Invasive Arten

Kalikokrebse aus den USA bedrohen das Ökosystem

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AUTOR/IN
Pascal Kiss
ONLINEFASSUNG
Julia Otto

Seit über 20 Jahren breitet sich der Kalikokrebs in Deutschland aus – und bedroht heimische Tierarten. Ein Team der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe will die Krebse vertreiben.

Die aus den USA eingewanderten Kalikokrebse können einen Tümpel innerhalb von Monaten in eine braune Suppe verwandeln. Sie fressen ihn erst leer und verspeisen sich dann irgendwann sogar gegenseitig. Heimische Arten wie der Laubfrosch haben gegen die Krebse keine Chance.

Karlsruher Forschungsteam will die Krebse wieder vertreiben

Seit vier Jahren sucht ein Karlsruher Forschungsteam nach Lösungen, den Krebs zumindest in einzelnen Gewässern zu vertreiben. Biologe Andreas Martens hat schon tausende Krebse gefangen. Gemeinsam mit der Stadt Rheinstetten (Kreis Karlsruhe) ist sein Team auch gegen die Tiere im dortigen Tümpel "Dreizack" vorgegangen. Dort lebten zeitweise 60.000 Kalikokrebse.

Kalikokrebse (Foto: SWR)
Kalikokrebse fressen fast alles und sind für das Ökosystem eine echte Bedrohung.

Anfangs war sich der Umweltbeauftragte der Stadt Rheinstetten, Martin Reuter, unsicher: "Ich war ehrlich gesagt, relativ skeptisch, die Alternative war aber nur gar nichts zu machen."

Forschungsteam schüttet Tümpel mit Kies auf

Die Forscher:innen wollten die Krebse aber nicht nur fangen. Gemeinsam mit der Stadt schütteten sie den Tümpel mit Kies auf. So habe man verhindern wollen, dass die Krebse Höhlen bauen, sagte Biologe Andreas Martens. Ziel sei gewesen, dass der Krebs nicht mehr habe graben können. Die Gänge seien dann in sich zusammengefallen. So haben sich die Krebse nicht mehr verstecken können.

Kalikokrebse (Foto: SWR)
Das Forschungsteam hat das Gewässer mit Kies aufgeschüttet. So konnten die Krebse keine Höhlen mehr bauen.

Schutzwall aus Baumstämmen

Das war aber nicht die einzige Maßnahme. Mit einem Wall aus Baumstämmen sollte das Gewässer zusätzlich geschützt werden. Schon ein 30 Zentimeter hoher Stamm ist für die Krebse zu hoch – vorausgesetzt die Mäuse buddeln unter dem Stamm keine Löcher. Schon eine einzige Lücke, schon ein einziges Weibchen kann das ganze Projekt in Gefahr bringen.  

"Wenn ein Weibchen mit Eiern ein Gewässer erreicht, dann sind gleich 350 Krebse drin."

Kalikokrebse (Foto: SWR)
Über einen 30 Zentimeter hohen Stamm können die Krebse nicht klettern.

Nach nur drei Monaten sind die Tiere dann wieder geschlechtsreif. Durch ein einziges Tier könnten im Laufe eines Jahres tausende Krebse ein Gewässer wieder besiedeln. Deshalb waren sich die Forschenden lange nicht sicher, ob ihre Schutzmaßnahmen wirklich funktionieren. 

Die Schutzmaßnahmen funktionieren

Heute ist klar: Der Einsatz hat sich gelohnt. Das einst braune Tümpelwasser ist wieder glasklar. Außerdem quakt und surrt es wieder – die seltenen Laubfrösche sind zurück. Königslibellen schweben über den Tümpel und paaren sich. Eine Idylle, die nur Dank der konsequenten Maßnahmen wieder möglich ist.

Kalikokrebse (Foto: SWR)
Die Schutzmaßnahmen funktionieren – die seltenen Laubfrösche sind wieder zurück.

Kaum natürliche Feinde in Deutschland

Oft reguliert sich das ökologische Gleichgewicht von allein, weil Fressfeinde größere Populationen reduzieren. Darauf konnte die Stadt Rheinfelden nicht hoffen. Denn der eingewanderten Kalikokrebs muss in Deutschland fast niemanden fürchten. Normalerweise lebt er in den Nebenströmen des Mississippi. Dort gibt es Alligatoren und Fische, die den Krebsen das Leben schwer machen. Doch wie ist der Krebs überhaupt zu uns gekommen? Die Tiere seien wohl ausgesetzt worden, sagt Biologe Andreas Martens.

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