Der Ursprung der Geminiden wurde erst relativ spät entdeckt. (Foto: IMAGO, imago/ZUMA Press)

Leuchtende Krümel eines Asteroiden

Geminiden: Wie man die Sternschnuppen am besten beobachten kann

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Uwe Gradwohl
Uwe Gradwohl, Leiter der Redaktion SWR Wissen Aktuell. (Foto: SWR, Christian Koch)

Die Geminiden sind der stärkste Sternschnuppenstrom, der die Erde trifft - und zwar jedes Jahr im Dezember. Normalerweise sind dabei Kometen im Spiel, bei den Geminiden ist das anders.

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Die Astronomen waren verblüfft: Im Dezember des Jahres 1862 tauchten plötzlich Sternschnuppen auf, die es sonst um diese Zeit nie gegeben hatte. Von Jahr zu Jahr wurden es mehr. Die Leuchtspuren waren jedes Mal im Sternbild Zwillinge zu sehen – Gemini so der Name der Zwillinge auf Latein. So kamen die Geminiden zu ihrem Namen.

Quelle der Geminiden lange unklar

Normalerweise sind Sternschnuppen abgeplatzte kleinste Teilchen von locker aufgebauten Kometen. Nur bei den Geminiden fand man keinen krümelnden Kometen zu den Sternschnuppen. Über 100 Jahre lang suchten Astronomen vergebens nach der Quelle der Geminiden.

Erst im Jahr 1983 fiel amerikanischen Astronomen im All ein Brocken auf, der genau auf derselben Flugbahn wie die Geminiden unterwegs war: Ein Asteroid mit Namen Phaeton. Doch die Quelle der krümeligen Geminidenschnuppen konnte dieser Asteroid eigentlich nicht sein – denn Asteroide ziehen keinen Staubschweif hinter sich her, wie das Kometen tun.

Der Ursprung der Geminiden wurde erst relativ spät entdeckt: Die leuchtenden Gesteinskrümel stammen vom Asteroiden Phaeton. (Foto: IMAGO, imago images/Science Photo Library)
Der Ursprung der Geminiden wurde erst relativ spät entdeckt: Die leuchtenden Gesteinskrümel stammen vom Asteroiden Phaeton. imago images/Science Photo Library

Asteroid mit eisigem Kern zerkrümelt

Allerdings kommt der Fels im All der Sonne alle eineinhalb Jahre so nahe, dass er an der Oberfläche mehrere hundert Grad heiß wird. Unter diesem Hitzestress könnte das Gestein an seiner Oberfläche zu kleinen Körnern und Staub zerkrümeln. Davon gehen Forscher mittlerweile jedenfalls aus.

Und sie meinen, dass der Asteroid unter seiner staubigen und damit isolierenden Oberfläche noch eine uralte Eisschicht besitzt. Dieses Eis wird in Sonnennähe zu Gas, und das bricht dann schubweise durch die Staubschicht und reißt Gesteinskrümel mit sich hinaus ins All. Deshalb die Staubfahne.

Durch diese Staubfahne fliegt die Erde dann jedes Jahr ein Mal - und zwar immer Mitte Dezember. Dabei sammelt sie,ähnlich wie ein Wischmopp, die Staubteilchen ein. Die rasen mit 35 Kilometer pro Sekunde in die Erdatmosphäre und pressen die Luft vor sich so stark zusammen, dass sie hell aufleuchtet.

Meteoritenschauer über Kroatien (Foto: IMAGO, imago/Pixsell)
Voraussetzung für die Beobachtung der Geminiden ist ein möglichst wolkenfreier Himmel. Falls es in diesem Jahr nicht klappt, dann vielleicht im nächsten oder übernächsten Jahr. imago/Pixsell

Noch viel Zeit für Geminiden-Show

Höhepunkt des Sternschnuppenfalls ist im Jahr 2022, am 14. Dezember gegen 14 Uhr, also mitten am Tag. Nach Angaben der Vereinigung für Sternfreunde könnte man zu diesem Höhepunkt der Geminiden, bei gutem Wetter und wenn es dunkel wäre, bis zu 150 Meteore pro Stunde beobachten. Dies ist in diesem Jahr leider nicht möglich, aber auch in der Nacht zuvor (vom 13. auf den 14.) und der Nacht danach (vom 14. auf den 15.) kann man immerhin noch auf 30 bis 60 verglühende Objekte am Nachthimmel hoffen, darunter womöglich auch besonders helle Objekte.

Ein wirklich dunkler Beobachtungsort ist wichtig, auch deshalb, weil die Geminiden für Sternschnuppenverhältnisse recht langsam in die Erdatmosphäre eintauchen und deshalb auch keine langen Leuchtspuren ziehen, sondern eher kurz aufblitzen.

Günstigste Beobachtungszeit ist am 14. Dezember ab Sonnenuntergang bis Mondaufgang, da so das Mondlicht noch nicht stören kann.

Kleiner Trost für alle, die wegen einer geschlossenen Wolkendecke nichts von den Geminiden haben: Die Geminiden besuchen uns noch das gesamte 21. Jahrhundert hindurch. Erst so um das Jahr 2100 herum wird die kosmische Staubwolke, aus der sie stammen, die Erdbahn nicht mehr kreuzen. Dann allerdings wird die Geminiden-Show für alle Zeiten vorbei sein.