Bitte warten...
Rohingya Flüchtlinge vor Wasserpfütze in Bangladesh

Konfliktpotential durch knappe Ressourcen (Kein) Krieg ums Wasser

Ein Kommentar von Gabor Paal

Am 22. März ist Weltwassertag. Wasser ist ohne Zweifel eine der wichtigsten Lebensgrundlagen. Und es wird in vielen Regionen zunehmend knapp. In diesem Zusammenhang hört man dann oft den Satz: "Die Kriege der Zukunft finden ums Wasser statt". Doch ist das wirklich so?

Boutros Boutros Ghali hatte 1985 gar nicht von den Kriegen der Zukunft im allgemeinen gesprochen, sondern vom nächsten Krieg im Nahen Osten. Der werde ums Wasser geführt werden, nicht um Politik, sagte der ägyptische Diplomat, der später UNO-Generalsekretär werden sollte. Boutros Ghali ist inzwischen weitgehend in Vergessenheit geraten, doch sein Satz von den Wasserkriegen hallt bis heute nach.

Bau von Staudämmen sorgt für Konflikte

Er wurde verallgemeinert zu: "Die Kriege der Zukunft finden ums Wasser statt." Das klingt so weise und weitsichtig. Nun leben wir inzwischen in der Zeit, die aus der Sicht von 1985 die Zukunft war, Dutzende Kriege sind seitdem geführt worden, auch im Nahen Osten – doch kein einziger ums Wasser. Konflikte ums Wasser, die gibt es – vor allem immer dann, wenn Staudämme gebaut werden.

Nil-Staudamm im Nordwesten von Äthiopien

Im Nordwesten von Äthiopien wird derzeit am Blauen Nil der größte Staudamm Afrikas gebaut. Das Bauwerk sorgt aber für Spannungen vor allem mit Ägypten, die Sorge um ihren Anteil am Nilwasser haben.

Das sorgt einerseits für Spannungen im Staat selbst: Da wird Natur zerstört, Menschen werden umgesiedelt. Und es entstehen auch internationale Konflikte: Äthiopien staut den Oberlauf des Nils, dadurch sieht sich Ägypten bedroht. Die Türkei staut Euphrat und Tigris – zum großen Ärger von Syrien und Irak. Da wird es auch schon mal laut, da wird wie im Fall des Nils auch mal mit Krieg gedroht, aber am Ende findet er dann doch nicht statt. Denn dazu haben die meisten Staaten doch meist genug andere Probleme.

Israel-Palästina - Friedenprozess liegt auf Eis

Vielen fällt beim Thema auch der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern statt. Auch da gibt es gelegentlich Streit ums Wasser, weil es ungleich verteilt ist, weil Israelis pro Kopf mehr Wasser verbrauchen können als Palästinenser. Und doch ist das Wasser dort nicht der Kern des Konflikts. Es gibt viele Gründe, weshalb der so genannte Friedensprozess derzeit auf Eis liegt – aber das Wasser gehört nicht dazu. Im Gegenteil: Das Wasser gehört zu den wenigen Fragen, über die beide Seiten einigermaßen sachlich verhandeln.

Ein israelischer Soldat sitzt in einem Panzer.

Wasser ist in der Regel kein Grund für bewaffnete Konflikte.

Wassermangel ist nicht automatisch Kriegsgrund

Dadurch soll die Bedeutung des Wasser nicht heruntergespielt werden. Viele Regionen leiden dramatisch unter Wassermangel, zum Teil selbst verschuldet, zum Teil klimatisch bedingt. Wegen der wachsenden Bevölkerung, der steigenden Ansprüche und des Klimawandels kann sich die Situation vielerorts auch noch verschärfen, aber nicht alles, worüber sich Länder streiten, ist automatisch ein Kriegsgrund.

Kriege sind teurer als Entsalzungsanlagen

Spielen wir es doch mal durch: Angenommen, Ägypten würde tatsächlich einen Krieg gegen Äthiopien wegen des Nils anfangen. Welches Ziel hätte der: Ägypten müsste Äthiopien dauerhaft besetzen, um sich den Zugriff aufs Wasser zu sichern. Das wäre völlig irre. Letztlich gilt hier die Rechnung, die ein israelischer Armeestrategie schon vor Jahren aufgemacht hat, als er sagte: "Warum sollte man wegen Wasser in den Krieg ziehen? Für den Preis einwöchiger Kämpfe könnte man fünf Entsalzungsanlagen bauen." Da ist was dran. Die Erfahrung zeigt, dass selbst in Kriegszeiten die verfeindeten Staaten in Wasserfragen pragmatisch bleiben.

Meerwasserentsalzungsanlage in Dair Al Balah, am Gaza Streifen.

Meerwasserentsalzungsanlage in Dair Al Balah, am Gaza Streifen. Die Anlage wird u.a. von UNICEF unterstützt.

Ursache des Krieges in Syrien war nicht der Klimawandel

Indien und Pakistan führten mehrere Kriege um Kashmir, aber ihr gemeinsames Wasserabkommen hat überlebt. Selbst in ihren Kriegen haben sie sich das Wasser geteilt. Doch der Mythos vom Krieg ums Wasser ist nicht aus der Welt zu schaffen. Eine neue Variante sind die angeblichen klimabedingten Kriege. So behaupteten britische Forscher vor zwei Jahren, der Bürgerkrieg in Syrien sei das Ergebnis einer akuten Wasserknappheit gewesen, einer klimawandelbedingte Dürre, die zu einer Binnenmigration und am Ende zu den Aufständen gegen Assad geführt habe. Viele Medien und Politiker plapperten das nach.

Wasser ist kein Prestigeobjekt

Doch eine genauere Überprüfung kam ziemlich schnell zum Ergebnis, dass der Zusammenhang zwischen Dürre und Bürgerkrieg an den Haaren herbeigezogen war. Die Kriege der Gegenwart werden noch immer geführt, um Macht und militärische Kontrolle, um Öl und Diamanten und seltene Erden. Vielleicht auch mal um Religion oder was dafür ausgegeben wird. Um Wasser werden sie nicht geführt.

Denn Wasser ist in der Regel nicht ideologisch besetzt, Wasser ist kein Prestigeobjekt, Wasser ist für manche sicher ein Geschäft, aber nicht so ein großes, dass sich Kriege dafür lohnen. Das heißt nicht, dass es nicht wichtig wäre. Aber das ist vielleicht die Pointe: die Abhängigkeit vom Wasser ist viel zu ernst, Wasser ist viel zu wichtig, als dass man sich dafür in Kriege verzettelt.