Astronomie

Entdeckung: Auch der Mars hat einen Bodensee!

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AUTOR/IN
Uwe Gradwohl
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Ralf Kölbel

Forscher haben unter den Eiskappen des Mars-Südpols einen See entdeckt, etwa von der Größe des Bodensees. Theoretisch könnte es dort sogar einfaches Leben geben.

Der Mars hat dicke Polkappen aus Eis, also richtige Polargebiete. Nur ohne die Meere, wie man sie von der Erde kennt. An der Oberfläche des Mars gibt es keine Gewässer. Aber nun haben Forscher mal unter die Eiskappen des Marssüdpols geschaut – und dort eine erstaunliche Entdeckung gemacht.

Sie haben zwar kein ganzes Meer gefunden, aber immerhin einen See. Von immerhin 30 Kilometer Länge und 20 Kilometer Breite. Das entspricht immerhin der Größe des Bodensees. Und der See ist nicht allein.

Diese künstlerische Darstellung zeigt, wie es unter der Oberfläche des Mars-Südpols aussehen könnte: Es gibt dort wohl größere Vorkommen von sehr kaltem und salzigen Wasser. (Foto: Pressestelle, Illustration by Medialab, ESA 2001)
Diese künstlerische Darstellung zeigt, wie es unter der Oberfläche des Mars-Südpols aussehen könnte: Es gibt dort wohl größere Vorkommen von sehr kaltem und salzigen Wasser. Pressestelle Illustration by Medialab, ESA 2001

Radarstrahlen durchdringen Schicht aus Mars-Eis

Bereits im Jahr 2018 hatten Radarmessungen darauf hingewiesen, dass sich da etwas unter der Eiskappe des Mars-Südpols verbirgt. Die Radarstrahlung kam von der europäischen Marssonde Mars Express und durchquerte eine kilometerdicke Schicht aus Kohlendioxideis und Wassereis.

Die Marsoberfläche wurde von der Mars Express Sonde mit Radarstrahlen untersucht. Mit diesem Verfahren lässt sich auch erahnen, was sich in tieferen Schichten verbirgt. (Foto: Pressestelle, ESA/NASA/JPL/ASI/Univ. Rome; R. Orosei et al 2018)
Die Marsoberfläche wurde von der Mars Express Sonde mit Radarstrahlen untersucht. Mit diesem Verfahren lässt sich auch erahnen, was sich in tieferen Schichten verbirgt. Pressestelle ESA/NASA/JPL/ASI/Univ. Rome; R. Orosei et al 2018

Nachdem die Radarstrahlung den Eispanzer durchquert hatte, hätte sie eigentlich von dem rauen, felsigen und sandigen Marsboden in alle Richtungen zerstreut werden müssen - aber das geschah nicht. Die Forscherinnen und Forscher fanden stattdessen in den Daten einen klaren Hinweis darauf, dass eine sehr glatte Oberfläche unter dem Mars-Eis die Radarstrahlung reflektiert. Eine mögliche Erklärung: ein großer Mars-See unter dem Eis – aber sicher war man sich damals, 2018, nicht.

Mars-Wasser im Untergrund - ESA-Video (in englischer Sprache)

Mars-See vermutlich kalt und salzig

Das Team italienischer Forscherinnen und Forscher unternahm weitere Messungen, analysierte weitere Radardaten und ist sich nun sicher. Unter der Eiskappe am Mars-Südpol liegt ein 20 mal 30 Kilometer großer See. Seine Oberfläche ist damit ungefähr so groß wie die des Bodensees.

Weitere Gemeinsamkeiten sind aber nicht zu erwarten. Denn das Marsgewässer dürfte viele Minusgrade Grad kalt sein und nur deshalb dauerhaft flüssig bleiben, weil es höchstwahrscheinlich einen außerordentlich hohen Salzgehalt aufweist und der Druck des kilometerdicken Marseises auf ihm lastet.

Unter der Oberfläche des Mars-Südpols gibt es wohl einen größeren See von der Größe des Bodensees (Foto: Pressestelle, ESA)
Unter der Oberfläche des Mars-Südpols gibt es wohl einen größeren See von der Größe des Bodensees Pressestelle ESA

Möglicherweise gibt es einfache Lebensformen in den Mars-Seen

Die neuen Analysen zeigen auch, dass der See sogar noch von ein paar kleineren Gewässern umgeben ist. Ähnliche Formationen von Seen unter dickem Eis gibt es auch auf der Erde - und zwar in der Antarktis. Dort leben sogar Mikroben in den eiskalten Gewässern. Es ist grundsätzlich denkbar, dass auch die Mars-Polarseen einfache Lebensformen beherbergen, die mit den tiefen Wassertemperaturen und dem hohen Salzgehalt zurechtkommen.

Weitere Forschung nötig

Um sie nachzuweisen, müsste allerdings ein Team auf den Mars fliegen und ein Bohrgestänge durch die 1.000 Meter dicke Eiskappe am Südpol treiben, um Wasserproben zu ziehen – das ist technisch Science Fiction und deshalb bleibt es noch lange Zeit der Fantasie überlassen, sich vorzustellen, was da in diesem Bodensee unter dem Mars-Eis vielleicht so vor sich hinschwimmt.

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