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Angestellte akzeptieren Maschinen mit künstlicher Intelligenz als Partner besser, wenn die Maschinen zwischendurch Fehler machen und so menschlicher wirken. Forschende aus Tübingen testeten Algorithmen, die die Systeme künstlich dümmer machen.

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Nach vier Stunden Fließbandarbeit passiert es und Roboter "Fez" baut eine falsche Schraube ein. Als dem Roboter der Fehler unterläuft, macht Dr. Wieland Brendel vom Forschungskonsortium Cyber Valley hochzufrieden eine Notiz auf seinem Analysebogen. Bei den Maschinen, die Brendel in einer Forschungshalle in Tübingen beobachtet, sind Fehler gewollt – nicht Perfektion. Für die künstliche Intelligenz der Maschinen haben Brendel und sein Team ein neues Feature programmiert, den "Fehler erlaubenden Zustand", abgekürzt "Fez".

Denn einwandfrei arbeitende Roboter und Maschinen ließen sich langfristig nicht in der Arbeitswelt etablieren, so Brendel. Künstliche Intelligenz stoße bei den Arbeitnehmer*innen auf Gegenwehr, wie ihm mehrere Industriepartner berichtet hätten.

Was wir recht schnell gesehen haben: Das Grundproblem, was man bei dieser Akzeptanz hat, ist die Perfektion. Das heißt, die künstliche Intelligenz ist häufig einfach zu gut.

Wieland Brendel, Teamleiter im Forschungskonsortium Cyber Valley

So anstrengend wie perfekte Menschen

Brendel vergleicht das mit dem persönlichen sozialen Umgang: Es sei manchmal einfach anstrengend, mit Personen zusammenzuarbeiten, die alles perfekt können und besser als man selbst. Genauso anstrengend sei die Zusammenarbeit mit Maschinen, die ihre Aufgaben stundenlang ohne Konzentrationsverluste durchführen können. Das schürt Gefühle, der Maschine unterlegen zu sein, macht vielleicht sogar Angst.

Im Cyber Valley arbeiten Forschende daran, künstliche neuronale Netze menschlicher zu gestalten. (Foto: Imago, imago/Science Photo Library)
Im Cyber Valley arbeiten Forschende daran, künstliche neuronale Netze menschlicher zu gestalten. Imago imago/Science Photo Library

Vor allem aber wirken perfekte Roboterkollegen wenig menschlich. Nicht umsonst schlägt der Duden als Synonyme für "robotisch" "seelenlos" und "eiskalt" vor. Der Lösungsansatz für eine größere Akzeptanz sei entsprechend einfach, sagt KI-Experte Brendel.

Wir brauchen Maschinen, die ein bisschen menschenähnlicher sind, wo ein bisschen Wärme erzeugt wird dadurch, dass die Maschine nach ein paar Stunden einfach doch nicht mehr so gut arbeitet.

Wieland Brendel, Teamleiter im Forschungskonsortium Cyber Valley

Menschlichkeit schlägt Qualität

Eine Schweißnaht falsch setzen, so wie es einem Menschen versehentlich passieren kann, das brauche es auch für Maschinen. Das sagt sich leicht, doch die Umsetzung ist schwieriger. Denn die Maschine soll nicht irgendwelche Fehler machen, sondern die, die einem Menschen auch passieren würden. Daher hat das Forschungsteam im Vorfeld genau studiert, bei welchen Aufgaben Menschen welche Fehler machen. Auch Studierende der Universität Tübingen konnten dazu Vorschläge einreichen.

Am Ende eines Arbeitstages reicht es, wenn der Roboter nur so präzise arbeitet, wie auch ein Mensch das noch kann. (Foto: Imago, imago)
Am Ende eines Arbeitstages reicht es, wenn der Roboter nur so präzise arbeitet, wie auch ein Mensch das dann noch kann. Imago imago

Bei der Qualität müssen zugunsten der Menschlichkeit mitunter Abstriche gemacht werden. Beispielsweise gibt es Maschinen, die auf Basis von Bilderkennung fertige Produkte kontrollieren. Diesen Maschinen soll auch mal entgehen dürfen, wenn Kanten oder Farben abgesplittert sind - "die Dinge,  die man natürlich sehen sollte, die einem Menschen aber einfach manchmal durch die Lappen gehen", sagt Brendel.

Nicht mehr perfekt, dafür beliebter

Ihre durchdachten "Fez"-Algorithmen testeten die Forschenden in den realen Arbeitsumgebungen ihrer Industriepartner. Dort wurden laut Brendel die künstlich intelligenten Systeme mit ein bisschen künstlicher Dummheit tatsächlich gut angenommen.

Nachdem sie die vorhandenen Maschinen, die eigentlich perfekt gearbeitet hätten, mit dem neuen Programm sozusagen verschlechtert haben und sich nach einigen Wochen wieder mit den menschlichen Kollegen der Maschinen ausgetauscht haben, sei die Rückmeldung eindeutig positiv gewesen: "Das steigert die Akzeptanz unter den Arbeitern doch erheblich."

Ein Roboterarm überreicht eine Sonnenblume (Foto: Imago, imago/Westend61)
Nette Geste - bislang sind Roboterarme dagegen seelenlos. Imago imago/Westend61

Patzer bei Industrierobotern gern gesehen

KI-Forscher Brendel prognostiziert, dass sich Algorithmen, die fehlerhafter und somit menschlicher machen, vor allem in der Fertigung am Band durchsetzen werden. Dort kommt künstliche Intelligenz besonders häufig zum Einsatz. Doch das käme auch darauf an, wie eng Mensch und Maschine im jeweiligen Unternehmen letztlich zusammenarbeiten würden.

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