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Fleckfieber nach Zeckenstich Hyalomma-Zecke als möglicher Überträger

Anfang August ist hierzulande vermutlich erstmals ein Mann nach einem Stich der Hyalomma-Zecke an Fleckfieber erkrankt.

Experten der Universität Hohenheim in Stuttgart und des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr in München konnten in der betreffenden Zecke den Erreger Rickettsia aeschlimannii nachweisen, der die typischen Symptome einer sogenannten Rickettsiose auslöst:

  • Fieberhafter Infekt mit Kopf- und Muskelschmerzen
  • extreme Gelenkschmerzen
  • Gefühl, als würde man verbrennen.
  • Typisch für die Erkrankung ist jedoch der Hautausschlag, der dem Fleckfieber den Namen gab: Vor allem an den Extremitäten zeigt sich dieses klassische Zeichen. Die Inkubationszeit beträgt etwa eine Woche.

Forscher weisen Fleckfieber-Krankheitserreger in Hyalomma-Zecke nach

Der Fall: Ende Juli wurde ein Pferdebesitzer aus der Nähe von Siegen von einer Hyalomma-Zecke gestochen. Er schickte die Übeltäterin an die Zeckenforscher der Uni Hohenheim. Mit schweren Krankheitssymptomen kam er wenige Tage später ins Krankenhaus. Der Verdacht: Zecken-Fleckfieber, verursacht vom Bakterium Rickettsia aeschlimannii. Am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr (IMB) konnte der Fleckfieber-Erreger in der Zecke letztlich nachgewiesen werden. Darauf wurde der Patient gezielt mit Antibiotika behandelt, und die Symptome bildeten sich rasch zurück.

Prof. Dr. Ute Mackenstedt, Parasitologin an der Universität Hohenheim, meint dazu: Damit wissen wir jetzt nicht nur sicher, dass die Hyalomma-Zecke auch an Menschen geht, sondern es besteht leider auch der dringende Verdacht, dass hier in Deutschland eine Übertragung des Zeckenfleckfiebers durch die Tiere tatsächlich möglich ist.

Rickettsia Bakterien

Hyalomma-Zecken sind oft Träger von Rickettsia-Bakterien, die das sogenannte Fleckfieber auslösen können.

Nur ein Verdachtsfall

PD Dr. Gerhard Dobler, Mediziner am IMB, schränkt jedoch ein: Dass wir von einem Verdachtsfall sprechen, liegt daran, dass ein Direktnachweis des Erregers am Patienten nicht möglich war. Er erläutert: Die Behandlung des Patienten stand einfach an erster Stelle. Doch der unmittelbar vorausgegangene Zeckenstich, die typischen Symptome und vor allem der Nachweis des Erregers in der Zecke legen den Schluss nahe, dass es sich bei dem Fall um Zecken-Fleckfieber handelte. Auch die Tatsache, dass die Antibiotikatherapie sofort anschlug, unterstreiche dies.

Was ist das Besondere an der Hyalomma-Zecke?

Die Hyalomma-Zecke kann Warmblüter auf bis zu zehn Meter Entfernung wittern und Hunderte Meter weit verfolgen. Dabei ist sie deutlich größer als die heimischen Zecken. Dazu Ute Mackenstedt Parasitologin an der Universität Hohenheim: Es ist eine Art, die normalerweise oder bisher hier nicht vorgekommen ist, eine sogenannte Jagdzecke. Das heißt, sie läuft hinter uns her, beziehungsweise auf uns zu. Sie sitzt also nicht wie der Holzbock bequem auf einem Grashalm, sondern sie nimmt uns visuell mit ihren Augen wahr. Die bevorzugten Wirte dieser Hyalomma-Zecken sind Pferde, Rinder und große Tiere. Und auch wir gehören leider dazu.

Gegenüber dem Vorjahr ist die Zahl der Hyalomma-Zecken 2019 in Deutschland deutlich gestiegen. Und bei fast der Hälfte der untersuchten tropischen Zecken konnten die Fleckfieber-Erreger (Rickettsien) nachgewiesen werden. Daher bitten die Zeckenforscher die Bevölkerung weiterhin um Zusendung auffälliger Zeckenfunde.

Ist sie gefährlicher als die heimische Zecke?

Die Hyalomma-Zecke ist sehr viel lebhafter als die heimischen Zecken. Viele vergleichen sie eher mit Spinnen, weil sie sich sehr lebhaft bewegen und auffällig sind, weil sie gemusterte Beine haben. Sie ist deutlich größer als der Holzbock, etwa ein bis zwei Zentimeter groß und hat sehr auffällig gemusterte Beine, sie sind orange gelb gestreift. Und sie bewegt sich sehr aktiv und sehr agil.

Zecken können verschiedene Krankheiten übertragen

Zecken können verschiedene Krankheiten übertragen. Anders als z.B. der gemeine Holzbock geht die Hyalomma-Zecke aktiv auf die Jagd nach Warmblütern.

Woher kommt denn diese Zeckenart überhaupt?

Die Hyalomma-Zecke kommt ursprünglich aus Afrika oder aus dem Balkan. Sie wird vermutlich mit Zugvögeln hier nach Mitteleuropa und nach Deutschland eingetragen. Lange Hitzeperioden mit hohen Temperaturen über Wochen und kommen diesen Zecken natürlich entgegen. Experten gehen im Moment davon aus, dass die Wetterbedingungen dazu geführt haben, dass die Zecken sich unter diesen besonderen Bedingungen weiterentwickeln konnten."

Hyalomma-Zecken sind eigentlich in Südeuropa, Asien und Afrika verbreitet

Hyalomma-Zecken sind eigentlich in Südeuropa, Asien und Afrika verbreitet. Jetzt breiten sie sich dank des für sie günstigen Klimas auch zunehmend in Deutschland aus.

Welche Krankheiten können durch diese Zecken übertragen werden ?
Bisher sind Rickettsien die einzigen Erreger, die nachgewiesen werden konnten, beruhigt PD Dr. Dobler. Das Virus, das das gefährliche Krim-Kongo-Hämorrhagische-Fieber verursacht, oder die Krankheitserreger Theileria equi und Babesia caballi, die beide von Zecken auf Pferde übertragen werden können, konnten bisher nicht gefunden werden.

Wie kann man sich vor diesen Zecken schützen?

Die Parasitologin Ute Mackenstedt empfiehlt: "Man sollte sich grundlegend vor dem Holzbock schützen, der 95 Prozent der Zecken in Deutschland ausmacht. Und zwar mit heller Kleidung, Socken über den Hosenbeinen, und dass man gleich nachschaut, wenn man von draußen zurückkommt. Wenn man eine der Hyalomma-Zecken findet, sollte man keine Panik bekommen, sondern genau hinschauen und diese Zecke konservieren und sie uns schicken."

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