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Neue Art eingeschleppt Wie gefährlich ist die Hyalomma-Zecke?

Eine eigentlich fremde Zecken-Art breitet sich in Deutschland aus. Dieses Jahr hat sie hier vermutlich zum ersten Mal überwintert. Sie kann Warmblütler auf bis zu zehn Meter Entfernung wittern und Hunderte Meter weit verfolgen. Dabei ist sie deutlich größer als die heimischen Zecken.

Was können Sie über diese Zeckenart bereits sagen?

Ute Mackenstedt, Universität Hohenheim: "Es ist eine Art, die normalerweise oder bisher hier nicht vorgekommen ist, eine sogenannte Jagdzecke. Das heißt, sie läuft hinter uns her, beziehungsweise auf uns zu. Sie sitzt also nicht wie der Holzbock bequem auf einem Grashalm, sondern sie nimmt uns visuell mit ihren Augen wahr. Die bevorzugten Wirte dieser Hyalomma-Zecken sind Pferde, Rinder und große Tiere. Und auch wir gehören leider dazu."

Ist sie gefährlicher als die heimische Zecke?

Mackenstedt: "Die Hyalomma-Zecke ist sehr viel lebhafter, auch laut der Informationen, die wir von den Personen bekommen haben, die uns die Zecken im Jahr 2018 eingeschickt haben. Sie haben sie zunächst mit Spinnen verglichen, weil sie sich sehr lebhaft bewegen und auffällig sind, weil sie gemusterte Beine haben."

Zecken können verschiedene Krankheiten übertragen

Zecken können verschiedene Krankheiten übertragen. Anders als z.B. der gemeine Holzbock geht die Hyalomma-Zecke aktiv auf die Jagd nach Warmblütern.

Wie kann man sie genau erkennen und unterscheiden?

Mackenstedt: "Sie ist deutlich größer als der Holzbock, etwa ein bis zwei Zentimeter groß und hat sehr auffällig gemusterte Beine, sie sind orange gelb gestreift. Und sie bewegt sich sehr aktiv und sehr agil."

Woher kommt denn diese Zeckenart überhaupt?

Mackenstedt: "Sie kommt aus Afrika oder aus dem Balkan. Sie wird vermutlich mit Zugvögeln hier nach Mitteleuropa und nach Deutschland eingetragen. Das ist sicherlich auch in den Jahren vor 2018 bereits passiert, doch wir hatten im Jahr 2018 besondere Wetterbedingungen. Es gab eine sehr lange Hitzeperiode mit hohen Temperaturen über Wochen und das kommt diesen Zecken natürlich entgegen. Wir gehen im Moment davon aus, dass die Wetterbedingungen dazu geführt haben, dass die Zecken sich unter diesen besonderen Bedingungen weiterentwickeln konnten."

Hyalomma-Zecken sind eigentlich in Südeuropa, Asien und Afrika verbreitet

Hyalomma-Zecken sind eigentlich in Südeuropa, Asien und Afrika verbreitet. Jetzt breiten sie sich dank des für sie günstigen Klimas auch zunehmend in Deutschland aus.

Gibt es schon erste Erkenntnisse, welche Krankheiten durch diese Zecken übertragen werden können?

Mackenstedt: "Wir wissen aus den ursprünglichen Herkunftsländern, dass die Hyalomma-Zecken zum Beispiel Viren übertragen können, die das Krim-Kongo-Fieber hervorrufen. In den in Deutschland gefundenen Hyalomma-Zecken ist dieses Virus noch nicht aufgetreten. Doch wir haben in der Hälfte der eingeschickten Zecken ein Bakterium gefunden, welches einer der Erreger des tropischen Fleckfiebers ist. Inwieweit diese Zecken das dann auch tatsächlich hier in Deutschland übertragen, wissen wir nicht."

Rickettsia Bakterien

Hyalomma-Zecken sind oft Träger von Rickettsia-Bakterien, die das sogenannte Fleckfieber auslösen können.

Wie kann man sich vor diesen Zecken schützen?

Mackenstedt: "Man sollte sich grundlegend vor dem Holzbock schützen, der 95 Prozent der Zecken in Deutschland ausmacht. Und zwar mit heller Kleidung, Socken über den Hosenbeinen, und dass man gleich nachschaut, wenn man von draußen zurückkommt. Wenn man eine der Hyalomma-Zecken findet, sollte man keine Panik bekommen, sondern genau hinschauen und diese Zecke konservieren und sie uns schicken."