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Geschlechtsbestimmung bei Hühnereiern

Neue Methoden zur Geschlechtsbestimmung im Ei So kann man 50 Millionen Küken vor dem Schreddern bewahren

Von Elena Weidt

Noch immer werden in Deutschland jährlich rund 50 Mio. männliche Küken unmittelbar nach dem Schlüpfen getötet, weil sie ökonomisch wertlos sind. Neue Verfahren sollen die Kükentötung stoppen.

Es gibt zwei völlig verschiedene Methoden, die das massenhafte Töten von Küken stoppen sollen. Beide werden vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gefördert, mit bislang 5 Millionen Euro. Schon in diesem Jahr könnten die ersten Maschinen in den Brütereien eingesetzt werden, die bereits im Ei das Geschlecht der Küken bestimmen.

1:21 min

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Geschlechtsbestimmung bei Küken

Elena Weidt / Oliver Wittkowski

Die Branche scheint also vor einem Wandel zu stehen, glaubt man den aktuellen Ankündigungen aus der Forschung und Industrie. So ist Professor Gerald Steiner der TU Dresden gerade dabei, eine solche Maschine in einen Prototypen für die Praxis zu überführen. Er sagt, dass diese Maschine im Labor schon mit großer Sicherheit funktioniere. Gemeinsam mit Forschern der Universität Leipzig haben die Dresdner die Grundlagenforschung für die Geschlechtsbestimmung im Ei geliefert.

Ein neuartiges Gerät zur Geschlechtsbestimmung von Embryos im Hühnerei

Ein neuartiges Gerät zur Geschlechtsbestimmung von Embryos im Hühnerei

Eier Durchleuchten für Geschlechtsbestimmung

Die Maschine - von der Steiner spricht - ist hoch komplex. Sie bohrt, nachdem das Ei 3 Tage bebrütet wurde, mit einem Laser ein kleines Loch in die Kalkschale- ohne die Eihaut zu beschädigen. Dann wird ein spezielles Licht, man spricht von der Raman-Spektroskopie, ins Innere des Eis geschickt. Männliche und weibliche Blutzellen reflektieren das Licht jeweils unterschiedlich zurück. So kann die Maschine dann anhand des Lichts das Geschlecht definieren. Anschließend schließt die Maschine die Löcher wieder mit einer Art Pflaster. Etwa 1 Sekunde, wenn es optimal läuft, braucht die Maschine für ein Ei.

Teuer und schnell: Eier sortieren mit Licht

Rund 7 Jahre haben die Forscher an dieser Bestimmungsmethode mit Licht gefeilt. Prof. Steiner ist sich sicher, dass solche Maschinen in Zukunft zum Standard gehören werden. Wann allerdings, das wollte Steiner gegenüber dem SWR nicht öffentlich sagen. Im Internet findet man aber bereits solche Zahlen: So kündigt das Unternehmen „Agri Advanced Technologies GmbH“ bereits den Einbau einer entsprechenden Pilotanlage für diesen Herbst an. Ziel: 100 000 Eier am Tag zu bestimmen.

Mit Licht lässt sich bereits nach drei Tagen das Geschlecht des Kükens bestimmen

Mit Licht lässt sich bereits nach drei Tagen das Geschlecht des Kükens bestimmen

Billiger und langsamer: Eier sortieren mit Nadelprobe

Diese Technik könnten sich nur große Brütereien leisten, die Maschinen seien wahnsinnig teuer, kritisiert Ludger Breloh von der REWE Group, dem Konkurrenten. Das Unternehmen setzt auf eine völlig andere Methode. Diese, so Breloh, sei sehr viel günstiger und einfacher, soll aber genauso effizient sein. Es handelt sich um die „endokrinologische Methode“.

Hier wird erst 9 Tage nach der Bebrütung mit einer Nadel in das Ei gestochen und etwas Flüssigkeit herausgeholt. Mit einem Marker wird dann nach einem Hormon gesucht. Ist es da, wird ein weibliches Küken entstehen. Angeblich funktioniert das mit 98-prozentiger Sicherheit.

Geschlechtsbestimmung durch Einstich mit Hohlnadel

Geschlechtsbestimmung durch Einstich mit Hohlnadel



Wettkampf der Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei

Im Prinzip hätten sie auch schon die Praxisreife erreicht, sagt Breloh. Sie würden aber gerade noch einiges testen und wollten keine genauen Zeitangaben machen, wann sie damit fertig seien. Auch hier finden sich wieder präzisere Informationen im Internet: Das Unternehmen schreibt auf seiner Homepage, dass es das Verfahren bis Ende 2018 zur Marktreife gebracht haben wolle. Noch sei ihre Maschine aber zu langsam.

Töten männlicher Küken bald verboten?

Beide Verfahren beherrschen die Geschlechtsbestimmung zweifelsfrei, schreibt das Ministerium. Was sich jedoch in der Praxis durchsetzen wird, muss sich jetzt zeigen. Bleibt es nicht nur bei Ankündigungen, sondern schaffen diese Maschinen den Praxistest, dann müssen alle Brütereien umstellen und das Töten der männlichen Küken wäre verboten. Erlaubt ist es bisher nur, weil es laut Auslegung der Gerichte, ökonomisch betrachtet, keine wirklichen Alternativen für die Geflügelzüchter gibt. Weil die männlichen Küken eben keine Eier legen und ihre Aufzucht ineffizient ist.