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Behandlung von Blutkrebs Hoffnung auf Erfolg bei Stammzelltherapie

Leukämiepatienten bleibt oft nur die Transplantation von Blutstammzellen eines geeigneten Spenders. Forscher haben nun bei Mäusen einen neuen Ansatz getestet, um Komplikationen zu verhindern.

In vielen Fällen lässt sich Blutkrebs heute erfolgreich behandeln. Blutstammzellen aus dem Knochenmark eines Spenders sind die letzte Hoffnung vieler Patienten mit Leukämie oder Knochenmarkkrebs: Erst werden ihre eigenen, kranken Zellen mit Chemotherapie oder Bestrahlung zerstört, dann bekommen sie die Stammzellen eines geeigneten Spenders – entweder als Infusion wie eine Blutkonserve oder per Katheter direkt in die Hauptvene vor dem Herzen. Die Therapie ist hochriskant, kann aber zur vollständigen Heilung führen.

Mögliche Komplikationen der Stammzelltherapie

In 30 bis 60 Prozent der Fälle kommt es zur gefürchteten „graft versus host disease“: Immunzellen des Spenders attackieren gesunde Gewebe des Empfängers. Am stärksten trifft das Leber, Darm und Haut.

Für jeden zweiten Patienten endet die gefährliche Immunreaktion tödlich. Mit Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken, können Ärzte gegensteuern – aber eben nicht verlässlich, und nur mit erheblichen Nebenwirkungen. Doch vielleicht gibt es eine aussichtsreiche Alternative: Wissenschaftler des Uniklinikums Freiburg und des Instituts für Experimentelle Immunologie in Zürich konnten bei Mäusen den Angriff der Spenderzellen stoppen.

Fresszelle greift nach Tumor

Fresszelle greift nach Tumor

Unerwünschte Immunreaktionen werden über Botenstoff gesteuert

Die Forscher konnten die unerwünschte Immunreaktion stoppen, indem sie einen bestimmten Botenstoff des Immunsystems gezielt blockierten: GM-CSF heißt dieser Botenstoff. Die Wissenschaftler hatten befürchtet, dass die Blockade gleichzeitig auch den erwünschten Angriff auf die restlichen Krebszellen schwächen könnte. Genau das ist aber nicht passiert: Im Tierversuch eliminierten die Spenderzellen erfolgreich noch vorhandene Leukämiezellen. Gesundes Gewebe aber blieb weitgehend verschont.

Spannend sind die Ergebnisse vor allem deshalb, weil sie eine bisher gängige Annahme über den Haufen werfen: Bis jetzt gingen Forscher immer davon aus, dass die Faktoren, die den Krebszellen den Garaus machen, dieselben sind, die manchmal auch gesunde Strukturen angreifen. Jetzt zeigt sich: Bei dem untersuchten Botenstoff CM-GSF ist das anders – er scheint nur die unerwünschte Reaktion voranzutreiben. Und das nicht nur bei Mäusen: Bei Patienten, bei denen der Angriff der Spenderzellen auf körpereigene Gewebe besonders heftig ausfällt, sind die Werte des Botenstoffs stark erhöht.

Kampf dem Krebs - Was leistet die Immuntherapie?

Ein Angriff der Spenderzellen auf körpereigenes Gewebe kann bislang nur durch die Unterdrückung des Immunsystems des Empfängers gesteuert werden. Doch auch das birgt Risiken.

Erste klinische Studie für neues Verfahren geplant

Daher kommt das Forscherteam aus Freiburg und Zürich in „Science Translational Medicine“ zu dem Ergebnis: Von einer Blockade dieses Zytokins könnten vermutlich gerade schwer betroffene Patienten mit dem höchsten Sterberisiko profitieren. Allerdings seien Nebenwirkungen auf die Lunge möglich. Den noch unbekannten Risiken stehen entscheidende Vorteile gegenüber: Die Wissenschaftler vermuten, dass sich mit einem Antikörper gegen CM-GSF künftig auch Blutstammzellen von weniger geeigneten Spendern transplantieren lassen. Das könnte weltweit viele Leben retten. Ein Antikörper gegen den Botenstoff ist bereits entwickelt, eine erste klinische Studie soll bald beginnen.

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Die Zellen des Immunsystems werden trainiert, den Tumor zu bekämpfen.