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Hirnforschung Neue Nervenzellen auch im hohen Alter

Lange galt es als sicher, dann doch nicht und jetzt doch wieder. Auch im hohen Alter können sich beim Menschen neue Nervenzellen entwickeln.

Eine neue Studie von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen aus Spanien belegt: Auch Menschen entwickeln bis ins hohe Alter neue Nervenzellen – vor allem im sogenannten Hippocampus, dem Teil des Gehirns, der für Erinnerungen und Lernen verantwortlich ist. Die spanischen Wissenschaftler haben ihre Ergebnisse in der renommierten Fachzeitschrift Nature Medicine veröffentlicht.

Warum ist das wichtig?

Neue Nervenzellen helfen uns beim Lernen und führen dazu, dass wir kognitiv fit bleiben. Dass sich Nervenzellen auch im hohen Alter noch entwickeln, könnte außerdem eine Grundlage für zukünftige Therapien bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), Multipler Sklerose (MS) oder Alzheimer sein. Deswegen wird schon seit den 90-ern viel an Nervenzellen des Hippocampus geforscht. Dabei aber vor allem an Ratten, manchmal auch Mäusen. Die ersten Hinweise, dass im erwachsenen Gehirn neue Nervenzellen entstehen, gab es aber schon 1965 – auch hier bei Ratten.

Eine Sensation für die damals noch junge Neurowissenschaft. Bis zu diesem Zeitpunkt ging man davon aus, dass die Nervenzellen, die man seit der Geburt hat, für den Rest des Lebens reichen müssen. Dass auch beim Menschen Nervenzellen bis ins hohe Alter neu entstehen, galt als sicher, da es bei den meisten Säugetieren zu beobachten war. Letztes Jahr allerdings erschütterten amerikanische Wissenschaftler dieses Wissen. Sie stellten in Frage, ob tatsächlich neue Nervenzellen im Gehirn entstehen und glaubten, das mit einer Studie belegen zu können.

Blick auf ein schematisches Gehirn im Querschnitt eines  Männerkopfes.

Auch im erwachsenen Gehirn entstehen neue Nervenzellen.

Was ist neu?

Die neue Studie zeigt, dass im menschlichen Gehirn sehr wohl Nervenzellen neu entstehen. Aber nicht nur das. Die spanischen Wissenschaftler konnten sogar zeigen, welchen Fehler die amerikanischen Wissenschaftler gemacht haben. Sie konnten nachweisen, dass die Art und Weise, wie das Testmaterial aus menschlichen Gehirnen im Labor behandelt wird, Einfluss auf das Ergebnis hat. In anderen Worten: Die amerikanische Studie basiert auf einem Messfehler. Die neue Studie zeigt also eindeutig, dass auch wir Menschen bis ins hohe Alter neue Nervenzellen entwickeln können.

Neuronen

Das Gehirn bildet auch im hohen Alter neue Nervenverbindungen.

Kann ich mein Gehirn fit halten?

Neue Nervenzellen helfen uns im Alter, weiter Dinge zu lernen und kognitiv fit zu bleiben. Ob und wie wir das unterstützen können, wird immer noch heiß diskutiert. So gibt es zum Beispiel Studien, die zeigen, dass Lerntrainings und Sport unser Gehirn dabei unterstützen, neue Nervenzellen zu bilden. Lerntrainings sind unter Wissenschaftlern aber noch stark umstritten. Sport hingegen, da sind sich die Wissenschaftler einig, hilft unser Gehirn fit zu halten.

Vermeiden sollte man aber Stress, Drogen und viel Alkohol. Auch Erkrankungen wie Depressionen oder Posttraumatische Belastungsstörungen schädigen unser Gehirn nachhaltig. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte also regelmäßig Sport treiben oder zumindest mal einen Spaziergang machen, auf Alkohol verzichten und auch Stress so gut es geht vermeiden.