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Wenn Kinder und Jugendliche Probleme mit Cybermobbing haben, wollen sie sich oft nicht an ihre Eltern wenden. Deshalb melden sich immer mehr Betroffene beim Verein JUUUPORT. Dort bekommen sie kostenlos und vertraulich Hilfe von Gleichaltrigen.

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Wenn Kinder und Jugendliche im Netz gemobbt werden oder auf unseriöse Geschäftsangebote hereingefallen sind, ist die Not oft groß. Dann helfen die 80 „Scouts“ von JUUUPORT – so heißen die Berater:innen des online-Hilfsportals. Das Besondere: die JUUUPORT-Scouts sind Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14 bis 24 Jahren, die Gleichaltrigen bei Problemen wie Cybermobbing, Abzocke oder WhatsApp-Stress helfen. Sie setzen sich für ein respektvolles Miteinander in der Onlinekommunikation ein.

Mehr Klicks während der Pandemie

Da in Zeiten der Corona-Pandemie persönliche Beratungs- und Hilfsangebote aufgrund von Kontaktbeschränkungen nicht genutzt werden können, haben sich die Anfragen bei JUUPORT.de während des Lockdowns fast verdoppelt. Im vergangenen Jahr hat der Verein mehr als 5.000 Anfragen beantwortet, heißt es bei der Landesmedienanstalt Niedersachsen, die JUUUPORT vor elf Jahren gegründet hat. Auch Baden-Württemberg hat sich dem Projekt angeschlossen, sagt Thomas Rathgeb von der Landesanstalt für Kommunikation in Stuttgart. Jugendliche würden bei der Beratung von Gleichaltrigen oft schneller auf den Punkt kommen.

Mädchen mit Handy (Foto: JUUUPORT)
Im Jahr 2020 hat der Verein JUUUPORT mehr als 5000 Anfragen beantwortet. JUUUPORT

Die Jugendlichen sind geschult und wissen genau, bei welchem Thema sie weiterhelfen können. Bei anderen Themen vermitteln sie die Ratsuchenden gegebenenfalls an professionelle Hilfe oder Hilfsangebote, erklärt Thomas Rathgeb.

Fake-News werden oft nicht erkannt

In Deutschland ist es zwar gesetzlich verboten, Gewaltverherrlichung sowie rechtsextremistische und rassistische Inhalte oder Pädosexualität zu verbreiten. Dennoch kursieren illegale Spiele mit solchen verbotenen Inhalten, denen Kinder oft schutzlos ausgesetzt sind. Immer öfter werden auch Fake-News verbreitet. Jeder dritte Jugendliche erkennt Falschnachrichten aber nicht als solche, hat die jüngste Studie zum Medienumgang von Zwölf- bis 19-Jährigen belegt.

Ayla Schaub engagiert sich seit zwei Jahren als JUUUPORT-Scout. Die 20-Jährige studiert Psychologie im ersten Mastersemester an der TU Chemnitz. Sie beschreibt ein typisches Beispiel einer Falsch-Nachricht: "Es gab im Frühjahr einen Kettenbrief auf WhatsApp, wo es darum ging, dass man in dieser Nacht alle Türen und Fenster geschlossen halten sollte, weil Helikopter kommen und Desinfektionsmittel versprühen würden, um das Corona-Virus auszurotten." Am Ende einer Nachricht steht immer die Aufforderung, den Brief an alle Kontakte weiterzugeben. So würden sich Fake-News im Netz in Windeseile vervielfältigen.

"Im Netz gibt es Leute, denen es offensichtlich Spaß macht, anderen Angst zu machen, aus Langeweile, Frust oder Hass."

Auch Cybergrooming ist weit verbreitet: Wenn man mit jemandem Kontakt aufnimmt, um an sexuelle Inhalte zu gelangen. Pornografische Fotos, Videos oder auch Treffen mit den Opfern zu arrangieren und sie eben auszunutzen oder zu missbrauchen. Das versteht man unter Cybergrooming, erklärt Ayla Schaub.

Jugendliche wenden sich lieber an Gleichaltrige

Viele Kinder und Jugendliche wenden sich bei Problemen lieber an Gleichaltrige, weil die Eltern ihnen womöglich Internetverbot erteilen würden. Und meistens können die Scouts ihre Probleme auch lösen. Bei ganz krassen Fällen oder wenn Straftaten vorliegen, holen sich die Scouts Hilfe von hauptamtlichen Psychologen, Juristen und Medienpädagogen.

Wenn die Betroffenen Anzeige bei der Polizei erstatten, sind zum Beispiel Screenshots als Beweise wichtig. Die Scouts sind von Flensburg bis München über ganz Deutschland verteilt und arbeiten am PC von zu Hause aus. Auch wenn sich nur sechs Landesmedienanstalten an der Finanzierung von JUUUPORT beteiligen, werden alle Kinder und Jugendliche beraten, die aus ganz Deutschland anrufen.

Drei Jugendliche m Handy (Foto: JUUUPORT)
Die JUUUPORT-Scouts beraten und helfen Jugendlichen aus ganz Deutschland. JUUUPORT

Eine Messenger-Beratung gibt es auf JUUUPORT.de montags bis freitags von 18 bis 20 Uhr. Hier können ratsuchende Kinder und Jugendliche ihre Fragen auch niedrigschwellig über eine Sprachnachricht stellen. Man kann aber auch ein Kontaktformular anklicken, immer vertraulich und datenschutzkonform, sagt Sabine Mosler von der Landesmedienanstalt Niedersachsen.

"Bei dem Beratungsformular kann die Beratungsanfrage anonym verfasst werden. Nachdem die Frage weggeschickt wurde, bekommt der Hilfesuchende ein Passwort, mit dem er die Antwort in der Regel innerhalb von 48 Stunden abholen kann", erklärt sie.

Webinare sind stark gebucht

Weil das Privatleben und auch das Schulleben von Jugendlichen seit Jahren online stattfinden, wird Cybermobbing spätestens ab der fünften Klasse zum Problem. Deshalb sind Webinare zu diesem Thema bei JUUUPORT stark gebucht. Im vergangenen Jahr haben drei speziell geschulte JUUUPORT-Scouts kostenlos 100 Webinare an Schulen und Jugendeinrichtungen durchgeführt, sagt Judith Blatt, die die Online-Seminare organisiert. In diesem Jahr sollen es sogar 200 werden.

Darunter sind Angebote zu Cybermobbing, Hass im Netz und Stress auf WhatsApp, also gruppendynamische Kommunikation auf Messenger-Basis. Angeboten werden auch Seminare zum Thema „Respektvoll bei Online-Games“, Datenschutz und Sicherheit im Netz, aber auch was zu Fake-News, besonders jetzt in Zeiten von Corona.

Frau arbeitet am Laptop (Symbolfoto) Die JUUUPORT-Scouts haben 2020 in den Online-Seminaren 2.500 Schüler und Schülerinnen direkt erreicht. (Foto: Imago, IMAGO / Science Photo Library)
Die JUUUPORT-Scouts haben 2020 in den Online-Seminaren 2.500 Schüler und Schülerinnen direkt erreicht. Imago IMAGO / Science Photo Library

131.000 Klicks hatte JUUUPORT.de im vergangenen Jahr auf seiner Seite. Doppelt so viel wie in den Jahren davor. Die Scouts haben in den Webinaren 2.500 Schüler und Schülerinnen direkt angesprochen und Fragen beantworten. Ayla Schaub nennt die wichtigste Botschaft, die die Scouts einer ratsuchenden Person mitgeben.

"Wir empfehlen eigentlich fast immer, dass sie sich auf jeden Fall noch jemanden suchen soll, dem sie vertrauen kann. Das ist ein Tipp, den man auf fast alle Bereiche übertragen kann."

In der Schule spielen Fake-News kaum eine Rolle

Im Schulunterricht spielt das Thema Desinformation und Fake-News oft nur eine untergeordnete Rolle, meint Thomas Rathgeb. Deshalb spreche das Landesamt für Kommunikation in Baden-Württemberg gezielt Lehrer und Medienpädagogen an. Für sie werden Fortbildungen angeboten.

"Das machen wir mit verschiedenen Praxis-Workshops, die wir an Schule, aber auch in der außerschulischen Arbeit anbieten. Und das kann man dann in Medienpraxisprojekten lernen und kann sich dann begleitet an die Sachen herantasten", so Thomas Rathgeb.

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