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Orcas können einfache Lautfolgen nachplappern wie ein Papagei (Symbolfoto)

Schwertwale können einfache Laute imitieren Der sprechende Orca

Wikie ist ein Schwertwal, genauer: ein vierzehnjähriges Orca-Weibchen. Es stammt aus Norwegen. Und ahmt die Sprache der Menschen nach.

Schwertwale, auch Orcas genannt, sind bekannt dafür, dass sie Laute erlernen. Weibchen Wikie hat trainiert und kann neben "Hello" auch "One, two" und "Bye-bye" bilden. Das berichtet ein internationales Forscherteam in den "Proceedings B" der britischen Royal Society.

Schwertwale kommunizieren untereinander über bestimmte Laut-Dialekte

Dabei ist das Sprachverständnis bei den Schwertwalen nicht angeboren, sondern muss erst erlernt werden. Das versichert Walforscher Andreas Pfander. Die Tiere lernen den Dialekt von ihren Angehörigen in der Familiengruppe. Gerade die Schwertwale sind für ihre gruppenspezifischen Dialekte geradezu berühmt. Sie nutzen Laute zur Echoortung und zur Kommunikation. Dabei zeichnet sich jede Gruppe durch ein eigenes Repertoire an knarzenden, fiependen und brummenden Lauten aus.

Orca Wikie kann einfache Lautfolgen wie "Hello" oder "Amy" nachahmen

Orca Wikie kann einfache Lautfolgen wie "Hello" oder "Amy" nachahmen


Orca-Weibchen Wikie hat gelernt Hello zu sagen

Verhaltensforscher im Marineland Aquarium im französischen Antibes setzten da an. Sie wollten nachweisen, dass Orcas nicht nur unterschiedliche Wal-Dialekte erlernen können, sondern auch ein paar Wörter in der menschlichen Sprache. Sie trainierten deshalb mit dem 14 Jahre alten Orcaweibchen Wikie, das in einem französischen Aquarium lebt. Mit Erfolg: auch wenn das nicht unbedingt als „Hello“ durchgehen würde, sind deutlich zwei Silben zu erkennen sowie eine Lautmelodie, die der Vorgabe der Trainerin entspricht.

Das Tier kopiert. Es lernt, ein neues Geräusch zu produzieren, das es noch nie zuvor von sich gegeben hat; ein Geräusch, das gar nicht vorkommt im natürlichen Lautrepertoire dieser Art.

Der vergleichende Psychologe Josep Call von der University of St. Andrews in Schottland hat wissenschaftlich ausgewertet, was seinen Kollegen in Frankreich gelungen ist: Wikie die ein oder andere Silbe zu entlocken. Bei kurzen Wörtern ging dies besser, genauso wie es dem Schwertwal leichter fiel, Wörter mit möglichst wenig Konsonanten zu imitieren.

Schwertwale kommunizieren unter Wasser

Unter Wasser produzieren die Wale die Töne anders als über Wasser, in der Luft. Alles was über Wasser stattfindet, scheint für die Tiere eine Art Spiel zu sein. Die Laute unter Wasser jedoch haben einen Sinn.

Wenn sie untereinander kommunizieren, findet das unter Wasser statt. Dann setzen sie Grunz-, Quiek-, Klick- und Pfeiflaute ein. Der Vokalapparat von Meeressäugern unterscheidet sich sehr von an Land lebenden Säugetieren. Wale atmen durch das Blasloch, das sich oben auf ihrem Schädel befindet. Dadurch kommen ganz andere Geräusche zustande.

Umgekehrt heißt das: Wale können Wörter wie „Hello“ oder „Amy“ eigentlich gar nicht produzieren. Sie versuchen es aber trotzdem. Und entsprechend klingt es ...


Der Orca als Papagei

Der Wal plappert ganz ähnlich wie ein Papagei erst mal nur nach was die Trainer ihm vormachen. Mit "hello" begrüßt er uns nicht- sagt Psychologe Josep Callum. Denn der Orca weiß nicht, was er sagt. Er imitiert Laute, ohne deren Bedeutung zu kennen.

Doch das könnte sich bei intelligenten Tieren wie Schwertwalen noch ändern. Das wäre der nächste Schritt. Was, wenn Wikie statt der vertrauten Amy demnächst einen anderen Tierpfleger von selbst mit dem „Hello“-Laut begrüßen würde?

Verständnis der Walsprache für weitere Forschungen wichtig

Doch egal ob Wikie diesen Schritt tun wird oder nicht- ein tieferes Verständnis der Walsprache ist wichtig. Wenn Forscher beispielsweise verschiedene Dialekte von Schwertwalen unterscheiden können, dann können sie damit auch die Wanderwege der einzelnen Orca-Gruppen nachvollziehen. Meeresbiologen könnten das nutzen, um den Erhalt einer Art zu gewährleisten und ihre Lebensräume zu schützen.