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Über 80 Prozent der Corona-Kranken verlieren ihren Geruchssinn. Daher könnten Geruchstests zur Früherkennung verwendet werden.

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Ein Geruchstest könnte ein weiteres Tool zur Früherkennung von Covid-19 werden. Vorgeschlagen hat das die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek. Sie ist Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt und macht unter anderem gemeinsam mit Christian Drosten den berühmten Corona-Podcast.

Prof. Dr. Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt am Main. (Foto: Imago, imago images/Jürgen Heinrich)
Prof. Dr. Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt am Main. Imago imago images/Jürgen Heinrich

Geruchskarten zum Frei-Rubbeln

So ein Test sei eigentlich ganz einfach, sagt Sandra Ciesek, er bestehe aus einer App und einer Karte mit fünf bedruckten und nummerierten Feldern. Diese könne man dann z.B. mit einer Münze anrubbeln, wie man es beispielsweise aus einer Zeitschrift kenne.

Dann entsteht ein Duft und man kann daran jeweils in dem Feld riechen. Auf dem Handy kann man dann antippen, welchen Geruch man wahrgenommen hat. Das macht man dann fünfmal nacheinander.

Sandra Ciesek, Virologin

Auswertung durch Smartphone-App

Und vor allem: man macht es – infektionsminimierend – zuhause und muss dafür nicht in die Arztpraxis. Das Smartphone wertet dann aus, ob man richtig gerochen hat. Wenn das nicht der Fall war, könnte das ein Anzeichen für eine beginnende Covid-19-Erkrankung sein und ein Anlass für einen PCR-Test. Ob das tatsächlich zu einem Standardverfahren werden kann, ist aber noch nicht klar, sagt die Virologin Ciesek:

Das ist natürlich vor allen Dingen davon abhängig, wann das Symptom Geruchsverlust, also dass man schlechter riechen kann, auftritt innerhalb der Infektion.

Sandra Ciesek, Virologin
Forscher im Labor (Symbolfoto) (Foto: Imago,  imago images/Elnur)
Forscherinnen und Forscher gehen mittlerweile davon aus, dass bei einer Corona-Infektion häufig der Geruchs- und Geschmackssinn der Betroffenen beeinträchtigt ist. Imago imago images/Elnur

Geruchstest als Geschäftsidee

Sinnvoll wären solche Geruchstests vor allem, wenn der Geruchsverlust ein frühes Anzeichen für die Corona-Infektion wäre. Dafür gibt es bereits Hinweise, erwiesen ist es aber noch nicht. In den USA laufen dazu gerade klinische Studien, denn von dort kommt die Methode. Ein Professor der US-Universität Yale hat daraus bereits ein Geschäftsmodell gemacht. Sein Geruchstest ist bereits bei der Behörde für Lebens- und Arzneimittel FDA registriert. Er vermarktet ihn unter „u-smell-it“- Du riechst es.

Daher sind die Gerüche wohl auch recht amerikanisch:
Schokolade, Popcorn, Traube, Rose, Orange.

Klar definierte Gerüche und rein standardisiertes Verfahren. Das könnte schon was bringen, wenn man sich selbst testet – am besten täglich. Sinn hat das aber nur bei sonst gesunden Menschen, sagt Sandra Ciesek:

Wenn sie Schnupfen haben, dann kennt man das ja, dass man eh schlechter riecht. Dann würde der Test natürlich nicht funktionieren.

Sandra Ciesek, Virologin
Auch durch einen Schnupfen kann der Geruchssinn beeinträchtigt werden.  (Foto: Imago, imago images/ZUMA Wire)
Auch durch einen Schnupfen kann der Geruchssinn beeinträchtigt werden. Dann macht ein Corona-Test aber nur dann Sinn, wenn man noch andere typische Symptome, wie trockenen Husten und Fieber entwickelt hat. Imago imago images/ZUMA Wire

Geruchsverlust könnte Warnsignal sein

Ob mit oder ohne Karte - es ist sicher sinnvoll, morgens an der Kaffeedose zu schnuppern. Wenn man da nichts riecht, könnte das schließlich ein Alarmzeichen sein.

Unter www.riech-check.de kann man selbst einen kostenlosen Riechs- und Geschmackscheck machen und dabei auch noch einen Beitrag zur Forschung leisten.

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