Kater-Symbolbild (Foto: Fotolia / livestockimages -)

Das hilft gegen Folgen übermäßigen Alkoholkonsums Kater-Studie aus Mainz

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Von Susan Bohn

Kopfschmerzen, Schwindelgefühle, Übelkeit, wer kennt die typischen Katersymptome nicht. Wäre es nicht fabelhaft, wenn es ein Mittel gäbe, dass die Nachwirkungen von übermäßigem Alkoholkonsum lindert? Unmöglich? Nein, ein Mainzer Startup hat ein Mittel, das gegen den Kater helfen soll, auf den Markt gebracht.

Über soziale Netzwerke und Zeitungsannoncen suchte der Student der Molekularbiologie Patrick Schmitt Teilnehmer für seine "Kater-Studie". In Windeseile meldeten sich 1000 trinkwillige Probanden, die im Dienste der Wissenschaft gerne einen über den Durst trinken wollten. Für den aufwändigen Versuchsaufbau hat er sich teils an vorangegangen Studien orientiert.

Antioxidative Stoffe

Patrick Schmitt wollte beweisen, dass die antioxidativen Stoffe der Pflanzen, die im Anti-Katermittel enthalten sind, die schädlichen freien Radikale im Körper fangen. Zu viele freie Radikale können die Reparaturfunktion einer Zelle überfordern – das führt zum sogenannten oxidativen Stress, der Katersymptome auslöst.

Den oxidativen Stress konnte Patrick Schmitt mit einem Handscanner direkt auf der Haut der Probanden messen. Das soll dabei helfen festzustellen, welche Antioxidantien gerade im Körper herumschwirren.

Ein Mann hält ein Whiskeyglas in der Hand und liegt mit dem Kopf auf der Tischplatte. Vor ihm liegt eine leere Flasche Whiskey. (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
250 Probanden nahmen an der Studie teil: Innerhalb von vier Stunden durften die soviel trinken, wie sie wollten Thinkstock -

Giftiger als Alkohol

Aber was passiert eigentlich im Körper, wenn man zu viel Alkohol trinkt und ihn dann abbaut? Schwindel, Übelkeit und schwere Zunge -- Dr. Werner Kilb, Physiologe von der Johannes -Gutenberg-Universität Mainz, erklärt die Prozesse: Alkohol muss in der Leber abgebaut werden und so entstehen zum Teil giftige Stoffe.

Diese können noch giftiger sein als der Alkohol selbst und damit wird die Leber vergiftet. Oxidativer Stress entsteht, wenn sich beim Atmen in den Zellen extrem aktive Sauerstoffradikale bilden. Sie können körpereigene Strukturen angreifen.

Video: So erholt sich der Körper, wenn man auf Alkohol verzichtet

Elektrolytmischung, Mineralien und Vitamine

250 Probanden nahmen letztendlich an der Studie teil. Innerhalb von vier Stunden durften sie soviel Bier, Radler, Wein, Weinschorle und Wasser trinken, wie sie wollten. Dabei überwachte Patrick Schmitt permanent ihren Gesundheitszustand.

Frau mit Kopfschmerzen nimmt eine Aspirin, die sich im Wasser auflöst (Foto: Colourbox, Foto: Colourbox.de -)
Ein Teil der Probanden bekam das Anti-Katermittel, der zweite Teil nur eine Elektrolytlösung, die vor Dehydratation schützt und der dritte Teil ein Placebo Foto: Colourbox.de -

Vor dem Trinken und vor dem Schlafengehen nahmen sie das Anti-Katermittel ein: es enthält Auszüge aus Kaktusfeige, Ingwer, Ginkgo und Acerola, Vitamine, Mineralstoffe und Elektrolyte. Das Pulver wird in Wasser aufgelöst und getrunken. Dabei bekam ein Teil der Probanden das Anti-Katermittel, der zweite Teil nur eine Elektrolytlösung, die vor Dehydratation schützt, und der dritte Teil bekam ein Placebo.

Größte Katerstudie bisher

Auf einer Skala von 0-10 mussten die Teilnehmer der Studie Beschwerden wie Schwindel oder Übelkeit einordnen. 30.000 Einzeldatensätze kamen so zusammen. Das sind mehr Daten als jemals zuvor in einer Katerstudie erhoben wurden.

Rollmops (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Das klassische Katerfrühstück mit Rollmöpsen strotzt ebenso vor Mineralien und Elektrolyten Thinkstock -

Zum einen will Patrick Schmitt die Wirksamkeit des Mittels, das derzeit als Nahrungsergänzungsmittel auf dem Markt ist, beweisen.

Die Grenzen kennen

Zum anderen will Patrick Schmitt auf verschiedene Fragen Antworten finden: Wie hängen bestimmte biometrische Faktoren mit der Alkoholunverträglichkeit zusammen? Zeigen bestimmte Verhaltensweisen eine erhöhte Anfälligkeit für bestimmte Katersymptome? Können die Art und Menge bestimmter Getränke bestimmte Katersymptome verstärken oder sogar ausschließen?

Vollständig ausgewertet und veröffentlicht sind die Ergebnisse der Studie bislang noch nicht. Laut Patrick Schmitt wirkt das Katermittel -- möglicherweise hilft dabei aber auch der Placeboeffekt. Wenn Studienteilnehmer überzeugt sind, dass das Mittel ihre Beschwerden eindämmt, könnten sie sich schon alleine deshalb besser fühlen.
Doch wie viel Alkohol man verträgt, weiß man selbst wohl am Besten und kennt seine Grenzen. Das beste Mittel gegen Kater ist ganz einfach: Wenn schon Alkohol, dann bitte nur in Maßen.

Ein Mann zapft ein Bier an einer Theke. (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Übermäßiger Alkoholkonsum führt zu oxidativem Stress im Körper. Mit entsprechenden Gegenmaßnahmen lässt sich das etwas abmildern. Doch am wirkungsvollster ist immer noch, die eigenen Grenzen zu kennen, und nicht über den Durst zu trinken. Thinkstock -
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