Zwei Fledermäuse brabbeln. (Foto: Michael Stifter, Ahana Fernandez)

Biologie

Fledermaus-Babys brabbeln wie Kleinkinder

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AUTOR/IN
Nina Kunze
ONLINEFASSUNG
Carla Vinetta Richter

Junge Fledermäuse brabbeln vor sich hin wie Kleinkinder. Das wiesen Forscherinnen des Naturkundemuseums Berlin nach.

Ahana Fernandez, die Hauptautorin der Studie zu den brabbelnden Fledermaus-Babys, beschreibt die verschiedenen Aspekte, die dem Gebrabbel von menschlichen Babys verblüffend ähnlich sind.

„Das Jungtier übt in diesen Brabbel-Sequenzen die unterschiedlichen Silbentypen des adulten vokalen Repertoires.“, sagt Ahana Fernandez. Man höre außerdem deutlich, dass beim Brabbeln immer wieder die gleiche Silbe wiederholte werde: „Das ist ganz ähnlich wie dieses ba-ba-ba-ba da-da-da, das wir von Kleinkindern kennen.“

Hörbare und nicht-hörbare Laute spielen eine Rolle

Fledermäuse sind vor allem für ihre Laute im Ultraschall-Bereich bekannt, die wir Menschen nicht hören können. Aber auch für uns hörbare Laute spielen für Fledermäuse eine wichtige Rolle.

So auch bei der Großen Sackflügel-Fledermaus, Saccopteryx bilineata, die in den Urwäldern Mittel- und Südamerikas zu Hause ist. Ahana Fernandez und ihre Kolleginnen erforschen diese Art schon seit einigen Jahren. „Viele Leute wissen nicht, dass Fledermäuse auch eine sehr ausgeprägte soziale vokale Kommunikation haben. Also Laute, mit denen sie untereinander kommunizieren“, sagt Fernandez. Viele davon seien im für Menschen hörbaren Bereich.

Ahana Fernandez forscht im Wald. (Foto: Michael Stifter)
Ahana Fernandez forscht seit einigen Jahren in den Urwäldern MIttel- und Südamerikas. Michael Stifter

Sprechenlernen muss geübt werden

Wie bei vielen anderen Fähigkeiten, so ist es auch beim Sprechenlernen vor allem wichtig, viel zu üben und dabei die Kontrolle über die nötigen Bewegungen des Stimmapparats zu erlangen. In der Tierwelt wurde dieses Phänomen jedoch noch nicht oft beschrieben. Lediglich Singvögel waren bisher dafür bekannt, dass sie ihre Lieder erst nach und nach einstudieren.

Mit Saccopteryx bilineata ist nun die bisher einzige Säugetierart neben dem Menschen bekannt, die durch Brabbeln ihren Kommunikationsschatz erlernt. Dieses Lernverhalten ist für Forscherinnen und Forscher besonders interessant, denn so können sie eventuell auch Rückschlüsse darüber ziehen, wie sich Sprache bei uns Menschen entwickelt hat.

Eine Baby Fledermaus. (Foto: IMAGO, Imago / ZUMA Wire)
Eine junge Weißrandfledermaus. Imago / ZUMA Wire

Wie reagieren die anderen Tiere?

Ahana Fernandez: „Ich habe oft beobachtet, dass ein Jungtier anfängt zu brabbeln und die anderen Jungtiere dabei still sind. Sie scheinen dann zuzuhören, man sieht die Ohrbewegungen bei diesen Tieren sehr gut. Und wenn das eine Jungtier aufgehört hat, dann fängt das nächste an zu brabbeln.“

Und wie bei uns Menschen scheinen auch Fledermaus-Mütter ihre Kinder spielerisch beim Lernen zu unterstützen. So konnte Ahana Fernandez beispielsweise beobachten, wie eine Fledermaus-Mutter ihr Junges mit dem Flügel anstupste, woraufhin dieses anfing zu brabbeln.

Auch andere Tiere brabbeln

Ahana Fernandez betont, wie wichtig solche Langzeitstudien sind, um das Verhalten von Tieren zu untersuchen. Sie vermutet, dass Fledermäuse nicht die einzigen Tiere sind, die man so beim Brabbeln beobachten könnte. Auch Delfine, große Otter und andere Säugetiere seien vokale Lerner und könnten vielleicht genauso brabbeln wie die Fledermäuse in Mittelamerika.

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