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Als erste Uniklinik in Deutschland setzt Freiburg routinemäßig bei der Darmspiegelung ein System ein, das KI-basiert Polypen erkennt und dem Arzt in Echtzeit ins Videobild einspielt.

Jährlich sterben rund 25.000 Menschen in Deutschland an den Folgen einer Darmkrebserkrankung. Dabei kann man kaum einer anderen Krebsart so leicht vorbeugen. Durch Vorsorge und Früherkennung könnten nahezu alle Darmkrebsfälle verhindert oder geheilt werden.

2002 wurde der Darmkrebsmonat von Hilfsorganisationen gemeinsam ins Leben gerufen, die sich bereits damals dieser Krebsart führend angenommen hatten – darunter die Felix-Burda-Stiftung, die Deutsche Krebshilfe und die Deutsche Krebsgesellschaft.

KI hilft bei Früherkennung von Darmpolypen und Darmkrebs. (Foto: SWR, SWR /Thomas Hillebrandt)
KI hilft bei Früherkennung von Darmpolypen und Darmkrebs. SWR /Thomas Hillebrandt

Künstliche Intelligenz erkennt Darmpolypen

Die Freiburger Uniklinik setzt seit Anfang des Jahres 2020 mit großem Erfolg bei der Darmspiegelung ein System ein, das mithilfe künstlicher Intelligenz Darmpolypen erkennt und dem Arzt in Echtzeit ins Videobild einspielt.

Bei einer Darmspiegelung wird mit einem Kamera-Endoskop im Dickdarm nach Polypen gesucht: Schleimhautveränderungen, die bösartig werden können. Jetzt unterstützt in Freiburg eine völlig neue Technik den Arzt: Grüne Markierungen auf dem Monitor zeigen dem Arzt, wo er nochmals genau hinschauen sollte.

„Das System hilft uns einfach dabei, mit größerer Genauigkeit vor allem kleine Polypen und auch sehr flache Polypen zu erkennen. Es ist für uns, ähnlich wie im Auto, ein Assistenzsystem, das die Qualität der Vorsorgeuntersuchung einfach verbessert.“

Dr. Arthur Schmidt, Uniklinik Freiburg
KI hilft bei Früherkennung von Darmpolypen und Darmkrebs. (Foto: SWR, SWR /Thomas Hillebrandt)
KI hilft bei Früherkennung von Darmpolypen und Darmkrebs. SWR /Thomas Hillebrandt

Gigantische Bilddatenbank hilft bei der Erkennung von Darmkrebs

Seit Anfang des Jahres ist das System auf der Basis künstlicher Intelligenz in Freiburg im Einsatz. Das Herzstück ist eine angeschlossene Bilddatenbank mit aktuell 1,5 Millionen Einzelbildern, die vorher ausgewertet wurden.

So zeigt sich zum Beispiel rechts, was ein Arzt sieht – und vielleicht übersieht – und links, dass das System kritische Stellen in Echtzeit erkennt, analysiert und dann markiert.

„Wenn das grüne Kästchen sozusagen im Bild bleibt, dann ist sich das System sicher, dass es einen Polypen erkannt hat. Und dann können wir entscheiden, ob wir den Polypen tatsächlich abtragen oder nicht.“

Dr. Arthur Schmidt, Uniklinik Freiburg

Künstliche Intelligenz als zweite ärztliche Meinung

Wird mit Unterstützung der künstlichen Intellienz ein Darmpolyp entdeckt, kann das Ärtzteteam sich dafür entscheiden, den Polypen zu entfernen. Damit lässt sich verhindern, dass daraus ein bösartiges Geschwulst entsteht.

Das neue Darmspiegelungssystem ersetzt nicht den Arzt. Es dient vielmehr – so sagen die Entwickler – als „zweite Meinung“, als „zusätzlicher Untersucher“. So erhöht sich in jedem Fall die Sicherheit, dass auch wirklich alles entdeckt wird, was irgendwann zu Darmkrebs werden kann.

Mit einer Schlinge kann der Darmpolyp gleich entfernt werden. (Foto: SWR, SWR /Thomas Hillebrandt)
Mit einer Schlinge kann der Darmpolyp gleich entfernt werden. SWR /Thomas Hillebrandt
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