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Fersensporn

Neue Behandlungsmethoden statt OP Die schmerzende Ferse heilen

Heute weiß man, dass ein Fersensporn nicht die Ursache für Schmerzen im Fuß ist, sondern eine Entzündung der Fußsohlensehne. Und die bekommt man ohne OP in den Griff.

Wenn man jung ist, machen sie irgendwie alles mit, aber im mittleren Lebensalter geht’s dann los: Schmerzen von unten - die Füße melden sich. Vor allem Schmerzen unter der Ferse sind weit verbreitet. Häufig finden die Ärzte im Röntgenbild einen Fersensporn, einen kleinen knöchernen Auswuchs. Früher wurde schnell zum Skalpell gegriffen – und der Sporn heraus operiert. Heute weiß man es besser.

Die Bankkauffrau Martina S. humpelt einige Wochen mit einem schmerzenden Fuß herum. Als der Schmerz aber auch tagsüber nicht mehr verschwindet, sucht sie Rat beim Fußchirurgen Dr. Kai Olms in Bad Schwartau. Der ertastet den wunden Punkt mit einem gezielten Handgriff.

Faszien und Sehnen

Unter der Ferse, hinten innen - an dieser Stelle setzt die so genannte Plantarfaszie an, die Fußsohlensehne. Sie spannt sich vom Knochen der Ferse, dem Fersenbein, bis zu den Zehen. Und meldet sich durch Schmerzen, wenn sie überlastet ist.

Fersensporn

Wenn die Wadenmuskulatur nicht ausreichend gedehnt ist, dann gibt es eine zu hohe Vorspannung für den Fuß

Dazu kommt es, wenn das Fußgewölbe gewissermaßen nach unten einbricht, unter Übergewicht oder zu intensivem Sport zum Beispiel. So wird die Fußsohlensehne überstreckt – und entzündet sich. Auch eine schlecht gedehnte Waden- und Fußmuskulatur verstärkt die Problematik, erklärt Kai Olms.

Denn die Sehnenplatte hängt zusammen mit dem Gesamtkonstrukt von Achillessehne und Wadenmuskulatur. Und wenn die Wadenmuskulatur nicht ausreichend gedehnt ist, dann gibt es eine zu hohe Vorspannung für den Fuß.

Fehlende Dehnung

Martina S. spielt Tennis und geht walken. Damit endet aber auch ihr Training – an Dehnung hat sie bisher gedacht. Im Beruf trägt sie gern Schuhe mit Absatz, auch dabei verkümmert die Dehnung der Wadenmuskulatur. Nun sieht sie auf dem Röntgenbild ihren Fuß und einen kleinen knöchernen Sporn unter der Ferse.

Fersensporn

Mit dem Sporn reagiert der Fuß auf die hohe Spannung in der Sehne

Selbst Fußspezialisten haben den Fersensporn lange für den Übeltäter gehalten. Inzwischen haben sie ihre Meinung aber geändert. Denn es ist nur die Entzündung der Sehnenplatte an der Fußsohle, die den Schmerz erzeugt.

Das bestätigt auch die Fußchirurgin Prof. Christina Stukenborg-Colsman vom Annastift der Medizinischen Hochschule in Hannover. Früher wurden sehr viele dieser knöchernen Vorsprünge entfernt, doch dies half nicht gegen die Schmerzen.

Reaktion des Körpers

Nur jeder Zweite, der über Fersenschmerzen klagt, hat auch einen Fersensporn. Und er ist nicht die Ursache, sondern eher die Folge der Überlastung. Mit dem Sporn reagiert der Fuß auf die hohe Spannung in der Sehne. Der Fuß versucht, Druck aus dem Geschehen zu nehmen.

Wenn die Sehne ständig gereizt wird, versucht der Körper, das zu reparieren. Und das tut er, indem er einen kleinen Fersensporn anlegt, um die Strecke, die die Sehne überspannen muss, etwas zu verringern.

Klar ist: die Entzündung muss raus, nicht der Sporn. Viele Patienten wollen hier eine schnelle Lösung – und fragen nach einer entzündungshemmenden Spritze. Davon rät die Orthopädin Christina Stukenborg-Colsman aber eher ab. Denn Cortison in der Sehne birgt immer die Gefahr eines Risses.

Fersensporn

Die Ferse schmerzt in der Regel nicht wegen eines Fersensporns. Ursache für die Schmerzen sind eher Entzündungsprozesse in der Fußsohlensehne.

Dehnen, Einlagen, Therapie

Auch der Nutzen einer Stoßwellentherapie, bei der die schmerzhafte Stelle von außen mit stark gebündelten Druckwellen behandelt wird, ist noch nicht abschließend geklärt. Sie muss aus eigener Tasche bezahlt werden. Der Igel-Monitor, der solche Selbstzahlerleistungen bewertet, stuft sie aber als tendenziell positiv ein.

Die wichtigste Maßnahme, um den Fuß wieder schmerzfrei zu bekommen, kann man aber selbst in die Hand nehmen: Dehnen, Dehnen, Dehnen. Fuß, Achillessehne und Wadenmuskulatur. Drei mal am Tag und das über 6 bis 12 Monate – sonst bringt es nichts.

Auch spezielle Einlagen helfen dabei, das Fußgewölbe zu stützen und so die Sehne darunter zu entlasten. Und manuelle Therapie. Mit kräftigen, mitunter auch schmerzhaften Handgriffen rund um den Fuß entspannt Physiotherapeut Michael Wagner die Sehnen und dehnt die Muskulatur. Das allein reicht aber nicht, meint er.

Denn wenn die Faszie das Gewölbe nicht mehr stützt, dann muss die Muskulatur ran. Und das müssen die Patienten erst lernen. Viele Patienten, so die Erfahrung des Therapeuten, hätten sich außerdem durch die oft langwierigen Fersenschmerzen einen Schongang angewöhnt. Den müssten sie sich - wenn der Schmerz erst einmal nachgelassen hat - mühsam wieder abtrainieren.

Fersensporn

Wenn die Faszie das Gewölbe nicht mehr stützt, dann muss die Muskulatur ran