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Raumfahrtnation Israel Mondsonde Bereschit abgestürzt

Israel wollte als viertes Land – nach Russland, den USA und China – auf dem Mond landen. Die Mission der privat finanzierten Sonde ist allerdings am 11. April 2019 gescheitert, als Bereschit auf der Mondoberfläche in Einzelteile zersplitterte.

Der Name der Sonde geht zurück auf den Anfang der Bibel, das erste Buch Mose. Auf Hebräisch wird das "Bereschit" genannt. Inzwischen hat sich die internationale Schreibweise "Beresheet" etabliert. Die Sonde hatte eine Zeitkapsel mit einem Datenträger an Board, auf dem unter anderem eine Bibel gespeichert war.

Triebwerksprobleme waren am Ende wohl schuld daran, dass die Sonde nicht wie gewünscht sanft auf die Mondoberfläche geschwebt ist. Stattdessen mussten die Mitarbeitenden im Kontrollzentrum bei Tel Aviv ansehen, wie die 100 Millionen Dollar-Mission nach rund sieben Wochen Reise ohne Happy End zu Ende gegangen ist.

Der Milliardär Morris Kahn, Hauptsponsor der Mission, äußerte sich trotzdem stolz: "Wir haben es nicht geschafft, aber wir haben es auf jeden Fall versucht. Ich denke, wir können stolz sein." Man wolle es nochmal versuchen, ergänzte Israels Premierminister Benjamin Netanjahu.

Die Mission verfolgte vor allem PR-Zwecke, sollte eine Flagge des Landes in die Mond-Oberfläche stecken. Zudem sollte die Bereschit das Magnetfeld des Mondes vermessen. Nach rund zwei Tagen wäre die Mission zu Ende gewesen, dann wäre der Sonde die Energie ausgegangen.

Vorgeschichte der privat finanzierten Mondfahrt

30 Millionen Dollar! Diese Summe hatte Google für den sogenannten Lunar X Prize ausgelobt: Wer es schafft, binnen zehn Jahren eine privat finanzierte Sonde zum Mond zu schicken – der hätte das Geld bekommen. Hätte – denn 2018 hat Google die Ausschreibung zu den Akten gelegt. Keiner der internationalen Teilnehmer war dem Ziel näher gekommen.

Doch kaum war der Wettbewerb offiziell beendet, ging das erste Team an den Start. Gäbe es den Lunar X Prize noch, dann wäre es wohl diese Mannschaft, die den Wettlauf gewinnen würde.

Israel will nach den USA, der Sowjetunion und China die vierte Nation sein, die eine eigene Sonde auf den Mond schickt

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Israel wird Raumfahrtnation

Schon Ende 2017 machte sich Israel als Raumfahrtnation bemerkbar. Eine Rakete schoss SpacePharma in den Weltraum – ein autonomes Versuchslabor voller medizinischer Experimente aus Israel, das im All an die Internationale Raumstation dockte.

Für militärische Missionen verfügt das Land sogar über einen eigenen Raketenbahnhof, die Palmachim Air Force Base an der Mittelmeerküste. Und nun der nächste Schritt: Israel will zum Mond.

SpaceIL: Ein Sofatisch auf dem Mond

Yonatan Weintraub ist Mitgründer des Unternehmens SpaceIL. Vor neun Jahren entstand diese Idee:

Dies ist die kleinste Sonde, die jemals für eine Mondlandung entwickelt wurde. Sie ist ungefähr so groß wie ein Sofatisch. Israel ist ein kleines Land - und dies ist ein kleines Raumschiff.

Es ist also keine staatliche israelische Raumsonde, die sich aufmachen soll, den Mond zu erobern – es ist ein kleiner Lander, der mit privaten Mitteln und Spenden finanziert wurde. Sein Name: Bereschit - "Am Anfang". Das ist das erste Wort der Bibel - und zugleich die hebräische Entsprechung für "Genesis" – das erste Buch Mose im Alten Testament.

Israel will erstmals Raumsonde auf den Mond schicken

Israel will erstmals eine Raumsonde auf den Mond schicken: Ein Modell des israelischen Raumfahrzeugs Bereshit auf einer Pressekonferenz der israelischen Organisation SpaceIL in Ramat Gan.

Per Anhalter ins All

Um Kosten zu sparen, hat SpaceIL eine Mitfluggelegenheit bei einem Raketenstart von SpaceX gebucht, dem privaten US-amerikanischen Raumfahrtunternehmen aus Kalifornien, das gegen Bezahlung Nutzlasten in den Weltraum schießt. Alle Firmen, deren Fracht auf diesem Flug ins All fliegt, teilen sich die Kosten des Starts.

Der Plan

Wir werden zunächst in eine Umlaufbahn um den Mond eintreten, sagt Yonatan Weintraub. Dort warten wir solange, bis über dem vorgesehenen Landegebiet die Sonne scheint. Unsere Sonde verfügt über Solarsegel, die das Sonnenlicht in Strom umwandeln. Im Dunkeln würde sie nicht mit Elektrizität versorgt und könnte nicht landen.

Eine Falcon-9-Rakete des Raumfahrtunternehmens SpaceX soll die israelische Sonde zu ihrem Ziel auf dem Mond befördern.

Eine Falcon-9-Rakete des Raumfahrtunternehmens SpaceX soll die israelische Sonde zu ihrem Ziel auf dem Mond befördern.

Schwieriges Landemanöver auf dem Mond

Der Mond hat keine Atmosphäre. Fallschirme kommen daher nicht in Frage, um die Sonde vor der Landung abzubremsen.

Das Raumschiff fliegt wahnsinnig schnell, fünf- oder sechsmal schneller als eine Gewehrkugel. Dieses Tempo könnten auch Airbags bei der Landung nicht abbremsen. Die einzige Möglichkeit ist, die Triebwerke der Sonde als Bremstriebwerke einzusetzen. Sie werden einen Gegenschub nach unten, Richtung Mondoberfläche, liefern, und so die enorme Geschwindigkeit der Anreise auf null reduzieren.

All dies muss automatisch ablaufen. Während die "Bereschit"-Sonde nach unten abbremst, sind ihre Sensoren ebenfalls nach unten gerichtet, auf die Oberfläche. Es gilt, den perfekten Landeort zu finden.

4:31 min | Mo, 18.2.2019 | 16:05 Uhr | SWR2 Impuls | SWR2

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Israel will eine Sonde zum Mond schicken

Audio von Guido Meyer

Die Sonde "Bereshit" soll auf dem Mond landen. Eine Landung haben erst drei Nationen geschafft, Israel wäre die vierte. Der Start der privat finanzierten Mission ist für Freitag geplant.

Landung war im "Meer der Heiterkeit" vorgesehen

Der Mond ist ziemlich weit weg. Funksignale zum Mond und zurück sind ca zwei Sekunden unterwegs. Wenn wir feststellen, dass die Sonde in Schwierigkeiten steckt, können wir keinen Joystick bedienen, um sie nach links oder rechts zu steuern. Dazu ist es dann schon zu spät.

Autonom und selbständig aufsetzen soll der Lander dann im Mare Serenitatis, dem "Meer der Heiterkeit". Da es für die Israelis der erste Versuch einer Landung auf dem Mond ist, haben sich die Forscher eine einfache Landestelle ausgesucht, die flach ist, wo nur wenige Steine liegen und wo es keine felsigen Abhänge gibt.

Totale Mondfinsternis - blutmond

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Sonde sollte Magnetfeld des Mondes messen

Zwei Tage hätte Bereschit Zeit gehabt, Messungen durchzuführen. Dann wäre ihr die Energie ausgegangen. Israels erste Landung auf dem Mond sei nicht nur ein Prestigeprojekt, so Yonatan Weintraub von SpaceIL.

Wir wollten der Landung auch eine wissenschaftliche Bedeutung geben. Dazu arbeiten wir mit dem Weizmann-Institut in Rehovot zusammen. Es hat ein magnetisches Messinstrument zur Mission beigesteuert. Damit wollen wir das Magnetfeld auf der Mondoberfläche messen. Solche Messungen lassen sich aus der Umlaufbahn nicht anstellen. Dazu müssen wir runter auf den Boden.