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Dampfen statt Qualmen Wie gefährlich sind E-Zigaretten und Tabakerhitzer?

Auch E-Zigaretten können süchtig machen. Jetzt kommt eine neue E-Zigarette namens "Juul" auf den Markt. Wegen ihres hohen Nikotingehalts sehen Experten hier ein hohes Abhängigkeitspotential. Zu Recht? Die Einschätzung unserer Medizinredakteurin Ulrike Till anlässlich der Deutschen Konferenz für Tabakkontrolle in Heidelberg.

Wie riskant ist die europäische Version von „Juul“ tatsächlich?

Panik wäre völlig überzogen, aber komplett harmlos ist die neue E-Zigarette eben auch nicht. In den USA sind zwei Stärken verfügbar, die stärkste hat knapp 60 Milligramm Nikotin pro Milliliter – das ist dreimal so hoch wie der Grenzwert in Europa. Das heißt, Eltern in den USA sind zur Recht sehr besorgt, dort boomt „Juul“ an den Schulen; das Dampfen ist so hip geworden, dass es sogar ein eigenes Wort dafür gibt, „juulen“.

Weil bei uns nur 20 mg Nikotin drinstecken ist die Suchtgefahr deutlich niedriger – trotzdem sprechen Fachleute am Deutschen Krebsforschungsinstitut von einem „erhöhten Abhängigkeitspotential“. Das gilt allerdings auch für die anderen E-Zigaretten, die die erlaubte Höchstgrenze in Europa voll ausschöpfen -- die sind genauso riskant.

Die Herstellerfirma sagt ja, dass sie Nikotin nicht in flüssiger Form, sondern als Nikotinsalz verwendet, das soll besonders lungenschonend sein. Stimmt das?

„Juul“ hat sich das als erste Firma patentieren lassen, aber auch andere E-Zigaretten setzen auf Nikotinsalze. Der Dampf reizt dann beim Einatmen die Lunge weniger, man kann tiefer inhalieren. Manche Forscher warnen, dass man dadurch mehr Nikotin aufnimmt als bei herkömmlichen E-Zigaretten. So komme es schneller zur Abhängigkeit. Andererseits müssen Nutzer vielleicht auch weniger oft dampfen, weil der einzelne Zug befriedigender ist, das könnte sich also ausgleichen. Genau weiß man das im Moment noch nicht.

E-Zigarette Juul

Juul ist in den USA extrem erfolgreich - und hoch umstritten: Auch unter Schülern ist die E-Zigarette, die an einen USB-Stick erinnert, immens beliebt.

Ein Element haben ja alle E-Zigaretten und Tabakverdampfer gemeinsam: Es gibt sie immer auch mit leckerem Frucht-Aroma wie Mango, Erdbeer oder Kirsche. Auch diese Zusätze sind umstritten, wie bedenklich sind die?

Das ist ein Feld, auf dem noch viel Forschung nötig ist. Natürlich dürfen die Firmen nur Aromastoffe nutzen, die nach europäischem Lebensmittelrecht als unbedenklich gelten. Aber es ist eben nicht dasselbe, ob ich etwas im Brot oder in der Suppe bei normalen Temperaturen schlucke oder stark erhitzt einatme. Forscher haben zum Beispiel schon gefährliche Benzaldehyde im Dampf von Liquids mit Kirschgeschmack gefunden. Oder Diacetyl beim Verdampfen von cremig schmeckenden Flüssigkeiten – das kann starke Entzündungen in den Bronchien auslösen.

Wissenschaftler in den USA haben auch viele freie Radikale in bestimmten Aromastoffen entdeckt – bei Mäusen haben sie die Atemwege geschädigt und das Immunsystem geschwächt. Über die Wirkung beim Menschen kann man nur spekulieren, aber freie Radikale sind sehr reaktionsfreudig und können Zellen angreifen. Das Deutsche Krebsforschungszentrum warnt außerdem, dass auch Formaldehyd, Metalle und andere schädliche Stoffe im Dampf mancher E-Zigaretten enthalten sind.

Eine Befürchtung ist ja, dass E-Zigaretten für Jugendliche ein Einstieg ins „normale“ Rauchen sein könnten – hat sich das bestätigt?

Erstmal muss man sagen, dass E-Zigaretten in Deutschland an Minderjährige gar nicht verkauft werden dürfen, im Alltag ist das aber keine große Hürde – wer sie will, kommt dran. Ob das nach einer Weile zum Umstieg auf die noch gesundheitsschädlicheren klassischen Tabakzigaretten führt, dazu gibt es widersprüchliche Daten. Eine große amerikanische Studie von 2017 sagt ganz klar Nein: gerade seit 2014, als das Dampfen populär wurde, sank bei Jugendlichen in den USA die Zahl der klassischen Tabakraucher besonders stark, um jährlich knapp 14 Prozent.

Zu einem ganz anderen Ergebnis kommen Gesundheitswissenschaftler aus Kiel: Zehntklässler in Schleswig-Holstein haben demnach ein doppelt so hohes Risiko, konventionelle Zigaretten zu probieren, wenn sie vorher E-Zigarette geraucht haben. Laut dieser Studie galt das auch für Jugendliche, die eigentlich als wenig anfällig für Tabakzigaretten gelten -- weil sie normalerweise riskantes Verhalten vermeiden. Diese Jugendlichen werden den Kieler Forschern zufolge durch E-Zigaretten animiert, klassische Tabakzigaretten auszuprobieren. Die Studie lässt allerdings offen, wie viele Jugendliche dann tatsächlich zu herkömmlichen Zigaretten übergehen.

Frau mit E-Zigarette

In der Werbung wird die E-Zigarette meist als gesündere Alternative zur normalen Zigarette dargestellt

Wie sieht es denn aus mit erwachsenen Rauchern, die es nicht schaffen aufzuhören, aber zumindest auf E-Zigaretten umsteigen – tun die ihrer Gesundheit etwas Gutes?

Ja, auf jeden Fall, dazu gibt es inzwischen eine Reihe von Studien. Nach allem, was man bisher weiß, nimmt man über E-Zigaretten deutlich weniger Schadstoffe auf als beim Rauchen herkömmlicher Tabak-Zigaretten. Das sagen auch die Fachleute für Tabakkontrolle am Deutschen Krebsforschungszentrum. Allerdings sind viele Fragen noch offen, weil E-Zigaretten erst seit ein paar Jahren so erfolgreich sind -- mögliche Langzeitfolgen lassen sich noch gar nicht untersuchen. Die britische Behörde für Gesundheitsschutz ist trotzdem überzeugt, dass die Risiken von E-Zigaretten sehr gering sind. Deshalb empfehlen die englischen Experten Rauchern ganz ausdrücklich, auf E-Zigaretten umzusteigen. Es gibt sogar Überlegungen, dass die britischen Krankenkassen bald die Kosten dafür übernehmen sollen.