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Steile These aus der Zwillingsforschung Liegt Hundeliebe in den Genen?

An vielen tausend Zwillingspaaren haben Wissenschaftler untersucht, ob die Liebe zu Hunden genetisch bedingt ist. Die Forscher sagen: Angeblich entscheiden zu einem erheblichen Teil unsere Gene darüber, ob wir uns einen Hund ins Haus holen oder nicht.

Zu mehr als fünfzig Prozent wird diese Liebe zum Hund durch unsere Erbanlagen bedingt. Das behauptet jetzt ein schwedisch-britisches Forscherteam im Fachblatt "Scientific Reports". Die Wissenschaftler haben Daten des schwedischen Zwillingsregisters mit Melderegistern für Hundehalter verglichen.

Ein Welpe sitzt auf einer Wiese.

Gibt es eine genetische Vorprägung für die Liebe zum Hund?

35.000 Zwillingspaare wurden auf ihre Hundeliebe gecheckt

Die entscheidende Idee dabei: wenn tatsächlich die Gene eine Rolle spielen bei der Hundehaltung, muss es bei eineiigen Zwillingen deutlich mehr Übereinstimmungen geben als bei zweieiigen. Und genau das ist bei der Auswertung der Daten herausgekommen. Alle Zwillingspaare waren in der Kindheit jeweils denselben Einflüssen ausgesetzt, das konnte also keine Schlüsselrolle spielen.

Nur Hunde oder auch Hang zu anderen Tieren?

Doch dem einen Gen für Hundeliebe sind die Wissenschaftler trotzdem nicht auf der Spur. Die Forscher vermuten, dass eine Vielzahl unterschiedlicher Gene bei der Entscheidung für oder gegen einen Hund mitspielen. Welche das sein könnten, müssten jetzt weitere Studien zeigen, so die Wissenschaftler. Völlig unklar ist im Moment auch noch, ob es um Anlagen für Tierliebe im allgemeinen geht – oder tatsächlich um einen besonderen Hang zu Hunden.

Bulldogge steht  auf Steinboden und schaut nach oben

Könnte die Liebe zu Hunden auch mit der Liebe zum Karnickel getauscht werden?

Haben Hundehalter möglicherweise weitere spezielle Erbanlagen?

Wenn die Ergebnisse stimmen, könnten sie andere Forschungen in ganz neuem Licht erscheinen lassen: Die robuste Gesundheit von Hundehaltern kommt vielleicht gar nicht vom Gassigehen bei Wind und Wetter, sondern von besseren Erbanlagen. Weniger Asthma, weniger Herzinfarkte, längeres Überleben – könnte das statt am Vierbeiner im Haushalt eventuell auch an genetischen Eigenschaften der Besitzer liegen?

Könnte, müsste, wäre - wenn jeder zweite Satz im Konjunktiv steht, ist Vorsicht angebracht bei vermeintlichen Sensationsmeldungen aus der Wissenschaft.

Statistische Schwäche der Studie

So spannend die schwedischen Daten auch klingen – statistisch hat die Studie eine gewaltige Schwäche: in jedem Haushalt meldet nur eine einzige Person den Familienhund an – das scheinen häufiger Frauen zu tun als Männer. Das erklärt vermutlich irritierende Geschlechterunterschiede in der Studie.

Junge Frau bürstet ihren Hund und lacht dabei

Lieben Frauen Hunde mehr als Männer? Oder melden sie sie nur häufiger bei den Behörden?

Davon abgesehen bleibt das Grundproblem der Untersuchung: die Wissenschaftler hatten nur Zugriff auf die Daten der erfassten Zwillinge und keine Informationen über deren Partner. Wahrscheinlich besitzen also einige Zwillinge, die laut Studiendaten ohne Hund leben, doch einen Vierbeiner – nur haben sie ihn nicht selbst bei den Behörden angemeldet. Komplett entkräftet sind die Daten damit nicht – aber das mathematische Fundament schwankt doch ganz erheblich.