Bitte warten...
Ein Stempel mit der Aufschrift "DEPRESSIV". Im Hintergrund liegen viele bunte Pillen.

Gefährliches Halbwissen Depressive werden oft stigmatisiert

Schokolade, Sport oder Urlaub soll bei Depressionen helfen. Wirklich? Eine neue Studie zeigt, dass wir zu wenig Allgemeinwissen über die Krankheit haben. Betroffene werden oft stigmatisiert.

Das Nicht-Wissen um die Volkskrankheit Depression ist groß, es kursieren viele Falschinformationen. Nach einer repräsentativen Umfrage der Stiftung Deutsche Depressionshilfe findet fast jeder Fünfte, dass sich Betroffene einfach zusammenreißen sollten.

Ein weiteres knappes Fünftel hält Schokolade für ein geeignetes Hilfsmittel gegen Depressionen.

Schokolade, Sport, Urlaub - Fehlinformationen können zu einer Verschlimmerung führen

Frau steckt sich ein Stück Schokolade in den Mund

Schokolade hilft nicht wirklich bei Depressionen.

Viele glauben auch, dass es Depressiven hilft, in den Urlaub zu fahren oder mehr Sport zu treiben. Dabei kann der Kontrast des eigenen Lebens zu dem von glücklichen Urlaubern die Depression sogar verschlimmern. Sport hilft eher präventiv, indem er Stress reduziert - ein Faktor, der bei einigen Menschen das Entstehen einer Depression mit begünstigen kann.

Immerhin: Über 90 Prozent der Befragten hält den Gang zum Arzt oder Psychotherapeuten für den besten Weg, um sich bei einer Depression helfen zu lassen.

Genauso viele Menschen glauben aber auch, dass Depressionen durch Schicksalsschläge und Stress verursacht werden. Und die Hälfte aller Befragten sagt, falsche Lebensführung sei ein Auslöser für die Depression. Noch schlimmer: Ein Drittel der Befragten hält Charakterschwäche für die Ursache einer Depression.

Depressive Menschen werden oft stigmatisiert

Depressive Menschen werden oft stigmatisiert

Depression hat oft biologische Ursachen

Wenig bekannt ist, dass eine Depression oft biologische Ursachen hat. Die Wissenschaft geht davon aus, dass es - vermutlich genetisch bedingt - eine gewisse Empfänglichkeit für Depressionen gibt. Denn wenn zwei Menschen die gleichen Schicksalsschläge und Belastungen erleben, kann es sein, dass einer von ihnen an einer Depression erkrankt, der andere aber nicht. Wieso das so ist, können Wissenschaftler derzeit noch nicht abschließend erklären. Klar ist, dass aus dem Gleichgewicht geratene biochemische Prozesse im Gehirn zusammen mit einer möglichen erblichen Veranlagung eine wichtige Rolle spielen.

Die Forschung geht also derzeit davon aus, dass die Veranlagung zu Depressionen zu veränderten Hirnfunktionen führt: Zum Beispiel zu stärkeren Reaktionen auf Stress. Die Depression rückt dann alles Negative ins Zentrum des Erlebens und sorgt dafür, dass es alles andere verdrängt.

Über fünf Millionen erkranken pro Jahr an Depressionen

Nach Angaben der Stiftung Deutsche Depressionshilfe erkranken jedes Jahr rund 5,3 Millionen Menschen in Deutschland an einer behandlungsbedürftigen Depression. Und jeden Tag begehen durchschnittlich 28 Menschen Suizid. Die Stiftung geht bei vielen Fällen von einer schweren Depression als Ursache aus.

Das Robert Koch-Institut (RKI) zählt Depressionen zu den häufigsten psychischen Leiden in Deutschland. Das liegt auch daran, dass die Krankheit nun häufiger als früher erkannt wird. Mit professioneller Hilfe sind Depressionen heute meist gut behandelbar. In der Regel werden Depressionen mit Psychotherapien und häufig auch mit Medikamenten behandelt.

Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens an einer Depression zu erkranken, wird auf 11 bis 15 Prozent geschätzt. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, suchen aber in der Regel auch schneller Hilfe.