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Exo-Soziologie Wie man mit Außerirdischen spricht

Wenn die Menschheit doch nochmal auf außerirdische Lebewesen stößt - wie könnte das Verhältnis zu ihnen aussehen? Wie mit ihnen umgehen? Fragen an den "Exo-Soziologen" Prof. Michael Schetsche.

Prof. Michael Schetsche forscht am Institut für Soziologie der Uni Freiburg. Sein aktuelles Buch heißt: "Die Gesellschaft der Außerirdischen - Einführung in die Exo-Soziologie".

Sind Sie sicher, dass außerirdisches intelligentes Leben existiert?

Es wäre natürlich für die Forschung ganz gut, wenn es so wäre. Sicher kann da niemand sein. Wir haben allerdings aus den Naturwissenschaften in den letzten zwanzig Jahre so viele Erkenntnisse über den Aufbau des Universums, über die Vielzahl von Planeten, über die Widerstandsfähigkeit des Lebens, so dass wir doch generell davon ausgehen müssen: Es gibt auch außerhalb der Erde Leben. Und möglicherweise ist sogar irgendwo in den Weiten des Universums außerirdisches Leben intelligent geworden, so dass wir vielleicht nicht die einzige intelligente Zivilisation sind, dies es gibt.

Wenn das alles Spekulation ist - was kann man als "Exo-Soziologe" erforschen? Was bringen Sie Ihren Studierenden bei?

Was Studierende zunächst mal lernen müssten, sind Methoden der Zukunftsforschung. Wie macht man das? Wir haben eine Szenarioanalyse gemacht.

Es gibt noch eine ganze Reihe von anderen Methoden. Mit denen schauen wir: was wäre, wenn? In diesem Falle: Was wäre, wenn die Menschheit in Kontakt mit einer außerirdischen Zivilisation käme, die möglicherweise technisch viel weiter entwickelt ist als wir? Und die zentrale Frage da für uns als menschliche Forscher lautet: Wie ist so eine Kommunikation überhaupt möglich? Wie kommen wir mit den anderen klar und sie mit uns und natürlich auch: Was könnte dann auf der Erde passieren?

UFO Museum in Roswell (USA)

Außerirdisches Leben ist zumindest vorstellbar. Wie der Kontakt mit extraterrestrischen Zivilisationen ablaufen könnte, erforscht die Exo-Soziologie.

Und - was wäre dann?

Es gibt verschiedene Szenarien der "Begegnung". Erste Möglichkeit: Wir fangen Signale aus den Weiten des Universums auf, die so künstlich sind, dass wir sagen: irgend eine Zivilisation hat die ausgesendet. Zum anderen ist ein Szenario denkbar, wo wir irgendeine Hinterlassenschaft im Sonnensystem finden.

Angenommen, vor 100.000 Jahren war eine außerirdische Raummission schon mal in unserer Gegend und hat ihren Weltraummüll zurückgelassen und den könnten wir finden. Auf Planeten ohne Atmosphäre hält sich sowas ja sehr sehr lange.

Und schließlich könnte es auch sein - das wäre schon ein sehr drastischer Fall - dass wir in unserem Sonnensystem in der Nähe der Erde mit einer Raumsonde einer fremden Zivilisation konfrontiert werden. Ob da dann allerdings irgendwelche kleinen grünen Männchen drinnen sitzen, das wage ich doch zu bezweifeln.

Und das führt uns ja noch zu der Frage: Wie kann man sich mit jemandem unterhalten, dessen Sprache man nicht spricht?

Die Frage ist natürlich, ob diese Wesen überhaupt akustisch kommunizieren. Wenn man selbst das mal unterstellt, sind die meisten Linguisten sich heute einig, dass man eine völlig fremde Sprache nur lernen kann, indem man zusammentrifft und gemeinsam irgendetwas tut. Also man muss Dinge dabei haben. Man muss die benennen können.

So eine Sprache von Außerirdischen können wir also wahrscheinlich nur dann erlernen, wenn wir sie oder vielleicht künstliche intelligente Stellvertreter tatsächlich treffen können. Über die Weiten des Weltraums hinweg kann man nicht mehr erlernen als das: Okay, die anderen existieren.

Außerirdische Wesen werden in Filmen auch häufig als intelligent oder intelligenter sogar als wir dargestellt. Halten Sie das für plausibel?

Wenn wir sozusagen mit einer Hinterlassenschaft oder irgendetwas anderem einer Außerirdischen Intelligenz konfrontiert sind, muss man zumindest mal sagen: Sie beherrschen interstellaren Raumflug. Sie sind hier gewesen. Das heißt, sie sind technologisch weiterentwickelt. Ob das viel mit Intelligenz zu tun hat? Wahrscheinlich schon. Das ist eine Frage, was für eine Definition von Intelligenz man hat.

Wichtig für uns aber auf der Erde ist sicherlich: Sie sind uns technologisch weit überlegen. Daraus ergeben sich eine Reihe von Konsequenzen. Wir wissen aus dem Rückblick in die Geschichte der Menschheit: Menschliche Kulturen kommen nicht übermäßig gut damit klar, wenn sie die Entdeckten sind und andere sind die Entdecker. Und so wäre es dann sicherlich auch.

Unbekanntes Flugobjekt, Mai 2007 in Linz, Österreich

Bekommen wir irgendwann Besuch von Außeririschen? Wie würden wir damit klarkommen?

Wir wären dann nicht mehr einzigartig - unser Selbstbild wäre über den Haufen geworfen. Ist das auch ein Thema von Exo-Soziologie?

Ja auf jeden Fall. Also es geht viel um Weltbilder. Und letztlich muss man sagen, geht es um die Frage, wie verstehen wir uns als Menschen im Universum, wie hängt unser Menschenbild damit zusammen? Was haben wir hier für eine Rolle?

Da ist es sicherlich ein großer Unterschied, ob man denkt: Oh meine Güte, wir sind die einzigen Intelligenzen im Universum und im Grunde steht das alles so unserer Verfügung. Wir könnten es erobern oder sonst etwas damit machen.

Oder - die Alternative - wir wüssten, da sind eine ganze Reihe von Zivilisationen, die vielleicht schon Tausende, vielleicht sogar hunderttausend Jahre älter sind als wir, und die über ganz andere technische Möglichkeiten verfügen. Die haben vermutlich viel mehr vom Universum verstanden, haben ganz andere philosophische Systeme. Also für unser Bild - wie existieren wir als Menschen in diesem Kosmos? - macht doch diesen ganz zentralen Unterschied und sowas zu untersuchen, das ist eben auch Aufgabe der Exo-Soziologie.