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Insekten im Klimawandel Schädlinge profitieren von hohen Temperaturen

Nicht nur die Tigermücke fühlt sich in unseren Breiten immer wohler. Der Klimawandel wird einer neuen Studie zufolge auch dazu führen, dass viele Schadinsekten besser gedeihen und damit eine weitere Bedrohung für die Landwirtschaft darstellen – neben den möglicherweise häufiger auftretenden Dürren.

Schon heute vernichten Schadinsekten zwischen 5 und 20 Prozent der globalen Ernten. Und dieser Anteil könnte einer neuen Studie zufolge steigen. Dabei gibt es einen Unterschied zwischen den Tropen und Europa. In den tropischen Ländern stellt der Klimawandel für viele Insekten eher eine Bedrohung dar. Dort sind die einzelnen Arten meist an eine sehr enge Klimanische angepasst. Verändert die sich, verlieren diese hochangepassten Insekten schnell ihren Lebensraum.

Höhere Ernteverluste durch mehr Schadinsekten

In den gemäßigten Breiten ist die Situation anders. Dort halten Insekten nicht nur an starke Temperaturschwankungen aus, zusätzliche Wärme macht sie auch fitter. Sie schlüpfen früher, wachsen schneller, fressen mehr, weil der Stoffwechsel insgesamt gesteigert wird. Die Forscher haben nun ausgerechnet, was das für die wichtigsten Getreidepflanzen Weizen, Reis und Mais bedeuten. Die Ernteverluste durch Schadinsekten würden demnach mit jedem Grad der Erwärmung ansteigen, vor allem bei uns, in den gemäßigten Klimazonen. Zwei Grad wärmer, und der Ernteverlust bei Weizen würde sich um fast 50 Prozent erhöhen.

Durch Schadinsekten bedroht: Die Wurzeln einer Maispflanze

Durch Schadinsekten bedroht: Die Wurzeln einer Maispflanze.

Natur ist kein Labor

Biologisch ist das plausibel. Die Zusammenhänge zwischen Temperatur und Insektenwachstum sind gut erforscht. Allerdings vor allem im Labor. Und da stößt die Modellrechnung an Grenzen. Denn die Natur ist kein Labor, auch landwirtschaftliche Flächen sind es nicht, selbst wenn sie in ihrer Monotonie gelegentlich daran erinnern. Wie sich Insekten im Klimawandel entwickeln, hängt nicht nur von Temperatur ab, sondern zum Beispiel auch davon, wie sich der Klimawandel auf ihre Lebensräume insgesamt auswirkt. Es mag ja sein, dass die Schädlinge sich dann besser vermehren – aber wenn das für ihre Fressfeinde ebenfalls gelten sollte, könnten sie die Schädlinge im Zaum halten.

Vielfalt der Insekten weiterhin bedroht

Und damit keine Missverständnisse entstehen. Die Schlagzeile „Klimawandel ist gut für Insekten“ könnte ja zur Schlussfolgerung verleiten, dass die Globale Erwärmung wenigstens dem Insektensterben entgegenwirken würde. Das gibt nun aber diese Studie überhaupt nicht her.
Denn beim Insektensterben geht es ja nicht nur um die Zahl, sondern auch die Vielfalt der Insekten. Der Klimawandel wird sich aber nicht auf alle gleichermaßen auswirken. Einige – vielleicht wenige – werden profitieren und sich schneller vermehren, andere werden verdrängt oder verlieren ihre Nahrungsgrundlage.

Schmettling an Blüte fliegend

Auch Schmetterlinge lieben die Wärme. Dennoch sind viele Arten, vor allem wegen der Vernichtung ihrer natürlichen Lebensräume, vom Aussterben bedroht.

Landwirtschaft muss sich umstellen

Die Landwirtschaft wird sich umstellen müssen, sagen die Studienautoren. Und das heißt eben nicht unbedingt mehr Insektizide, um die sich vermehrenden Schädlinge in Schach zu halten. Es kann auch heißen: Andere und häufigere Fruchtfolgen. Mehr Mischkulturen. Eine strukturreichere Landwirtschaft – die würde nämlich auch den natürlichen Feinden der Schädlinge nützen. Insofern, auch wenn es paradox klingt: Die Strategien gegen klimabedingte Schädlingsplagen sind letztlich die gleichen, die dem allgemeinen Insektensterben entgegenwirken würden.