Maschinen mit Bauchgefühl | April April !! Deshalb soll Künstliche Intelligenz dümmer werden

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Karlsruher Forscher haben einen Roboter entwickelt, der möglichst dumme Entscheidungen oder Entscheidungen nach "Bauchgefühl" trifft. Das macht die Maschine menschenähnlicher und dadurch auch irgendwie sympathischer. Auch wenn eine solche Forschung vielleicht Sinn machen würde - es war nur ein Aprilscherz!

Intelligente Autos, Smartphones und intelligente Überwachungssysteme. Es gibt kaum einen Bereich in unserem Leben, der nicht von der künstlichen Intelligenz beeinflusst wird. Je ähnlicher eine Maschine dem Menschen ist, desto eher erweckt sie Vertrauen. Aus diesem Grund sollen Künstliche Intelligenzen jetzt lernen, Fehler zu machen.

Prof. Dr. Paul Jeske forscht am Karlsruher KIT an künstlichen Intelligenzen. Während renommierte Akteure in Wissenschaft und Kunst vor den Folgen eines KI-Zeitalters warnen, verweist Jeske auf die utopischen Chancen von künstlichen Intelligenzen.

Er will die Ängste der Kritikerinnen und Kritiker reduzieren und versucht deswegen, Maschinen menschenähnlicher zu machen. Erste Versuche, persönlichen Assistenten menschliche Stimmen zu geben, haben bei Befragungen zu mehr Vertrauen zu Maschinen geführt.

Human und künstlich zugleich

Im Labor von Prof. Paul Jeske will sein Team aber nicht nur die Stimme menschenähnlicher machen. Sie wollen einen Schritt weiter gehen und künstliche Intelligenzen selbst menschlicher machen. Mit anderen Worten: Die künstlichen Intelligenzen sollen fehlerhafter werden. Jeske nennt das Humane Künstliche Intelligenz, kurz HKI.

Studien von Jeske und seinem Kollegen Prof. Dr. Moritz Stricker vom neugegründeten Lehrstuhl für Mensch-Maschinen-Psychologie haben gezeigt: Menschen sind sehr offen für vermeintliche soziale Interaktionen mit Robotern. Das geht sogar so weit, dass sie sich weigern, einen Roboter auszuschalten, wenn er um sein Leben fleht.

Computerbild: Roboter an einem Laptop (Foto: Imago, imago/Westend61 -)
Die Frankfurter Börse hat schon Interesse angemeldet, denn die Aktienhändlerinnen und -händler wünschen sich eine KI, die Fehler macht, damit das Geschäft spannend bleibt. Imago imago/Westend61 -

In einem weiteren Experiment haben sie herausgefunden, dass menschliche Probandinnen und Probanden sogar Fehler von einem Roboter decken, wenn er darum bittet. Beide Reaktionen basieren auf unserem Mitgefühl. Jeske und sein Team arbeiten deswegen an einer KI, die Fehler macht.

Die dümmste Entscheidung

Ein Paradigmenwechsel mit Folgen, sagt Prof. Dr. Moritz Stricker. Denn bisher ging es immer um Selbstoptimierung: Erst 110 Prozent bei der Arbeit geben, danach zum Sport und abends noch den Kindern etwas vorlesen. Wenn wir laut Stricker aber merken, dass es ganz normal ist, Fehler zu machen, dann trägt das zu einer gesünderen Wahrnehmung des Selbst bei. So erhofft sich Stricker weniger Fälle von Depressionen, Angstzuständen und Burnouts in unserer Gesellschaft.

Jeske und sein Team arbeiten an mehreren Algorithmen. Ein Algorithmus zum Beispiel soll verlässlich die absolut dümmste Entscheidung treffen – ein anderer soll Entscheidungen nicht nach Fakten, Daten und Wahrscheinlichkeiten fällen, sondern anhand von speziellen unvollständigen Datensätzen und Zufallsentscheidungen. Damit soll das menschliche Bauchgefühl simuliert werden.

Vier Männer in OP-Kleidung stehen bei einem Roboter-Gerät (Foto: SWR, SWR - Klaus Peter Karger)
Auch OP-Roboter mit der neuen HKI können die Welt der Medizin spannend gestalten. SWR - Klaus Peter Karger

Aktienhandel wäre sonst langweilig

Auch in der globalisierten Unternehmenswelt soll die HKI zum Einsatz kommen. Die Frankfurter Börse hat schon Interesse angemeldet. Zurzeit kaufen und verkaufen Algorithmen Aktien und Wertpapiere in unfassbarer Geschwindigkeit. Die Aktienhändlerinnen und -händler wünschen sich eine KI, die Fehler macht, damit das Geschäft spannend bleibt.

Außerdem wünschen sie sich von der neuen Technologie, dass sie auch mal Pause macht. So könnten sie selbst mal zusammen Mittagessen gehen und einander besser kennenlernen - ohne schlechtes Gewissen. Prof. Stricker und Prof. Jeske sind sich in jedem Fall sicher: Ihre Idee hat das Potential, die Welt zu verändern.

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