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Prototyp des smarten Fahrradpedals, das Studierende der Universität Freiburg entwicklet haben

Notruffunktion und Diebstahlschutz Smarte Pedale für das Fahrrad

SWR2 Impuls. Von Julia Nestlen

Autonomes Fahren, Kaffee kochen per App oder Smart-TV: Mit dem sogenannten Internet der Dinge nutzen wir immer mehr intelligente Geräte in unserem Alltag. Möglichkeiten für smarte Geräte gibt es fast unendlich viele. An der Uni Freiburg haben Studierende nun ein intelligentes Fahrradpedal entwickelt. Bei Stürzen sendet es ein Notsignal oder informiert den Besitzer, wenn das Fahrrad geklaut wurde.

Smartes Pedal soll zusätzliche Geräte ersetzen

Mit dem Mountainbike durch die Wälder fahren und sich danach per GPS anschauen, welche Strecke man gefahren ist, ist derzeit GPS-Geräten oder GPS-Uhren möglich. Studierende der Universität Freiburg haben ein Fahrradpedal entwickelt, das die Nutzung eines zusätzlichen Geräts überflüssig machen soll. Das Pedal kann alles, was am Fahrrad angebrachte Systeme auch können: Geschwindigkeit und Trittfrequenz erfassen oder die Leistung des Fahrers messen.

Entwurf der App, mit der die Daten aus dem Pedal ausgelesen werden können.

Die über das Pedal gewonnenen Daten können bequem per Smartphone abgerufen werden.

Pedal ist dauerhaft mit dem Internet verbunden

Das smarte Pedal verfügt über eine Bluetoothverbindung. Dabei ist das Pedal direkt mit dem Internet verbunden und der Fahrradfahrer muss sein Handy gar nicht mitnehmen. Er kann sich die Strecke nach seiner Tour gemütlich daheim anschauen.

Mit ihrer Erfindung wollen die Studierenden zum einen viele Einzelgeräte ersetzen, zum anderen stecken weitere raffinierte Funktionen im Pedal: Es kann bei einem Sturz ein Notsignal aussenden oder es benachrichtigt den Besitzer über einen Diebstahl.

Ein Student arbeitet an einem geöffneten Pedal mit einem Lötkolben

Die Pedale sind durch einen Dynamo im Inneren energieautark.

Notruffunktion auch im Funkloch

Bei einem Unfall auf entlegenen Strecken oder tief im Wald ist häufig das Handy nutzlos. Das smarte Pedal kann aber auch im Funkloch einen Notruf absetzen. Dafür nutzen die Erfinder eine Alternative zum Mobilfunknetz. Solch ein „Long Range Wide Area Network“ wird beispielsweise bereits in der Schweiz genutzt, um Kühe ohne Glocke auf Bergweiden ausfindig zu machen. Die Telekom ist nun dabei, einen ähnlichen Funkstandard, nach Schweizer Vorbild, in Deutschland auszubauen. Bereits im Jahr 2018 soll dieser, nach Angaben der Telekom, fertiggestellt sein.

Keine Batterien und kein Aufladen nötig

Es verfügt noch über einen weiteren Vorteil: Das Pedal ist energieautark, das System versorgt sich also selbst mit Energie – es braucht weder Batterien noch muss es geladen werden. Das Ganze funktioniert nach dem Dynamo-Prinzip, mit dem Fahrräder bereits Licht produzieren. Die Studierenden haben einen kleinen Dynamo im Pedal eingebaut. Durch die Bewegungsenergie wird die gesamte Elektronik gespeist. Ein zusätzlicher Akku sorgt dafür, dass das Pedal über zwei Wochen stehen und immer noch eine Diebstahl-Alarmierung sichergestellt werden kann.

Das komplette Team der Fahrrad-Pedal Entwickler smartfaraday

Ann-Kathrin Leiting, David Stork, Konstantin Hoffmann und Dominik Leclerc sind das Team von Smartfaraday.

Prototyp wird 2018 getestet

Der Prototyp des smarten Pedals aus Freiburg soll Anfang 2018 in die Testphase gehen. Davor müssen noch einige Einzelheiten ausgearbeitet werden. Durch Temperaturunterschiede und die Vibration am Fahrrad leidet die Elektronik. Zuverlässigkeit und Stabilität müssen also noch optimiert werden.

Beim Studierendenwettbewerb COSIMA für innovative mikrosystemtechnische Konzepte konnten die Freiburger bereits mit ihrem smarten Pedal überzeugen und belegten den ersten Platz. Wenn in der Testphase bei Wind und Wetter und auf wackeligen Schotterpisten alles gut geht, rechnen die Studierenden mit einem Produktionsbeginn ebenfalls im Jahr 2018.