese Reaktion verhindern. Zusammen mit Verhaltensforschern der Universität von Auckland in Neuseeland und Wissenschaftlern des zum Friedrich-Loeffler-Institut gehörenden Instituts für Tierschutz und Tierhaltung in Celle erforschen er und seine Kollegen deshalb das Ausscheidungsverhalten von Rindern.

Eine Kuh, die gelernt hat, in einer Versuchslatrine zu urinieren.  (Foto: Leibniz-Institut für Nutzierbiologie (FBN) )
Eine Kuh, die gelernt hat, in einer Versuchslatrine zu urinieren. Leibniz-Institut für Nutzierbiologie (FBN)

Das Ziel: Die Tiere sollen möglichst nur an bestimmten Stellen urinieren.

Man weiß, dass man Hunde stubenrein bekommt und Katzen – und sogar für Schweine hat man versuchsweise eine Toilette im Stall entwickelt. Rindern wurde das bisher abgesprochen und wir waren der Meinung: Das muss so nicht sein! Deshalb wollten wir im ersten Schritt prüfen, ob es generell möglich ist, Rinder auf die Benutzung einer Toilette zu trainieren.

Dr. Jan Langbein, Verhaltensbiologe

Training mit Belohnung und Strafe

Die „Toilette“ ist eigentlich eine grüne Latrine, die sich so farblich vom Rest des Stalls abhebt. Das Training funktioniert so: Uriniert das Kalb auf den durchlässigen Belag der Latrine, wird es anschließend mit Futter belohnt. Pinkelt es aber auf den Stall, gibt es eine Bestrafung: eine drei-sekündige Dusche.

Das scheint zu funktionieren. Zumindest teilweise: In den letzten Versuchsdurchgängen gingen laut Langbein von 16 Kälbern elf tatsächlich „aufs Klo“ – jedenfalls bei dreiviertel ihrer Geschäfte. Das soll noch besser werden. Und das Training soll künftig automatisch laufen.

Wenn die Kuh regelgerecht in das Klo uriniert hat, dann öffnet sich eine Klappe in der Seitenwand. Daraus kann sie sich als Belohnung etwas Leckeres zum Fressen holen.  (Foto: Leibniz-Institut für Nutzierbiologie (FBN) )
Wenn die Kuh regelgerecht in das Klo uriniert hat, dann öffnet sich eine Klappe in der Seitenwand. Daraus kann sie sich als Belohnung etwas Leckeres zum Fressen holen. Leibniz-Institut für Nutzierbiologie (FBN)

Kälber sollen in Zukunft automatisiert lernen

Kein Bauer wird sich hinstellen und seine Kälber darauf trainieren, dass sie eine Toilette benutzen. Das hat bei uns ja etwa neun Tage gebraucht. Das heißt, da werden die nächsten Versuche hingehen: Ob man beispielsweise durch den Einsatz einer Wärmebildkamera erkennen kann, wo das Kalb Kot oder Harn absetzt und dann entsprechend mit Belohnung oder Bestrafung arbeitet.

Dr. Jan Langbein, Verhaltensbiologe

Für die Landwirte hätten solche „Kuh-Klos“ auch ganz direkte Vorteile:

  • Weniger Reinigungsaufwand
  • Wenn die Kühe nicht permanent in ihren Fäkalien stehen, wirkt sich das positiv auf ihre Gesundheit aus.

Sowohl Klauenerkrankungen seien dann seltener und auch Entzündungen an den Eutern könnten laut Langbein durch mehr Hygiene verhindert werden.

Kuhfladen haben einen Durchmesser von rund  30 Zentimetern und wiegen frisch circa zwei Kilogramm. Kuhmist ist wertvolle Biomasse, aus der sich auch Energie gewinnen lässt.  (Foto: Imago, imago)
Kuhfladen haben einen Durchmesser von rund 30 Zentimetern und wiegen frisch circa zwei Kilogramm. Kuhmist ist wertvolle Biomasse, aus der sich auch Energie gewinnen lässt. Imago imago
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