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Umweltverbände drängen weiter auf ein Glyphosatverbot

Faktencheck Wie gefährlich ist Glyphosat?

Die Zulassung für Glyphosat läuft Ende des Jahres aus. Der zuständige EU-Ausschusses hat die Entscheidung über eine weitere Verlängerung nun vertagt. Umweltschützer hatten zuvor die Öffentlichkeit mit Flugblättern und Online-Petitionen mobilisiert. Was stimmt?

Krebsgefahr durch Glyphosat - warum gibt es so widersprüchliche Aussagen?

Die Internationale Krebsforschungsagentur IARC – eine Unterbehörde der WHO – stuft Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ ein. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ebenso wie die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) kommt zum Ergebnis, dass von Glyphosat keine Krebsgefahr ausgeht.

Das ist größtenteils nur auf den ersten Blick ein Widerspruch, denn die Institutionen verfolgen unterschiedliche Ansätze und Definitionen: Die einen (IARC) fragen, ob Glyphosat grundsätzlich Zellen so schädigen kann, dass Tumoren entstehen können. Das scheint der Fall zu sein – bei extrem hohen Dosierungen, vor allem in Tierversuchen. Die anderen (BfR, EFSA) fragen: Wie groß ist das tatsächliche Risiko, dass jemand durch Glyphosat Krebs bekommt? Hier kommt es natürlich darauf an, welchen Mengen Menschen tatsächlich ausgesetzt sind – und sie sagen: Die Mengen, um die es wirklich geht, stellen keine realistische Gefahr dar.

In einem Lagerraum stehen Kanister mit dem Unkrautvernichter Glyphosat, daneben ist ein durchsichtiges Zeichen für "Umweltgefahr".

Unverzichtbar für viele Landwirte, gesundheits- und umweltgefährdend sagen hingegen viele Umweltverbände. Wer hat recht?

Ganz lassen sich die gegensätzlichen Bewertungen allerdings nicht auflösen. Denn es gibt Studien, die ergeben haben, dass Menschen, die im Alltag Glyphosat stark ausgesetzt sind, eine bestimmte Krebsart – das non-Hodgkin-Lymphom – signifikant häufiger bekommen. Das sind vor allem Landarbeiter in armen Ländern, die Glyphosat ohne Schutzkleidung ausbringen. Diese Studien erkennt auch das Bundesinstitut für Risikobewertung an, verweist aber darauf, dass andere Studien zu einem gegenteiligen Ergebnis kommen und keine derartige Krebshäufung feststellen.
2016 kam übrigens eine weiteres internationales Gremium – das JMPR, das die Gefahr durch Pestizidrückstände befasst – zum Ergebnis, es sei so wörtlich: unwahrscheinlich, dass von Glyphosat eine Gefahr für Verbraucher ausgeht.

Hat das Bundesinstitut für Risikobewertung seine Stellungnahme bei Monsanto abgeschrieben?

Das werfen Glyphosat-Gegner seit Wochen dem Bundesistitut für Risikobewertung (BfR) vor. Richtig ist: Es gibt etliche Textpassagen in der Bewertung des BfR, die deckungsgleich sind mit den Berichten von Monsanto. Das lässt sich aber zum Teil erklären. Die Situation ist ja die: Monsanto beantragt die Verlängerung der Zulassung für Glyphosat. Die Behörden fordern in einem solchen Fall vom Antragsteller, Studien zum Beispiel zur Giftigkeit des Stoffes vorzulegen oder auch zur möglichen Krebsgefahr. Das hat Monsanto getan und hat diese Studien vorgelegt. Man kann dieses Verfahren kritisieren, denn Monsanto ist ja, wenn es Studien erstellt und einen Bericht darüber schreibt, zwangsläufig nicht objektiv sondern parteiisch. Die Affäre um die Monsanto Papers hat das Misstrauen gegen die Firma zuletzt noch einmal verstärkt. Dennoch: Doch Vorgaben zur Wirkstoffgenehmigung sind in der EU nun einmal gesetzlich so festgelegt. Die Behörden sparen sich dadurch Arbeit und Geld, wenn der Antragsteller selbst die Studien vorlegen muss.

Pipette und Phiolen

Viele Studien zu Glyphosat wurden vom Hersteller Monsanto finanziert



Das BfR hat sich also diese Studien angeschaut und zu einem erheblichen Teil Passagen übernommen. Das ist erst mal legitim – und man kann fragen: Warum soll sich das BfR die Mühe machen, einen Text umzuformulieren, wenn es inhaltlich daran erst mal nichts auszusetzen hat. Transparenter wäre es allerdings sicherlich, diese übernommenen Passagen auch als solche zu kennzeichnen.
Allerdings muss man auch sagen: Im Bericht des BfR finden sich durchaus auch ergänzende Bewertungen und Hinweise auf Studien, die nicht von Monsanto stammen. Also es ist nicht so, dass die gesamte Bewertung von Monsanto übernommen wurde, aber die Studien von Monsanto sind zu einem erheblichen Teil eingeflossen – neben anderen.

Ist Glyphosat am Insektensterben schuld?

Wohl kaum. Die genauen Ursachen des Insektenschwundes sind zwar noch nicht geklärt. Die intensive Landwirtschaft dürfte dabei schon eine Rolle spielen – auch der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Zum Beispiel die inzwischen berüchtigten Neonicotinoide, die ja genau dafür eingesetzt werden, um Pflanzen vor Insekten zu schützen. Denen wird schon eine Mitschuld am Insektensterben gegeben – und was die Bienen betrifft, gibt es dafür auch sehr handfeste Belege. Glyphosat dagegen wird nicht gegen Insekten eingesetzt, sondern gegen alle möglichen Pflanzen, die Landwirte nicht auf dem Acker haben wollen und die sie deshalb als Unkraut bezeichnen. Man muss sogar sagen: Unter allen Herbiziden gilt Glyphosat als eines, das Insekten wenig schädigt.

Richtig ist: Ein Totalherbizid wie Glyphosat vernichtet auch Kräuter und Pflanzen, von denen sich Insekten ernähren könnten. Trotzdem kann man aber schlecht dem Glyphosat die Schuld daran geben, denn Landwirte würden Unkraut sonst eben auf andere Art entfernen. Entscheidend für das Insektensterben ist eher, dass Insekten insgesamt zu wenig Nahrung in unserer immer monotonen Agrarlandschaft finden – immer weniger Grün, immer weniger Ackerrandstreifen und so weiter.
Der Einsatz von Glyphosat ist somit eher symptomatisch für diese Art der Landwirtschaft, aber man kann schlecht sagen, dass speziell dieser Wirkstoff Insekten tötet.

Eine Biene sammelt Pollen und Nektar an einer Blüte

Europas Bienen sind in Gefahr. Durch ihr rätselhaftes Sterben drohen große Verluste. Ob Glyphosat dabei eine entscheidende Rolle spielt, ist umstritten.

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