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Gesunde Ernährung

Wie die Ernährung das Klima beeinflusst Speiseplan der Zukunft

von Thomas Hillebrandt

Was dürfen wir essen, wenn die Erde im Jahr 2050 zehn Milliarden Menschen ernähren muss? Das hat ein internationales Forscherteam jetzt untersucht und die Ergebnisse im Fachblatt Lancet veröffentlicht

In Deutschland gehört ein Schnitzel mit zum Liebsten, was auf dem Teller landet. Statistisch gesehen isst jeder von uns knapp 170 Gramm Fleisch pro Tag. Um diese Konsumwünsche zu erfüllen, wird Schweine- und Rindermast in industriellem Maßstab betrieben - mit hohem Energieaufwand und enormen Auswirkungen auf Umwelt und Klima.

Welche Folgen hat unsere Ernährung für den Planeten und für unsere eigene Gesundheit?

Diese beiden Fragen hat der schwedische Klimaforscher Johan Rockström untersucht. Zusammen mit einem internationalen Forscherteam kommt er in der neuen Studie zu dem eindeutigen Schluss: Wenn wir uns gesund ernähren, verhindern wir die Hälfte der negativen Auswirkungen der Nahrungsmittelproduktion auf den Klimawandel.

Teller mit Schnitzel, Pommes und Salatgarnitur.

Für die Herstellung unserer Lebensmittel oder aller anderen Gegenstände und Produkte, die wir täglich nutzen, werden weit größere Wassermengen benötigt als im Haushalt. So wurden für 250 Gramm Schweineschnitzel 1.200 Liter Wasser eingesetzt, für 250 Gramm Kartoffelbeilage weitere 225 Liter und für die kleine Salatgarnitur am Tellerrand 65 Liter. Für den Wasserverbrauch für die Herstellung eines Schnitzels könnte man umgerechnet also rund 40 Mal auf die Toilette gehen.

Folgen unserer Essgewohnheiten

Die Studie zeigt, dass die Produktion von Nahrungsmitteln

  • 40 Prozent der weltweiten Landfläche benötigt
  • 70 Prozent des weltweit genutzten Süßwassers verbraucht
  • 30 Prozent der weltweiten Treibhausgase produziert

Als Folge der extensiven Lebensmittelproduktion laugen die Böden zunehmend aus und benötigen deshalb immer mehr Dünger.

Klimawandel

Extensive Landwirtschaft führt dazu, dass die Böden immer mehr auslaugen.

Der globale Fleischhunger sorgt zudem dafür, dass immer größere Flächen des Regenwalds verschwinden, um Rinderherden und Ackerflächen Platz zu machen.

Diese globale Sicht auf die Nahrungsmittelproduktion verbinden die Forscher in der jüngsten Studie mit klaren Ernährungsempfehlungen für jeden Einzelnen von uns:

Nur etwa 40 Gramm Fleisch pro Tag, rund 500 Gramm Obst und Gemüse und maximal 250 Gramm Milchprodukte.

7:54 min | Di, 22.1.2019 | 16:05 Uhr | SWR2 Impuls | SWR2

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Kaum noch Zucker und Fleisch, viel mehr Obst, Gemüse und Nüsse: Die ideale Ernährung. Alles andere könnte schlimme Folgen für die Umwelt haben, sagen Forscher. Ralf Caspary im Gespräch mit Thomas Hillebrandt

Ein Speiseplan der Zukunft

Das Internationale Forscherteam plädiert für eine Ernährungsweise, die Umwelt und Gesundheit gleichermaßen schont. Die Studie der Klimaforscher ist auch auf der Grünen Woche, der größten Ernährungsmesse der Welt, Thema und wird dort diskutiert. Die Lebensmittelbranche allerdings vertritt eine andere Position. Danach soll sich jeder so ernähren dürfen, wie er möchte. Konkrete Ernährungsempfehlungen für die gesamte Weltbevölkerung auf der Basis von Modellrechnungen zu formulieren sei sehr schwierig, betont etwa Manon Struck-Pacyna vom Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde. Das gehe eindeutig an der Lebensrealität der Menschen vorbei.

Johan Rockström, einer der beiden Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, hält es dagegen für dringend erforderlich, unsere Essgewohnheiten zu ändern. Dafür wirbt er aktuell auch in Davos. Seine Forderung: Das Ernährungsthema muss direkt in alle Klimaschutzmaßnahmen einbezogen werden. Es reiche eben nicht, nur unser Energiesystem CO2-frei zu machen - genauso wichtig sei ein nachhaltiges Nahrungsmittel-System.

Diese Verantwortung lässt sich aber nicht allein auf die Verbraucher abladen. Die Politik muss die großen Leitlinien prägen. In Deutschland ist die Bundesregierung bisher in Ernährungsfragen extrem zurückhaltend. Obwohl die Ernährung der Bürgerinnen und Bürger längst aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Ein dicker Bauch wird mit einem Maßband vermessen

In Deutschland sind etwa 62 Prozent der Männer und 44 Prozent der Frauen übergewichtig. Die Angaben basieren auf dem sogenannten Body-Mass-Index (BMI), der das Körpergewicht ins Verhältnis zur Körpergröße setzt. 

Das Übergewicht der Bevölkerung nimmt seit Jahren zu. Die Politik könnte hier regulierend eingreifen- zum Beispiel mit Werbeeinschränkungen für extrem kalorienhaltige Produkte, mit Kennzeichnungspflichten und mit einem Bann von Transfetten.