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Ernährung Wie gesund ist frühstücken?

Frühstücken oder nicht frühstücken? Ist es gut zu verzichten? Selbst Fachleute sind sich da nicht einig. Manche sagen: Es gibt einen Zusammenhang mit Übergewicht und Diabetes. Andere sagen: Nicht bei jedem.

Beim Thema Frühstücken gibt es die Einen und die Anderen. Zum Beispiel Axel Fink, Diabetiker, übergewichtig. Es war höchste Zeit für ihn, seine Ernährung umzustellen. Und seit er mit einem sättigenden Frischkornbrei in den Tag startet, hat er 40 Kilo abgenommen. Mittags gibt’s für ihn nur noch Gemüse und etwas Fleisch – und auch am Abend eher etwas Leichtes.

Und auf der anderen Seite: André Junghans, mit Übergewicht und einer Fettleber, also einer Diabetes-Vorstufe. Er geht den anderen Weg, lässt das Frühstück aus – und hat seitdem 16 Kilo abgenommen.

Kein Frühstück, dafür mittags mehr?

Zwei Männer – zwei Wege: Kann man nun mit oder ohne Frühstück besser abnehmen? Selbst unter Experten gehen da die Meinungen auseinander.

Wissenschaftliche Studien behaupten mal das Eine, mal das Andere. Der Hamburger Diabetologen Jens Kröger positioniert sich eindeutig pro Frühstück. Und sagt: Wer das Frühstück weglässt, riskiert dick zu werden.

"Die Vermutung ist dabei, wenn ich nicht frühstücke, dann esse ich mehr im Laufe des Tages ungesunde Dinge. Oder ich esse mittags oder abends relativ viel." Das Gefährlich sind aus Sicht Krögers Kohlenhydrate, wie sie in Nudeln, Brot oder Müsli stecken.

Er rät: Kohlenhydrate so früh wie möglich am Tag zu essen. Und begründet das mit dem Insulin.

Insulin-Spritze wird gesetzt

Insulin hat die Aufgabe, Kohlenhydrate in die Zellen zu schleusen. So senkt es den Blutzuckerspiegel.

Kröger: "Wenn ich morgens Kohlenhydrate esse und der Körper braucht dafür Insulin, kann ich es im Laufe des Tages besser abbauen, indem ich mich bewege. Abends komm ich zur Ruhe, viele essen relativ spät und dann bewege ich mich auch nicht mehr viel. Ich kanns wesentlich schlechter abbauen."

Insulin: Es gibt Morgen- und Abendtypen

Insulin ist das Hormon der Bauchspeicheldrüse. Seine Aufgabe ist, Kohlenhydrate in die Zellen zu schleusen. So senkt es den Blutzuckerspiegel. Aber Insulin baut aus Kohlenhydraten auch Fett auf. Deswegen sollte der Insulinspiegel immer so niedrig wie möglich sein.

Stimmt schon, meint Christian Sina, Ernährungsmediziner am Universitätsklinikum Lübeck. Aber Menschen hätten unterschiedliche Insulinreaktionen.

Es gebe die Morgen- und die Abendtypen. "Das heißt, dass wir immer wieder die Leute sehen, bei denen besonders abends das Problem mit Kohlenhydraten besteht. Das ist in 80 Prozent der Fälle so. Aber bei 20 Prozent besteht das Problem morgens."

Spaghetti mit Basilikum und Mozzarella

Kohlenhydrate am Abend - für viele kann das zum Problem werden. Aber: Rund 20 Prozent vertragen Kohlenhydrate abends besser als morgens.

Wie eben bei André Junghans. Das Brötchen am Morgen lässt seinen Insulinspiegel stärker nach oben schnellen als das Brötchen am Abend. Das haben die Ernährungsmediziner der Universitätsklinik Lübeck gemessen – mit einem Blutzucker-Sensor auf der Haut.

Nach dem Blutzucker-Hoch kommt der Hunger

Der misst rund um die Uhr und liefert Ernährungsmediziner Torsten Schröder eindeutige Ergebnisse: "Bei Herrn Junghans hat man sehr schön gesehen, dass die identische Mahlzeit morgens zu einer deutlich höheren Blutzuckerreaktion geführt hat als abends." Er speichert also morgens viel leichter und eher die überschüssige Energie im Fett.

Und durch die Blutzuckerausschläge am Vormittag bekomme er auch eher wieder Hunger. Schröder: "Das heißt: Bei Herrn Junghans sehen wir ganz klar, dass er mit den Kohlenhydraten besser am Abend zurecht kommt und sie besser morgens meiden sollte."

Intervallfasten kann bei der Umstellung helfen

Seitdem isst André Junghans bis mittags nichts, dann ein paar Brote und abends warm, zusammen mit seiner Familie. Sein Konzept entspricht dem Intervallfasten, einem beliebten Trend. Intervallfasten heißt: 16 Stunden lang wird gefastet, im restlichen Tagesintervall dann gegessen.

Müsli mit Beeren

Ein reichhaltiges Frühstück kann die Grundlage für eine gesunde Ernährung sein. Muss es aber nicht.

Auch der Frühstücksfan und Diabetologe Jens Kröger findet Intervallfasten gut – aber mit einem anderen Schwerpunkt. Für ihn wäre ein Frühstück gegen acht bis neun Uhr optimal, dann hätte man bis zum späten Nachmittag acht Stunden Zeit, in denen man essen kann.

Keine allgemeingültigen Dogmen

Aber auch Jens Kröger weiß: Der moderne Mensch verzichtet eher auf das Frühstück als auf das Abendessen. Das zeigen auch Umfragen.

Deswegen sagt auch der Diabetologe: "Ich halte nichts von Dogmen." Entscheidend sei, dass jeder eine Ernährungsform findet, die zu ihm passt. "Und wenn Menschen nicht frühstücken möchten, müssen sie das nicht." Aber dann sollten sie darauf achten, dass sie sich tagsüber gesund ernähren.