schreiendes Baby (Foto: Imago, Imago/Fotograf XY -)

Schreien ist normal Babys bitte nicht schütteln!

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Wenn ein Baby über längere Zeit hindurch ununterbrochen schreit, kann es passieren, dass Eltern kurz die Kontrolle verlieren und ihr Baby schütteln. Dass sie ihrem Kind damit lebenslange Schäden zufügen können, ist den wenigsten bewusst. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat ein Bündnis ins Leben gerufen, das dem entgegenwirken soll.

Dass ein Baby schreit ist ganz normal. Auch langes und häufiges Schreien ist im ersten Moment kein Grund zur Beunruhigung. Im zweiten und dritten Lebensmonat können gesunde Säuglinge im Durchschnitt zwei bis drei Stunden täglich weinen, vor allem in den Abendstunden. Sie können ihre Bedürfnisse nicht anders zum Ausdruck bringen, Schreien ist der einzige Weg zu zeigen, dass ihnen etwas fehlt.

Ein Baby schreit und ballt seine Fäuste (Foto: Imago, Imago/Fotograf XY -)
Babys schreien nicht um ihre Eltern zu ärgern. Imago Imago/Fotograf XY -

Babys schreien nicht, um zu ärgern

In einer repräsentativen Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sind allerdings 18 Prozent der Befragten der Meinung Babys würden schreien, um ihre Eltern zu verärgern. Dem widerspricht Heidrun Thaiss, Leiterin der BZgA entschieden. Meist sind die Kinder hungrig, müde oder brauchen eine frische Windel. Auch ihr Bedürfnis nach Nähe drücken Babys auf diese Weise aus.

Lebenslange Schäden sind möglich

Wenn die Nerven der Eltern in so einer Situation blank liegen, kann es zu einem kurzen Kontrollverlust kommen – das Kind wird geschüttelt. In der Studie der BZgA ist jeder Vierte der Meinung, dass Schütteln nicht schlimm für das Kind sei. Dabei können Eltern ihrem Kind damit lebenslang schaden.

Säuglinge können ihren Kopf noch nicht alleine halten. Beim Schütteln wird der Kopf vor- und zurückgeworfen, dabei kann es zu schweren Verletzungen im Hirn kommen. Das Baby erleidet ein Schütteltrauma. Blutgefäße und Nervenbahnen können reißen, Krampfanfälle sowie geistige und körperliche Behinderungen können die Folge sein. Zwischen zehn und dreißig Prozent der Kinder versterben an einem solchen Trauma.

Bündnis will aufklären und Hilfestellung geben

Das Bündnis gegen Schütteltrauma rät Eltern, die durch das Schreien ihres Kindes hilflos, erschöpft oder wütend sind, das Kind sicher abzulegen, kurz den Raum zu verlassen, um sich zu beruhigen und sich Hilfe zu suchen – bevor es zu einer Affekt-Tat kommt. Die 23 Partner des Bündnisses sollten hierbei Ansprechpartner für Eltern sein und Hilfestellungen geben. Wichtig sei auch Großeltern, Babysitter und Freunde über die Gefahren des Schüttelns aufzuklären.

Mutter beruhigt ihr Kind (Foto: Imago, Imago/Fotograf XY -)
Eltern sollte versuchen ihre schreienden Kinder auf dem Arm zu schaukeln. Imago Imago/Fotograf XY -

Laut Heidrun Thaiss von der BZgA werden pro Jahr bis zu 200 Kinder aufgrund eines Schütteltraumas in deutschen Kliniken behandelt. Es ist aber von einer deutlich höheren Dunkelziffer auszugehen, denn nicht immer sind die Folgen des Traumas direkt sichtbar. Langzeitschäden, wie Entwicklungs- und Lernstörungen können die Folge sein.

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