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Statt zwei Impfungen zunächst nur eine – um schneller mehr Menschen mit einem ersten Schutz gegen Covid 19 auszustatten. Kann das eine erfolgversprechende Strategie sein?

Impfstoffdosen (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance, dpa-Zentralbild Pool, Ronny Hartmann)
Knapp 1,35 Millionen Impfstoffdosen gegen eine Erkrankung mit Covid 19 waren zum Jahresbeginn 2021 bereits ausgeliefert. picture alliance, dpa-Zentralbild Pool, Ronny Hartmann

So viel Schutz besteht nach nur einer Impfung

Die Zulassungsstudie für den Biontech-Impfstoff zeigt, dass nach der ersten Impfung in der Gruppe der Geimpften 50 Prozent weniger Covid 19-Fälle beobachtet wurden als in der Gruppe der Nicht-Geimpften – also nach etwa drei Wochen, kurz bevor die zweite Impfung erfolgen sollte. Wird der Impfstoff nach drei Wochen ein zweites Mal injiziert, zeigt der Vergleich zwischen den beiden Gruppen, dass durch die Impfung 95 Prozent der Erkrankungen vermieden werden.

Abstand von drei Wochen

Zwei Impfungen im Abstand von drei Wochen – dieses Impfschema testete Biontech im Rahmen seiner Impfstoffentwicklung. Für andere zeitliche Abstände gibt es noch keine Studien. Ob eine auf einen späteren Zeitpunkt verschobene zweite Impfung noch einen verstärkenden Effekt hat, kann man nur vermuten. Viele Forscherinnen und Forscher empfehlen deshalb weiterhin nach der derzeit gültigen Empfehlung vorzugehen.

Terminplan mit Eintrag "Impfung" (Foto: Imago, imago images / Steinach)
Derzeit prüft die Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts, ob der Abstand zwischen der ersten und der zweiten Impfung verlängert werden kann. Damit wäre zunächst mehr Impfstoff verfügbar. Imago imago images / Steinach

Keine Herdenimmuniät nach nur einer Impfung

Könnte man auf die zweite Impfung komplett verzichten? Das Ziel der Herdenimmunität wäre mit einer Einzeldosis des Biontech-Impfstoffs nicht zu erreichen. Lässt sich die gesamte Bevölkerung nur einmal impfen, würden beim Biontech-Impfstoff nur 50 Prozent der Erkrankungen in der Bevölkerung vermieden. Um 70 Prozent der Bevölkerung zu immunisieren und so einen Herdenschutz auch für Ungeimpfte zu erreichen, ist die zweite Impfung notwendig. Es kann also nur darum gehen, den Abstand zwischen den Impfungen zu verlängern, und nicht darum, auf die zweite Impfung komplett zu verzichten.

Impfbereitschaft könnte leiden

Die Impfbereitschaft des einzelnen Bürgers hängt wesentlich davon ab, welchen Schutz er oder sie durch die Impfung für sich persönlich zu erwarten hat. Wer will sich mit einem 50-prozentigen Schutz zufriedengeben, wenn er 95 Prozent bekommen kann? Das Angebot an die Bürgerinnen und Bürger, sich zunächst nur einmal impfen zu lassen, wäre deshalb wahrscheinlich für viele kein wirklich attraktives. Auch wenn dadurch, auf die Bevölkerung als Ganzes betrachtet, mehr Menschen einen ersten Schutz gegen Corona erhalten könnten, als nach dem empfohlenen Impfschema zu erwarten wäre. Denn 1000 Impfdosen reichen für 1000 Einmalimpfungen die statistisch gesehen 500 Menschen schützen oder für 500 Doppelimpfungen die bei 95 Prozent Wirkungsgrad 475 Menschen schützen.

Moderna-Impfstoff (Foto: Imago, imago images / Sven Simon)
Nun wird der Corona-Impfstoff des US-amerikanischen Pharmakonzerns Moderna in der EU zugelassen. Doch auch er muss für seine volle Wirksamkeit zweimal geimpft werden. Imago imago images / Sven Simon

Alle diese Rechnungen mit 50 bzw. 95-Prozent Wirksamkeit gelten nur für den Biontech-Impfstoff und für den Moderna-impfstoff, für den die Erfolgsstatistik ähnlich aussieht. Möglicherweise kommen aber bald Impfstoffe auf den Markt, die nach der ersten Impfung höhere Wirksamkeiten als 50 Prozent aufweisen und mit denen ein vorläufiger oder sogar dauerhafter Verzicht auf eine zweite Impfung eher vorstellbar wäre.

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