Impfung (Foto: IMAGO, IMAGO / UIG)

Corona-Pandemie

Kommentar: Ist die einrichtungsbezogene Impfpflicht sinnvoll?

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AUTOR/IN
David Beck

Die einrichtungsbezogene Impfpflicht gilt. Massenhafte Entlassungen sind aber wegen der Versorgungssicherheit unwahrscheinlich. Macht eine Impfpflicht dann überhaupt noch Sinn? Ein Kommentar von David Beck aus der SWR Wissenschaftsredaktion.

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Impfen schützt. So einfach ist das. In erster Linie schützt impfen natürlich einen selbst. Aber wenn es durch die Impfung unwahrscheinlicher wird, dass man sich selbst mich ansteckt, dann wird es auch unwahrscheinlicher, dass man jemand anders ansteckt.

Und dieser Fremdschutz ist besonders dann wichtig, wenn jemand viel Kontakt mit gefährdeten Menschen hat, zum Beispiel Menschen mit Vorerkrankungen oder Ältere. Und am meisten Kontakt mit diesen Menschen haben natürlich die Pflegekräfte und Ärzt:innen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen.

Pfleger auf einer Intensivstation  (Foto: IMAGO, IMAGO / ITAR-TASS)
Besonders Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte haben viel Kontakt mit Risikogruppen. IMAGO / ITAR-TASS

Den größtmöglichen Fremdschutz durch die Impfung erreicht man also, wenn die Beschäftigten dieser Einrichtungen geimpft werden. Und da sie sich mit ihrer Berufswahl sowieso schon verpflichten, den Kranken und Schwachen zu helfen und sie zu schützen, haben sie sich eigentlich damit schon verpflichtet, sich impfen zu lassen. Eine gesetzliche Impfpflicht ist die logische Konsequenz.

Argument Omikron?

Auch das Argument, man könne sich ja trotz Impfung mit Omikron infizieren und es weitergeben, zählt nicht. Denn die Impfung senkt erwiesenermaßen die Wahrscheinlichkeit sich zu infizieren – auch mit Omikron. Wenn nun alle Beschäftigten im Gesundheitswesen geimpft wären, dann würde diese geringere Infektionswahrscheinlichkeit unterm Strich weniger Corona-Todesfälle bedeuten.

Das gilt natürlich auch für die breite Bevölkerung. Je mehr Menschen geimpft sind, desto weniger Menschen infizieren sich und desto weniger Menschen sterben. Deswegen sollten auch jetzt schon die regulatorischen Grundlagen für eine allgemeine Impfpflicht geschaffen werden, damit sie – in welcher Form auch immer – schnell umgesetzt werden könnte, sollte es nötig werden. Den größten Nutzen durch eine Impfpflicht gibt es aber wie erwähnt zunächst im Gesundheitswesen.

Versorgungssicherheit vs Impfpflicht?

Natürlich wäre es aber sinnlos, die Versorgungssicherheit für eine Impfpflicht aufs Spiel zu setzen. Einerseits könnte dadurch genau das Gegenteil erreicht werden: Kranke und Pflegebedürftige wären weniger geschützt, weil es weniger Personal in den Einrichtungen geben würde – andererseits würden wir uns möglicherweise künstlich in die Lage bringen, die wir während der gesamten Pandemie versucht haben, zu vermeiden: die Überlastung des Gesundheitssystems.

Die einrichtungsbezogene Impfpflicht für Gesundheitspersonal ist jetzt in Kraft getreten. Es gibt einige, die damit nicht einverstanden sind und daher möglicherweise ihren Beruf aufgeben. (Foto: IMAGO, IMAGO/ULMER Pressebildagentur)
Die einrichtungsbezogene Impfpflicht für Gesundheitspersonal ist jetzt in Kraft getreten. Es gibt einige, die damit nicht einverstanden sind und daher möglicherweise ihren Beruf aufgeben. IMAGO/ULMER Pressebildagentur

Vorbild Frankreich

In Frankreich hat die einrichtungsbezogene Impfpflicht, die dort bereits seit letztem Herbst gilt, allerdings nicht zur befürchteten Kündigungswelle geführt. Zwei große Infektionswellen wurden trotz Arbeitsverbot für ungeimpfte Mitarbeitende im Gesundheitswesen überstanden.

Trotzdem können wir es uns nicht unbedingt leisten, sofort allen ungeimpften Beschäftigten des Gesundheitswesens zu kündigen. Das darf aber nicht dazu führen, dass es ohne Konsequenzen bleibt, sich nicht impfen zu lassen. Statt einem Betretungsverbot können auch zunächst Bußgelder verhängt werden. Denkbar wären aber auch zum Beispiel Eskalationsstufen: von Dienstkürzungen über längere Freistellungen, und ja, auch bis hin zur Kündigung.

Gleichzeitig aber verbunden mit regelmäßigen Beratungsgesprächen, in denen aufgezeigt werden kann, dass im schlimmsten Fall alle verlieren: Die Betroffenen, die Einrichtung, aber am allermeisten: die Patientinnen und Patienten. Und das Wichtigste, das in solchen Gesprächen vermittelt werden muss: Impfen schützt.

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David Beck