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Spurensuche in der Erdgeschichte Gab es Zivilisationen vor der Menschheit?

Von Gábor Paál

Esoterische Spekulationen über Außerirdische, die früher schon mal die Erde besiedelten, gibt es reichlich. Doch jetzt fragen zwei US-Forscher ganz ernsthaft: Könnte es vor der Entstehung der Menschen schon einmal eine Zivilisation auf unserem Planeten gegeben haben?

Es geht nicht um Außerirdische oder andere Fantasiewesen, sondern es ist ein Gedankenspiel: Angenommen, auf der Erde haben sich schon mal vor Urzeiten intelligente Wesen entwickelt, die eine Zivilisation aufgebaut haben, könnten wir das heute überhaupt noch nachweisen? Für Adam Frank und Gavin Schmidt ist die Frage gar nicht so abwegig, wie sie vielleicht klingt. Sie sind Astrobiologen, der eine an der University of Rochester, der andere am  NASA Goddard Institute for Space Studies.

Spuren der Zivilisation

Die beiden sind eigentlich Experten dafür, wie man Hinweise auf Leben im Weltall bekommen kann. Aber sie haben ihr Wissen jetzt angewandt, um auf unseren eigenen Planeten zu gucken. Ihre Überlegung geht etwa so: Angenommen, uns fällt morgen ein Meteorit auf den Kopf - was würde von unserer Zivilisation in ein paar Millionen Jahren noch nachweisbar sein? Da ist schon einiges: Plastik in den Sedimenten, ungewöhnlich viel Stickstoff in den Böden, Aluminium und Stahl, vielleicht hinterlassen auch die Trümmer all unserer Wolkenkratzer auffällige Strukturen im Gestein. Vor diesem Hintergrund plädieren ja manche Geologen auch für die Einführung eines neuen Erdzeitalters - des Anthropozän: Sie verstehen darunter das Erdzeitalter, in dem der Mensch zu einer prägenden geologischen Kraft wurde.

New York bei Nacht

Werden in Millionen von Jahren die Trümmer von Wolkenkratzern ihre Spuren im Stein hinterlassen?

Ein Wimpernschlag der Geschichte

Das ist allerdings ein sehr heutiges Bild von Zivilisation. Betrachten wir die Menschheit vor hundertfünfzig Jahren. Damals gab es weder Plastik noch Wolkenkratzer.Von dieser Zivilisation wäre in 50 Millionen Jahren schon viel weniger übrig. Und: Die Erde wandelt sich. Kontinente kollidieren, Sedimente versinken im Inneren der Erde, vieles, was sich heute an der Erdoberfläche befindet, wird in 50 Millionen Jahren längst von kilometermächtigen Ablagerungen überdeckt sein. Nicht alles freilich, trotzdem: Die menschliche Zivilisation existiert, großzügig bemessen, seit 10.000 Jahren, das ist ein Wimpernschlag der Erdgeschichte.

In Stein gepresste Geschichte

Wenn man Gesteine aus der Zeit der Dinosaurier untersucht, dann ist dort die Geschichte von 10.000 Jahren auf nur wenige Millimeter bis Zentimeter zusammengepresst. Stellen wir uns also vor, so das Gedankenspiel der Forscher, die Evolution hätte vor 60 Millionen Jahren mit Dinosauriern oder Echsen das gemacht, was sie viel später mit Affen gemacht hat. Sie hätte einige von ihnen in relativ kurzer Zeit mit so viel Intelligenz ausgestattet

Argentinosaurus Dinosaurier

Nur ein Gedankenspiel: Gab es vor Millionen von Jahren intelligente Dinosaurier?

, dass diese in der Lage waren, Werkzeuge, Sprache und größere Gemeinschaften zu entwickeln – alles Dinge, die man in Ansätzen ja auch bei Tieren findet.

Die Silurianer-Hypothese: Gab es intelligente Reptilien?

Die Forscher sprechen von der Silurianer-Hypothese. Die Silurianer sind fiktive reptilienartige aber gleichzeitig humanoiden Wesen aus der berühmten Fernsehserie Dr. Who. Also: angenommen, eine solche Reptilien-Zivilisation hätte vielleicht auch nur ein paar Jahrtausende Bestand gehabt, weil sie sich vielleicht selbst zerstört hat oder eben ein Asteroid einschlug. Was wäre davon heute nachweisbar? Die Antwort der Forscher: Die besten Hinweise würde die Atmosphäre liefern. Wie die Atmosphäre vor vielen Jahrmillionen aussah, lässt sich heute aus der chemischen Zusammensetzung von Gesteinen und Fossilien rekonstruieren.

Die These der Forscher: Jede größere Zivilisation wird ab einer bestimmten Schwelle auch das Klima auf ihrem Planeten verändern. Dafür ist die Menschheit das beste Beispiel: Etwa Kohlendioxid - CO2. In der Erdgeschichte schwankte der CO2-Gehalt in der Atmosphäre immer wieder, aber nach heutigem Wissensstand kam es bisher noch nie vor, dass in so kurzer Zeit so viel fossiler Kohlenstoff verbrannt und in die Atmosphäre entlassen wurde. Dieser zusätzliche Kohlenstoff hat auch einen anderen chemischen Fingerabdruck* als der, der sonst in der Luft ist. (*konkret geht es hier um das Verhältnis der Kohlenstoffisotope C-12 und C-13) C

Ein Strand mit angeschwemmten Müll.

Nicht unbedingt ein Hinweis auf intelligentes Leben: Unser Zivilsationsmüll.


Rätsel um ungewöhnliche Kohlenstoffspur

Es gab allerdings durchaus schon Phasen, in denen etwas Ähnliches passiert ist, wenn auch scheinbar nicht ganz so extrem. Vor 55 Millionen Jahren – 10 Millionen nach dem Ende der Dinosaurier – erwärmte sich das Klima innerhalb relativ kurzer Zeit auf ein Niveau, 15 Grad über dem heutigen. Die Pole waren geschmolzen, und gleichzeitig findet sich auch damals dieser besondere chemische Fingerabdruck beim Kohlenstoff in der Luft, der darauf hindeutet, dass in kurzer Zeit viel organisches Material verbrannt ist. Vieles deutet darauf hin, dass neben heftigen Vulkanausbrüchen damals viel Methan aus den Meeren aufstieg. Es kam auch zu einem kleinen Massenaussterben – auch das kann die ungewöhnliche Kohlenstoffspur erklären. Es gibt es also "natürliche" Erklärungen - auch wenn das Rätsel bis heute nicht ganz gelöst ist.

Vulkanausbruch - riesige Aschemengen werden in die Luft geschleudert

Vulkanausbrüche haben möglicherweise vor vielen Millionen Jahren ganze Zivilisationen ausgelöscht.

Suche nach Zivilisationen auf der Erde und im All

Die Astrobiologen Gavin Schmidt und Adam Frank sagen selbst, sie glauben letztlich nicht, dass es vor 50 Millionen Jahren eine frühe Zivilisation gab. Sie stellen nur fest: Falls doch, wäre das unter Umständen gar nicht so leicht nachzuweisen. Für sie ist das aber, wie gesagt, nur ein Gedankenspiel, das ihnen hilft zu verstehen, wonach sie genau suchen müssten, wenn sie nach fernen Zivilisationen im Weltall fahnden.

Nämlich zum Beispiel nach Hinweisen auf zivilisationsgemachte Klimaveränderungen. Vor allem Zivilisationen, die sich über ihren Planeten ausbreiten, werden oft früher oder später an den Punkt kommen, an dem sich ihr Energiehunger irgendwie auf die planetare Umwelt auswirkt. Im Umkehrschluss bedeutet das für die Menschheit: Je nachhaltiger wir unsere Energieversorgung organisieren, desto weniger Spuren werden wir der Nachwelt hinterlassen.

Zwei "Außerirdische" vor einem violetten Himmel

Die Suche nach Außerirdischen im All inspiriert die Suche nach früheren Zivilisationen auf der Erde.