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Korallenriff

„Todeszonen“ in Ozeanen vervierfacht Immer weniger Sauerstoff im Meer

Die Ozeane enthalten immer weniger Sauerstoff. Hauptursache ist der Klimawandel. Eine neue Übersichtsstudie zeigt das ganze Ausmaß.

Die Weltmeere enthalten heute zwei Prozent weniger Sauerstoff im Vergleich zu 1960 – zu diesem Ergebnis kamen die Meeresforscher vom Geomar in Kiel schon im vergangenen Jahr. Sie hatten dazu Mess-Daten aus den letzten fünf Jahrzehnten ausgewertet.

Die Sauerstoffverarmung vollzieht sich aber nicht überall gleichmäßig. Vielmehr gibt es zunehmend Gebiete im Meer, in denen das Wasser praktisch gar keinen Sauerstoff mehr enthält. Die sogenannten Todes-Zonen. Sie finden sich vor allem in den Tropen, westlich von Afrika und Südamerika, aber auch im Golf von Mexiko. Diese Gebiete haben sich die Wissenschaftler in einer neuen Übersichtsstudie
genauer angeschaut, und da ist die Lage weitaus dramatischer.

Sauerstoff-Verteilung in den Ozeanen

Sauerstoff-Verteilung in den Ozeanen. Die Zahl der "Todes-Zonen" hat sich in den letzten Jahrzehnten vervielfacht.

Weniger Sauerstoff im Meer durch Klimawandel

Demnach hat sich die Menge des Wassers im Meer, das gar keinen Sauerstoff mehr enthält – rein volumenmäßig – in den letzten 50 Jahren mehr als vervierfacht. Und in Küstengewässern – also dort, wo es Menschen am meisten betrifft – haben sich Standorte mit niedrigem Sauerstoffgehalt seit 1950 sogar mehr als verzehnfacht. Als Hauptursache gilt die globale Erwärmung.

Toter Fisch am Strand, Todes-Zonen im Meer

In den Ozeanen gibt es immer mehr sogenannte "Todes-Zonen"

Schlechtere Durchmischung des Wassers

Mehrere Effekte spielen dabei eine Rolle:

  • Wärmeres Wasser kann schon rein physikalisch weniger Sauerstoff aufnehmen als kaltes. Das gilt als der wichtigste Effekt, zumindest was die Sauerstoffabnahme an der Oberfläche betrifft.
  • Aber: warmes Wasser ist auch leichter. Je wärmer die Meeresoberfläche durch den Klimawandel wird im Vergleich zur kühleren Tiefsee, desto stabiler ist das Wasser geschichtet, und desto schlechter kann sich das Meer durchmischen. Auch das führt dazu, dass weniger Sauerstoff nach unten gelangt.

Schlechte Lebensbedingungen für Fische und Meerestiere

In Küstennähe spielt neben dem Klimawandel aber noch ein anderer Effekt eine Rolle: Hier trägt auch die Einleitung von Abwässern zur Sauerstoffarmut bei. Abwässer enthalten Nährstoffe, sie düngen das Meer, dadurch kommt es zu Algenblüten – und die zehren auch ziemlich viel Sauerstoff.

Weniger Sauerstoff in den Meeren – das bedeutet auch schlechtere Lebensbedingungen für Fische und Meerestiere. Im offenen Meer ebenso wie in Aquakulturen. Das bedroht wiederum die Lebensgrundlage vieler Fischereien, gerade in Entwicklungsländern. Auch Korallenriffe leiden unter der wachsenden Sauerstoffknappheit – zusätzlich zu allen anderen Faktoren, die sie bedrohen.

Gebleichte Geweihkoralle

Gebleichte Geweihkoralle - immer mehr Korallenriffe sind gefährdet. Ein wichtiger Faktor ist der Klimawandel.

Schutzmaßnahmen zur Rettung der Meere

In ihrer Studie beleuchten die Wissenschaftler auch mögliche Gegenmaßnahmen. Klar, den Klimawandel bekämpfen – das ist aber bekanntlich ein zähes und langwieriges Unterfangen. Eine verbesserte Abwasserklärung würde auch schon helfen – gerade in tropischen Ländern.

Die Wissenschaftler empfehlen außerdem die Einrichtung von Schutzzonen im Meer am Rande solcher Sauerstoff-Minimumzonen. Dort sollte nicht gefischt werden. Diese Schutzzonen könnten als Rückzugsgebiet für Fische aus sauerstoffverarmten Gebieten dienen.

Die Studie ist das Ergebnis einer internationalen Arbeitsgruppe, die 2016 von der Ozean-Kommission der Vereinten Nationen (IOC) ins Leben gerufen wurde.

Abwasserrohr an der Küste von Georgetown

Abwässer, die oft ungeklärt ins Meer geleitet werden, tragen auch zur Sauerstoffarmut und zum Fisch- und Korallensterben bei.