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Schüler*innen von drei Schulen in Mannheim können sich nun mithilfe eines Geruchstests auf Corona testen lassen. Ist das die Lösung? Eine Einschätzung von Anja Braun aus der SWR Wissenschaftsredaktion.

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Seit dem 16. März bekommen Schüler*innen der Abschlussklassen drei Mannheimer Schulen die Möglichkeit, zweimal wöchentlich einen Riechtest zu machen. Das Pilotprojekt basiert dabei auf der Erkenntnis, dass der Geruchsverlust eines der ersten typischen Symptome einer Corona-Infektion ist.

Ist das die Lösung?

Das ist zumindest eine Möglichkeit, schon mal vorab grob zu checken, ob man eventuell Covid hat. Die Idee ist nicht ganz neu, sie kam schon im vergangenen Frühjahr, als klar wurde, dass die Corona-Infektion auch den Geruchssinn und Geschmackssinn einschränkt. Aber es hat dann eben wieder gedauert, bis auch die offiziellen Stellen wie das RKI das als Symptom aufgenommen haben.

In einer Küche mit Maske (Foto: Imago, IMAGO / Westend61)
Geruchs- und Geschmacksverlust sind eine der ersten typischen Symptome einer Corona-Infektion. Neueren Studien zufolge riechen und schmecken 80 Prozent der Covid-Infizierten kaum mehr etwas. Imago IMAGO / Westend61

Zunächst hieß es, 30 bis 50 Prozent der Infizierten hätten Geruchs- und Geschmacksverlust, aber neuere Studien sagen: 80 Prozent der Covid-Infizierten riechen und schmecken kaum mehr etwas. Also ist das ein starkes Indiz. Außerdem tritt der Geruchsverlust ein, bevor man ansteckend wird und auch bevor man selbst bemerkt, krank zu sein. Und er tritt auch ein, wenn man zwar angesteckt ist, aber keine Symptome hat.

Aber dieser Strang, Riechtests zu machen, der ist nie mit Nachdruck verfolgt worden. Es gab immer wieder Forscher*innen, die das Verfahren entwickelt und getestet haben, aber das ging eigentlich im Rauschen unter.

Aber wäre das nicht eine gute Möglichkeit, sich selbst schnell und günstig auf Corona zu testen? Zum Beispiel an einer Zwiebel?

Es ist zumindest eine Möglichkeit, schnell eine Art Vortest zu durchlaufen. Empfohlen wird übrigens für den Hausgebrauch zum Beispiel Kaffee, Lavendel oder Zimt. Das riecht alles recht stark. Zwiebeln sind wohl weniger geeignet, denn die zwickt ja nicht nur in die Nase, sondern brennt auch in den Augen. Es ist fraglich, ob man diese Empfindungen dann so auseinanderhalten kann.

Eine Frau richt an Kaffebohnen in einer Tasse (Foto: Imago, IMAGO / Westend61)
Für einen Riechtest eignen sich klare und starke Düfte, wie zum Beispiel Orange, Pfefferminze, Vanille, Rose, Lavendel, Schokolade, Zimt und auch Kaffee. Imago IMAGO / Westend61

Aber dass so ein Vortest auf Covid-19 Sinn ergibt, das sagen auch Virolog*innen wie zum Beispiel Sandra Ciesek von der Uni Frankfurt. Wenn man wirklich nichts riecht, muss das auf jeden Fall nochmal nachgetestet werden, mit einem Schnelltest. Denn es kann ja auch an etwas anderem liegen, dass wir gerade nichts riechen. Etwa, wenn wir allergiegeplagt sind und mit Schnupfennase rumrennen. Es gibt auch Krankheiten wie Parkinson, die zum Verlust des Riechens führen.

Und es geht auch gar nicht mit allen Gerüchen, oder?

Wenn man jetzt zu Hause so einen Riechtest machen will, dann sollte man klare und starke Düfte wählen. Die Riechtests, die in Mannheim an den Schulen eingesetzt werden, haben zum Beispiel Orange, Pfefferminze, Kaffee, Vanille, Rose, Lavendel, Schokolade und Zimt drin.

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