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Großbritannien will bereits im August mit dem Impfen von Kindern beginnen. Damit könnten britische Schulkinder bereits vor Schulbeginn im Herbst geimpft sein.

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Über die Pläne der britischen Regierung berichtete die Zeitung „The Telegraph“. Grundlage für das frühe Impfen sind dem Bericht zufolge die zum Sommer erwarteten Ergebnisse einer Studie der Universität Oxford in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen AstraZeneca.

Impfstoff von AstraZeneca: Untersuchungen an Kindern laufen

Zur Zeit testet AstraZeneca mit der Universität Oxford zusammen in Southampton den Impfstoff in der gleichen Dosierung wie bei Erwachsenen an 300 Kindern im Alter von 6 bis 17 Jahren. Die Ergebnisse sollen im Juni oder Juli vorliegen. Im Moment werden noch Freiwillige rekrutiert. Das heißt, die Zahl von 300 Probanden scheint noch nicht erreicht zu sein. Aber es wird schon sehr positiv darüber in den britischen Medien berichtet – erste Ergebnisse seien vielversprechend. Daten wurden bisher aber noch keine veröffentlicht.

In Großbritannien sollen Kinder ab Sommer gegen Covid-19 geimpft werden. (Foto: Imago, imago images/Jan Huebner)
In Großbritannien sollen Kinder ab Sommer gegen Covid-19 geimpft werden. Imago imago images/Jan Huebner

Kinder impfen für maximale nationale Immunität

Die britische Regierung will so rasch wie möglich Kinder bereits ab 6 Jahren impfen mit dem Ziel eine maximale nationale Immunität gegen das Coronavirus zu erreichen, berichtete "The Telegraph". Eine Impfung von Kindern in den Sommerferien wäre theoretisch möglich unter zwei Voraussetzungen: Der Impfstoff ist bis dahin für Kinder zugelassen und – es ist genügend Impfstoff da. Ist nicht genügend Impfstoff von Astrazeneca verfügbar, dann müssten die Briten ihre Priorisierung ändern und Kinder vorziehen – da Kinder in der Regel nicht schwer erkranken, scheint das derzeit unwahrscheinlich.

Kinder haben nur selten schwere Verläufe von Covid-19. Da die Impfung von Kindern vor allem anderen nutzt, müssen die Risiken genau abgewogen werden. (Foto: Imago, imago images/UPI Photo)
Kinder haben nur selten schwere Verläufe von Covid-19. Da die Impfung von Kindern vor allem anderen nutzt, müssen die Risiken genau abgewogen werden. Imago imago images/UPI Photo

Zulassung im Sommer bei positiven Studienergebnissen möglich

Sollte die Studie tatsächlich bis Juni oder Juli belastbare Ergebnisse bringen, dass der Wirkstoff von AstraZeneca ähnlich gut wirksam ist wie bei Erwachsenen und die Nebenwirkungen bei Kindern überschaubar sind, dann kann zumindest eine Zulassung ziemlich schnell gehen.

Es braucht im Prinzip nur eine Änderungsanzeige mit der Erweiterung für Kinder, denn der Impfstoff selbst ist ja bereits grundsätzlich geprüft und durchgewunken worden. Und es wird an Kindern die gleiche Dosierung geprüft, wie bereits für Erwachsene zugelassen.

Impfstoffstudien für Kinder sind kleiner als bei Erwachsenen

Schneller gehen als bei der Zulassung für Erwachsene kann es auch, weil die Impfstoffstudien bei Kindern in der Regel in deutlich kleinerem Rahmen ablaufen als die Erwachsenenstudien.

In der Placebogruppe wird statt dem Astrazeneca Impfstoff ein Meningitis-Impfstoff gespritzt.

Und es wird nicht gewartet bis in der Placebo-Gruppe eine Covid-19 Erkrankung auftritt – denn da müsste man ja bei dem meist asymptomatischen Verlauf bei Kindern sehr lange warten- sondern das Ziel ist zu sehen, ob der Impfstoff auch bei jüngeren Probanden die Antikörperspiegel so anregt wie bei Erwachsenen. Das bedeutet, der zeitliche Rahmen ist damit viel kürzer gesteckt.

Manche Kinder leiden nach einer Corona-Infektion unter den Spätfolgen. (Foto: Imago, imago images/Hans Lucas)
Manche Kinder leiden nach einer Corona-Infektion unter den Spätfolgen. Imago imago images/Hans Lucas

Geimpft werden sollten vor allem Kinder mit Risikofaktoren

In Deutschland wird die Covid-Impfung von Kindern sehr kritisch gesehen. Viele Kinderärzte und -ärztinnen sagen, das diene nur dem Fremdnutzen – also der Herdenimmunität. Daher müsste vor einer breiten Impfung von Kindern glasklar sein, dass es keine Nebenwirkungen gebe. Sinnvoll sei die Entwicklung des Impfstoffes für Kinder aber schon – vor allem für Risikokinder mit chronischen Krankheiten und anderen Belastungen. Diese Kinder würden enorm von einem Impfstoff profitieren und sollten bei einer Zulassung tatsächlich rasch geimpft werden.

Studien für ältere Kinder laufen auch bei Bontech/Pfizer und Moderna

In Deutschland steigt bislang eher die Chance der 12- bis 16-Jährigen auf einen Impfstoff, der für sie zugelassen wird. Hier gibt es Studien von Biontech/Pfizer, Moderna und einigen anderen Herstellern, die zum Teil seit Herbst 2020 laufen – ebenfalls mit derselben Dosierung des Impfstoffes wie bei Erwachsenen.

Die Ergebnisse dazu werden auch zum Sommer erwartet. Optimistisch gesehen könnte es für die Heranwachsenden ab 12 Jahren im Herbst zugelassene Impfstoffe geben. Doch ob dann geimpft wird, hängt auch hier von der Menge an Impfstoff ab, der bis dahin zur Verfügung steht und von der Empfehlung der Ständigen Impfkommission. Denn auch bei den Heranwachsenden gilt: der Fremdnutzen durch die Impfung ist größer als der Eigennutz. Bei unter 16 Jährigen ist daher eine Impfung ebenfalls ethisch umstritten.

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