Nahaufnahme: Booster-Impfampulle. (Foto: imago images, IMAGO / Eibner)

Corona-Impfung

Booster-Impfung macht Hoffnung für Menschen mit Impfversagen

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Die dritte Corona-Spritze verspricht, den Impfschutz von Millionen Menschen aufzufrischen. Aber es gibt Menschen, die nach den ersten Impfungen keine Antikörper gebildet haben. Kann die Booster-Impfung trotzdem helfen?

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Impfversagen: Das ist ein hartes Wort, es klingt so endgültig. Doch das muss es nicht sein. Dieser medizinische Fachbegriff beschreibt das Schicksal von Menschen, bei denen die Impfung keine Wirkung zeigt. Der Körper bildet keine Antikörper, der erhoffte Immunschutz bleibt aus.

Das kommt nur selten vor, doch es gibt Personengruppen, bei denen es häufiger auftritt. Das sind zum Beispiel Patientinnen und Patienten, die an einer Autoimmun- oder chronisch-entzündlichen Erkrankung leiden. Darunter fällt zum Beispiel Arthritis, aber auch Hautkrankheiten wie die Schuppenflechte.

Mehrheit der Patienten entwickelten Antikörper nach Drittimpfung

Doch auch für Menschen mit einem Impfversagen gibt es Hoffnung: In einer Studie der Uniklinik Erlangen wurden 66 Menschen untersucht, die nach den ersten beiden Corona-Impfungen keine Antikörper gegen das Virus und zum großen Teil auch keine zelluläre Immunantwort gebildet hatten.

Diese Menschen hatten trotz doppelter Impfung keinerlei Schutz vor Covid. In der Studie erhielten sie eine dritte Impfung, danach wurde ihre Immunreaktion überprüft. David Simon vom Deutschen Zentrum Immuntherapie der Uni Erlangen sieht die Ergebnisse der Studie sehr positiv:

Die allermeisten Patienten haben eine robuste Immunantwort entwickelt, erfreulicherweise, das waren knapp 80 Prozent der Patienten, die davor eben keine Antikörper entwickelt hatten. Und was auch sehr interessant war, dass das unabhängig davon war, ob die Patienten drittgeimpft wurden mit einem Vektorimpfstoff, von Astrazeneca beispielsweise, oder mit einem mRNA-Impfstoff

Impferfolg hängt von Medikamentierung ab

Diese Erfolgsquote gilt allerdings nur für Patientinnen und Patienten, die keine Medikamente nahmen, welche das Immunsystem herunterregulieren. Bei Studienteilnehmern, die zur Behandlung ihrer Krankheit das Medikament Rituximab einnahmen, stiegen die Antiköperlevel deutlich seltener. Keine Überraschung: Dass die Antikörper-Bildung heruntergefahren wird, ist die gewünschte Wirkung des Medikaments.

Intravenöse Medikamentierung durch Infusion am Handrücken. (Foto: imago images, IMAGO / Panthermedia)
Der Impferfolg bei Probanten, die zur Behandlung ihrer Krankheit das Medikament Rituximab einnahmen, fiel deutlich geringer aus. IMAGO / Panthermedia

Nachimpfung lohnt sich

Vielleicht brauchte das Immunsystem der Patientinnen und Patienten eine höhere Dosis des Wirkstoffs, um eine robuste Abwehr zu bilden, so Simon. Diese könnte mit der dritten Impfung erreicht worden sein.

Die Studie aus Erlangen ist nicht sehr groß: Beteiligt waren 66 Probanden, von denen die Hälfte das Medikament Rituximab einnahmen und dadurch eine deutlich geringere Immunantwort aufbauen konnten. Für den Arzt und Forscher ist sie aber trotzdem ein wichtiges Signal für die Beratung seiner Patienten:

… weil man natürlich häufig Gespräche geführt hat mit Patienten, die nicht reagiert haben und die dann schon so ein bisschen verzweifelt waren: 'Die Impfung bringt bei mir gar nichts! War das jetzt umsonst? Jetzt hab ich keinen Schutz und das bei den Inzidenzen jetzt…' Und wenn man jetzt mit den Daten an die Patientinnen und Patienten herantritt, kann man schon sagen: Es lohnt sich, da nochmal nachzuimpfen.

Eine dritte Impfung wäre dann kein Booster, keine Auffrischung, sondern der noch fehlende Anstoß, einen Immunschutz erstmals aufzubauen.

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