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Wenn Freunde, Bekannte, Kolleginnen und Nachbarn Kinder bekommen, kann das ansteckend sein. Das haben Forscher der Uni Bamberg jetzt herausgefunden.

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Schon wieder ist eine Kollegin schwanger, der eigene Bruder wurde gerade Vater. Und auch im Freundeskreis scheint es kaum noch kinderlose Paare zu geben. Die Entscheidung, ein Kind zu bekommen, wird offensichtlich stark von sozialen Kontakten und Netzwerken geprägt.

Wie stark solche sozialen Ansteckungseffekte genau sind, wurde in mehreren Studien am Staatsinstitut für Familienforschung (ifb) und an der Professur für Demografie an der Universität Bamberg jetzt untersucht. Dafür wurden unterschiedliche Netzwerke wie Familie und Arbeitsplatz untersucht – und dabei sogar netzwerkübergreifende Effekte festgestellt.

Gerade bei Geschwistern scheint es besonders ansteckend zu sein, wenn der oder die andere Nachwuchs erwartet. (Foto: Imago, imago images / Panthermedia)
Gerade bei Geschwistern scheint es besonders ansteckend zu sein, wenn der oder die andere Nachwuchs erwartet. Imago imago images / Panthermedia

Kinderkriegen ist keine Krankheit, dennoch ansteckend

Dazu haben die Forscherinnen und Forscher Daten zum Beispiel vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung mit Geburtsregistern zusammengeführt. Dabei kommt heraus, dass die soziale Ansteckung am Arbeitsplatz durch Kollegen funktioniert. Die Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden erhöht sich deutlich, wenn Kolleginnen und Kollegen eine Familie gründen.

Der größte Ansteckungseffekt besteht in dem Jahr nach einer Geburt im Kollegenkreis. In diesem Zeitraum ist die Neigung von Kolleginnen und Kollegen, zum ersten Mal Kinder zu bekommen, nahezu doppelt so hoch. Und selbst im zweiten Jahr gibt es immer noch einen sozialen Ansteckungseffekt – allerdings auf sinkendem Niveau.

Warum Kinderkriegen ansteckend ist, darüber wird noch diskutiert.  (Foto: Imago, imago)
Warum Kinderkriegen ansteckend ist, darüber wird noch diskutiert. Imago imago

Schwangere Geschwister übertragen den Kinderwunsch

Mit weiteren Datensätzen aus den Niederlanden konnten die Bamberger Forscher auch zeigen, dass uns neben den Kollegen am Arbeitsplatz vor allem auch Geschwister zum Kinderkriegen anstecken können. Hat ein Geschwisterteil ein Kind bekommen, dann ist die Wahrscheinlichkeit, selbst ein eigenes Kind zu bekommen, im Jahr darauf deutlich erhöht. Diese Ansteckung funktioniert übrigens auch beim Heiraten – hier steigt die Wahrscheinlichkeit im ersten Jahr nach der Heirat der Schwester oder des Bruders auch deutlich an.

Schwangerschaft als Kettenreaktion

Außerdem konnten die Forscher eine Art Kettenreaktion nachweisen. Wird eine Person von Kolleginnen oder Kollegen mit dem Kinderwunsch angesteckt, dann beeinflusst das wiederum deren Geschwister. Und diese haben Einfluss auf ihre jeweiligen Kolleginnen und Kollegen.

Im Kolleginnenkreis ist das Kinderkriegen dem Anschein nach besonders ansteckend. (Foto: Imago, imago images / Westend61)
Im Kolleginnenkreis ist das Kinderkriegen dem Anschein nach besonders ansteckend. Imago imago images / Westend61

Auch umgekehrt funktioniert die Ansteckung

Wer im eigenen Umfeld wenige Geburten hat, bei dem ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass er oder sie selbst auch keine Kinder bekommt. Wie die Ansteckung zum Kinderkriegen genau funktioniert – das konnte mit den vorliegenden Daten leider nicht untersucht werden.

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